An Ostern öffnet die Schleuse wieder
Von Heinz Zürcher. Aktualisiert am 19.03.2010
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Noch ist beim Kraftwerk Eglisau-Glattfelden weit und breit kein Boot zu sehen. Das Wasser strömt grün-braun auf das Wehr zu, stürzt elf Meter in die Tiefe, schäumt kurz auf und setzt gemächlich seinen Weg Richtung Nordsee fort. Für den Rhein eine kleine Hürde, bedeutet das Kraftwerk für die Bootsbesitzer noch bis Ostern Endstation. Erst dann geht die Schleuse nach einem zehnmonatigen Unterbruch wieder auf.
Der Schaden entstand Mitte Mai letzten Jahres. Ein Getriebe, welches das Tor am Oberwasser öffnet und schliesst, stieg aus und musste ersetzt werden. Dies dauerte länger als erwartet. Wegen der Wirtschaftskrise hätten Zulieferer von Bestandteilen für das spezielle Getriebe auf Kurzarbeit umgestellt, sagt Jörg Huwyler, Leiter der hydraulischen Kraftwerke bei der Axpo (AXP10 105.3 -0.05%) AG. Die Produktion sei deshalb schleppend vorangegangen. Und als das Ersatzteil im Winter in Zweidlen ankam, standen die Mechaniker vor einer Herausforderung: Das Getriebe musste in 20 Meter Höhe montiert werden, und dies bei zeitweiligem Schneetreiben und Wind.
Der Reiz der Schleuse
Die Havarie hat das Kraftwerk 160'000 Franken und einige Reklamationen von Schifffahrtsbetreibern gekostet. Um beispielsweise von Kaiserstuhl nach Eglisau oder Tössegg zu gelangen, sind diese auf die Schleuse angewiesen. Ausserdem hat der Auf- und Abstieg im Wasser seinen Reiz. Entsprechend sind diese Fahrten bei den Passagieren beliebt. Um die Strecke dennoch zu bewältigen, haben sich Schifffahrtsunternehmen teilweise abgesprochen und den Fahrgästen eine Umsteigemöglichkeit organisiert – über eine Rampe entlang dem Rheinufer.
Auf dieser werden bald auch wieder Gummiböötler und Kanuten ihre Transportmittel transferieren. Ihnen ist es nach wie vor nicht gestattet, die Schleuse zu benutzen. Das Auf und Ab im «Wasserlift» ist Kapitänen von immatrikulierten Booten vorbehalten. Zwar ist die Bedienung der seit 2003 automatisierten Schleuse einfach. Aber der Weg dorthin sei manchmal nicht ohne, sagt Jörg Huwyler. «Bei Hochwasser geht da jedenfalls niemand freiwillig durch.»
Denn wer bei hohem Wasserstand flussabwärts fährt und es verpasst, vor der Schleuse in die Nähe des Ufers zu steuern, riskiert, das Gefälle von 11 Metern im freien Fall zu überwinden. «Wenn man sich vor dem Kraftwerk mitten im Fluss befindet und auf einmal der Motor abstellt, braucht man schon Nerven», sagt Huwyler. Aber auch unterhalb des Wehrs wartet auf manch einen ungeübten Freizeitkapitän eine Herausforderung. Bei grossen Wassermassen bilden sich starke Strömungen, die das Manövrieren der Boote erschweren. Deshalb wird die Schleuse bei hohem Wasserabfluss gesperrt.
Stau auf dem Wasser
Bis 2003 schaute noch ein Schleusenwärter nach dem Rechten. Seither liegt die Verantwortung ganz bei den Bootsführern. Unfälle habe es aber keine gegeben, sagt Huwyler. Dass der Pikettdienst ausrücken muss, weil jemand durch eine Fehlmanipulation den Schleusenvorgang blockiert, komme aber ab und zu vor. Vor allem dann, wenn unerfahrene oder alkoholisierte Bootsführer die Regeln missachten, könnten lange Wartezeiten entstehen. Besonders ärgerlich sei dies an sonnigen Sommerwochenenden, wenn sich die Boote sowieso schon vor der Schleuse stauen.
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Erstellt: 19.03.2010, 04:00 Uhr



































