Zürich

Altersheim-Projekt gescheitert: Stadt räumt Fehler ein

Von Manuela Moser. Aktualisiert am 21.08.2010

Die Tertianum AG will für Opfikon kein Alterszentrum bauen. Zu unsicher ist der privaten Investorin die Finanzierung. Nun sucht die Stadt einen neuen Partner.

54 Pflegebetten sowie ebenso viele Alterswohnungen hätten auf Anfang 2012 für die ältere Opfiker Bevölkerung bereitstehen sollen. Auf kommenden Frühling war der Baubeginn angesetzt. Daraus wird nun aber nichts. Das Projekt «Seniorenzentrum Bubenholz, Glattbrugg» – so der offizielle Name – wurde abgebrochen, wie der Stadtrat gestern mitteilte. Mitunterzeichnerin der Meldung ist die Tertianum AG, die als Investorin agierte und das neue Seniorenzentrum als Betreiberin auf privatwirtschaftlicher Basis führen wollte.

Grund für den Projektabbruch sei die gegenwärtige Rechtsunsicherheit im Zusammenhang mit dem revidierten Krankenversicherungsgesetz, heisst es. Im Kanton Zürich erteilt die Gesundheitsdirektion einem Pflegebetrieb erst dann eine Bewilligung, wenn er bereits errichtet ist und die neu geschaffenen Pflegebetten in der sogenannten Zürcher Pflegeheimliste aufgenommen sind. Ohne Aufnahme in diese Liste können die Bewohner die Pflegeheimleistungen nicht mit der Krankenkasse abrechnen. «Unter diesen Bedingungen wird uns die Kundschaft fehlen», sagt Christina Schneider, Leiterin Marketing und Kommunikation bei der Tertianum, auf Anfrage. Zudem müsste die Firma Pflegeleistungen erbringen, ohne die Sicherheit zu haben, dass diese auch von den Krankenversicherern in Rechnung gestellt werden können. «Dieses Risiko ist uns zu hoch», sagt Schneider, «insbesondere angesichts der hohen Investitionskosten von über 46 Millionen Franken.» Dennoch sei das Projekt für die Tertianum AG nicht gestorben. Markus Maurer, Leiter der Unternehmensentwicklung, dazu: «Wir sind bereit, zusammen mit der Stadt neue Modelle zu suchen, die rentieren.»

Bei der Stadt Opfikon kommt eine weitere Zusammenarbeit mit der Tertianum AG jedoch nicht infrage. «Für uns ist das Projekt in dieser Form mit diesem Partner ganz sicher beendet», sagt die Sozialvorsteherin Beatrix Jud. Mit ein Grund sei auch, dass die Tertianum bekanntermassen im Luxussegment baue. «Wir sind eher eine VW- als eine Mercedes-Gemeinde», sagt Jud. Laut der Sozialvorsteherin liesse sich daher eine idealere Partnerschaft finden, die ein kostengünstigeres Projekt realisiert. «Aus heutiger Sicht war die eingegangene Partnerschaft mit der Tertianum vielleicht sogar ein Fehler.»

Angespannte Situation

Das Projekt ist gescheitert: Mit den wegfallenden neuen Pflegeplätzen für alte Leute sei die Situation in Opfikon jetzt «angespannt», sagt Jud. Zurzeit verfügt die Stadt über 90 Pflegebetten im Alterszentrum Gibeleich, inklusive der Betten in den Aussenwohngruppen.

Eine Bedarfsstudie hatte 2003 zudem ergeben, dass die Stadt im Jahr 2010 circa 130 und fünf Jahr später 144 Pflegebetten benötigen würde. «Die Zahlen ändern sich aber ständig», relativiert Jud. Gerade im Glattpark-Quartier, wo laufend neue Wohnungen entstehen, sei es schwer abzuschätzen, wie viele Alte dereinst Bedarf anmelden. «Es ist wie Kaffeesatzlesen», sagt Jud. An der nächsten Stadtratssitzung nach den Ferien werde man das weitere Vorgehen besprechen.

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Erstellt: 20.08.2010, 20:35 Uhr

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