«We resist – auch wenns pisst»

Der Frauenmarsch mit über 10'000 Teilnehmenden war laut, bunt und vielfältig. Es gab aber auch unschöne Szenen.

Warum gehen Frauen auf die Strasse? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat nachgefragt. (Video: Tamedia/Sarah Fluck)

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Es hätte ein Meer von pinken «Pussy»-Mützen geben sollen. Es wurde ein Strom bunter Regenschirme. Der Wettergott Petrus war dem ersten Zürcher «Women’s March» vom Samstag nicht gut gesinnt und bescherte der Stadt Wind und Regen. In den sozialen Medien gab es am Morgen vor der Veranstaltung aber ein klares Motto: «We resist (wir widerstehen) – auch wenns pisst».

Und die Widerstehenden kamen in Scharen: Es dürften weit über 10’000 – laut Organisatoren gar 17’000 – Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewesen sein, die am Samstagnachmittag vom Helvetiaplatz über die Werdstrasse zur Uraniabrücke zogen und dann dem Limmatquai entlang bis zum Bürkliplatz marschierten. Die Stimmung war friedlich – einzig ein Betrunkener sowie ein religiöser Eiferer störten kurz die erste Reihe des Demonstrationszugs mit Beschimpfungen. Zu den Klängen von Beyoncés Lied «Formation» und Reggae-Rythmen von Bob Marley bewegten sich die vielen besonders jungen Frauen, aber auch einzelne Männer und Kinder durch die Stadt. «Menschenrecht ist Frauenrecht, Frauenrecht ist Menschenrecht» – der Gesang zog immer wieder durch die Reihen.

Am Stauffacher gab es von den Beistehenden gar spontanen Applaus für die Marschierenden. Die Botschaften auf den Plakaten waren so bunt wie die Trägerinnen selbst: «Danke an die, welche den Weg frei machten», hiess es auf einem Banner, «weiblich darf nicht weniger wert sein» auf einem Schild. Auffällig viele Plakate waren in Englisch verfasst. «Wir möchten unsere Anliegen allen Menschen auf der Welt zugänglich machen», erklärte die Schülerin Patricia Lambal ihr englisches Schild.

Der Marsch bildet eine Fortsetzung der grossen Frauenproteste, die am 21. Januar, einen Tag nach der Einsetzung Donald Trumps zum US-Präsidenten, stattfanden. In Washington und anderen Städten, unter anderem auch in Genf, protestierten mehrere Millionen Menschen gegen den «Trumpismus».

Keine einheitliche Botschaft

Hinter diesen Demonstrationen steht die internationale Protestbewegung «We can’t keep quiet» (Wir können nicht schweigen). In der Schweiz ist die Bewegung als Aktionsbündnis organisiert, dem unter anderem Frauenorganisationen, Gewerkschaften, Migrantinnengruppen, linke Parteien sowie Lesben-, Schwulen- und Transgenderorganisationen angeschlossen sind. Gemäss der Website des Bündnisses sind es deren rund 30 Gruppierungen, darunter neben den Gewerkschaften UNIA und VPOD-Frauen, die SP-Frauen, die JUSO und die Grüne Partei Schweiz. Sie hielten sich zu Beginn des Demonstrationszuges zurück.

Pinke Pussyhats und bunte Schirme: Am Frauenmarsch durch die Zürcher Innenstadt nahmen über 10'000 Personen teil. (Video: SDA)

Auf der Bühne am Bürkliplatz ergriff Brigitte Gügler, Gewerkschaftssekretärin der VPOD Sektion Zürich, als erste das offene Mikrofon und sprach sich gegen die am Tag zuvor im Parlament beschlossene Rentenreform aus. Diese sieht eine Erhöhung des Rentenalters für Frauen vor. Auf Gügler folgte die Juso-Präsidentin Tamara Funiciello, die unter anderem ihren Frust gegen die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern ausdrückte.

Auf die zwei bekannten Rednerinnen folgten rund 25 Frauen, die sich zu einem Sammelsurium an Themen äusserten. Sie bemängelten unter anderem den hohen Anteil an Gratisarbeit, den Frauen leisten, sexuelle Gewalt, Prostitution, das Abtreibungsgesetz und fehlende Rechte für LGBTQ-Menschen. Eine einheitliche Botschaft gab es nicht. Offen blieb, wie es in Zukunft weitergehen wird. Virginia Köpfli, die sich im Vorfeld stark für den Zürcher «Women’s March» engagiert hatte, sagte: «Der heutige Tag war ein Startschuss, um nun politisch aktiv zu werden.»

Der Anlass blieb friedlich, teilte die Stadtpolizei mit. Abgesehen von ein paar Böllern, die «linke Exponentinnen» vor dem Rathaus gezündet hätten und ein paar erboste Autofahrer, die sich über die Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt beschwerten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.03.2017, 15:19 Uhr

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