Zürich

16-jähriger Schwerverletzter ist Sohn von Feuerwerker

Von Doro Baumgartner. Aktualisiert am 28.06.2010

Gleich neben dem Kopf eines 16-Jährigen explodierte am Dorffest von Niederhasli ein Feuerwerkskörper. Der Vater des Opfers gilt als erfahrener Feuerwerker.

Diese Feuerwerkskörper wurden einem 16-Jährigen in Niederhasli zum Verhängnis.

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Bild: Markus Heinzer/newspictures

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Gegen 22.30 Uhr am Samstagabend haben ein Mann und sein 16-jähriger Sohn das Feuerwerk am Dorffäscht von Niederhasli gezündet. Dieses hätte rund 15 Minuten dauern sollen. Doch bereits nach 10 Minuten war das pyrotechnische Erlebnis zu Ende. Daraufhin überprüfte der 49-jährige Feuerwerker die Steueranlagen und entschied sich, die verbleibenden Knallkörper manuell zu zünden. Der 16-jährige Sohn folgte seinem Vater zur Anlage. Dies hatte verheerende Folgen: Aus noch unbekannten Gründen detonierte ein Feuerwerkskörper und verletzte den jungen Mann schwer am Kopf, wie die Kantonspolizei gestern in einer Mitteilung schrieb.

Nach der Erstversorgung durch die Rettungssanität wurde der Schwerverletzte mit dem Rettungshelikopter der Rega ins Spital geflogen. Der genaue Hergang des Unfalls wird nun durch die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland abgeklärt. Laut Gemeindepräsident Marco Kurer, sind die Verletzungen schwerwiegend: «Dem Jungen geht es sehr schlecht.» Die Familie wird seit dem Unglück von einem Care Team der Kapo betreut. Das sei in so einem Moment sehr wichtig, sagt der Gemeindepräsident. Kurer seinerseits steht ebenfalls in ständigem Kontakt mit der Familie.

Gemeinde denkt über künftigen Verzicht nacht

Das Dorffäscht in Niederhasli findet bereits zum fünften Mal statt – aber zum ersten Mal mit einem Feuerwerk. Gemäss Kantonspolizei sind Feuerwerke offiziell nur am 1. August und an Silvester erlaubt. Um an einem Dorf- oder Stadtfest ein solches durchzuführen, muss die Gemeinde dafür eine Erlaubnis erteilen.

Der Präsident des Organisationskomitees des Dorffäschts, Rolf Hostettler, ist überzeugt, dass das OK die richtigen Vorkehrungen für ein Feuerwerk getroffen hat. Dazu zählen unter anderem die Absperrung eines Platzes und dessen Bewachung. «Natürlich fragen wir uns, ob wir wirklich alles richtig gemacht haben und ob wir das nächste Mal auf ein Feuerwerk verzichten sollen.» Hostettler sieht den Vorfall jedoch als Arbeitsunfall, mit einem «leider tragischen Ausgang».

Wurde die Routine zum Verhängnis?

Der OK-Präsident kennt den 49-Jährigen als einen erfahrenen Feuerwerker. Den Sohn habe er ihm als seinen Lehrling vorgestellt. Beide seien professionell aufgetreten und als Feuerwerker gekennzeichnet gewesen. Sie trugen gute Schuhe und spezielle Hosen. «Ich hatte den Eindruck, dass sie viel Freude an ihrem Beruf haben.»

Die Gemeinde hat über den Feuerwerker, der aus Niederhasli kommt, Referenzen eingeholt, und diese waren tadellos. Auch Hostettler kann über den Hergang des Unfalls nur mutmassen. «Vielleicht wollte der Feuerwerker nicht, dass ausgerechnet in seiner Gemeinde das Feuerwerk nicht klappt.» Vielleicht sei ihm aber auch die Routine zum Verhängnis geworden. «Ich habe mich in den letzten Stunden oft gefragt, weshalb sein Sohn ihm folgte.» Doch auch diese Frage bleibt im Moment unbeantwortet. «Wir können nur beten und hoffen, dass es dem Jungen bald besser geht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.06.2010, 07:24 Uhr

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