Startschuss für das Silicon Valley von Dübendorf

Die Ständeräte gehen mit dem Nationalrat einig: Auf dem ehemaligen Militärflugplatz Dübendorf soll ein Innovationspark entstehen. Bereits in den nächsten Tagen wird sich eine Trägerschaft bilden.

Der Innovationspark auf dem Flugplatz Dübendorf hat eine weitere Hürde genommen.

Der Innovationspark auf dem Flugplatz Dübendorf hat eine weitere Hürde genommen. Bild: Kurt Schorrer/Keystone

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Ruedi Noser sitzt mit einem kleinen Knopf im Ohr an seinem Platz im Nationalrat. Um ihn herum streiten sich die Nationalräte über das neue Asylgesetz. Doch der Zürcher FDP-Politiker hört durch den Ohrstöpsel einer anderen Debatte zu: Der Ständerat diskutiert über den Innovationspark, Nosers grosses Anliegen. Er freut sich: Der Ständerat will, dass auf dem ehemaligen Militärflugplatz in Dübendorf ein Teil dieses Parks entsteht. Der Bund soll das Land im Baurecht abgeben können, bis zu 70 Hektaren. Der Ständerat stimmt auch den 350 Millionen Franken zu, die der Bund für das Vorhaben «Swiss Innovation Park» als Bürgschaft einsetzen will.

Noser ist Präsident des Vereins Swiss Innovation Park und der Präsident der gleichnamigen Stiftung. Sie ist künftig dafür verantwortlich, dass Forscher mit der Bundesbürgschaft Messgeräte kaufen, Labore und Reinräume einrichten können. Dass sich über die Schweiz verteilt Firmen mit Hochschulen vernetzen, gemeinsam neue Produkte entwickeln und diese bis zur Marktreife erforschen.

3-D-Drucker für alle

Für Dübendorf bedeutet das gestrige Ja viel: «Jetzt wird der Innovationspark real», sagt Noser nach der Ständeratsdebatte. Der Nationalrat hat das Land und die 350 Millionen im Juni gutgeheissen. Der Zürcher Kantonsrat hat das Gebiet bereits in den Richtplan eingetragen. Kritik gab es von der Zürcher SVP, die von einem «Illusionspark» und «staatlicher Subvention» sprach, aber unterlag. In den nächsten Tagen wird sich eine Trägerschaft bilden. Darin sind der Kanton Zürich, die Kantonalbank und die ETH vertreten. Und so schnell wie möglich soll sich in Dübendorf das erste Forschungslabor ansiedeln können. Interessenten haben bereits angeklopft: Zum Beispiel die Empa könnte sich vorstellen, in Dübendorf an einem 3-D-Drucker zu tüfteln. Einer, der für KMU zugänglich ist und sich im Maschinenbau etablieren soll. Das sagte Empa-Direktionsmitglied Pierangelo Gröning der NZZ.

Geschwindigkeit ist für Noser aber nicht das wichtigste Ziel. Ginge es nach ihm, könnte der Innovationspark Dübendorf langsam während der nächsten 30 Jahre entstehen. Wenn er sich den Park vorstellt, sieht er einen neuen Stadtteil vor sich. In den Erdgeschossen der Neubauten sollen Restaurants, Bars, Veloläden und Biogeschäfte entstehen, in den oberen Stockwerken die Labors der Entwickler und Forscherinnen. Anders als grosse Industriegebiete wie das Vorbild Silicon Valley in Kalifornien sieht er den Innovationspark nicht als reinen Arbeitsort, wo in der Nacht niemand mehr auf der Strasse ist.

Der Schweizer Innovationspark ist vor allem eine Marke, Dübendorf ein Teil davon. Die Park-Stiftung, die Noser präsidiert, fördert fünf Innovationsstandorte in der Schweiz: zwei grosse – einen nahe der ETH Lausanne, einen auf dem Flugplatz Dübendorf – und drei kleinere in Basel, Biel und beim Paul-Scherrer-Institut im Kanton Aargau (TA von gestern). Fünf Standorte seien viel, sagt Noser. Ursprünglich waren nur die beiden grossen vorgesehen. Das sorgte jedoch für Unmut und für diesen «Schweizer Kompromiss» von grossen und kleinen Innovationspärken.

Ostschweizer lobbyieren

Die Angst, dass eine Region zu wenig profitiert, war gestern auch im Ständerat zu spüren – vor allem aus der Ostschweiz. Sie hat zurzeit keinen Standort, der unter dem Label vermarktet werden wird. Das kritisierten mehrere Ständeräte. Der St. Galler Sozialdemokrat Paul Rechsteiner warnte: «Die Schweiz endet nicht in Dübendorf.» Die St. Galler FDP-Frau Karin Keller-Sutter fragte, was die Ostschweiz tun müsse, um noch in die Kränze zu kommen, und die Thurgauerin Brigitte Häberli-Koller (CVP)hoffte, dass sich die Ostschweiz im nächsten Jahr nochmals um Aufnahme bewerben wird. Das hatte sie bereits getan, war aber erfolglos geblieben, genauso wie das Tessin mit seinem. FDP-Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann versicherte den Zweiflern, dass ihre Region zum Zug komme, wenn ein gutes Konzept vorliege.

Erfolglos blieb im Ständerat auch ein Anliegen, das der Nationalrat eigentlich gutgeheissen hatte. Die grosse Kammer will der Park-Stiftung Geld zukommen lassen. Der Baurechtszins, den der Bund für das Land in Dübendorf einnimmt, soll nicht zum Bund, sondern in die Stiftung fliessen. Damit könnte diese die einzelnen Innovationsparks unterstützen. Der Ständerat lehnte diesen Antrag mit 21 zu 17 Stimmen ab. Der Nationalrat wird nächste Woche deshalb nochmals darüber beraten. Noser hat als Nationalrat bereits gegen den Zustupf für die Stiftung gestimmt. Er träumt davon, dass der Schweizer Innovationspark kein Bundesgeld braucht. Er soll grosse Summen an Forschungsgeldern in die Schweiz holen – zum Beispiel aus China.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 10.09.2015, 09:39 Uhr)

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Ruedi Noser

FDP-Nationalrat (ZH)

«Jetzt wird der Innovations­park real.»

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