Atomendlager: Dicke Post für Gemeinden

Am Montag wird der Bund die Gemeinden informieren, die für ein Endlager in Frage kommen. Die Planungsgruppe Zürcher Unterland (PZU) bereitet sich auf eine heisse Phase vor.

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Ein Endlager für Atommüll: Was die Gemeinden im Unterland lange für ein Thema hielten, das allenfalls die Nachbarn im Weinland beschäftigt, könnte sehr bald zu einem Problem vor der eigenen Haustür werden. Am Montag erhalten jene Gemeinden Post vom Bund, die für ein geologisches Tiefenlager in Frage kommen. Dies sagte Werner Bühlmann vom Bundesamt für Energie anlässlich der Delegiertenversammlung der Planungsgruppe Zürcher Unterland (PZU), die am Donnerstag in Winkel stattfand.

Der Bund will zunächst die betroffenen Kantone und Gemeinden informieren, bevor dann am 6. November eine mit Spannung erwartete Medienkonferenz stattfindet. Am nächsten Donnerstag gibt nämlich der Bundesrat die Festlegung von «potenziellen Standortregionen» bekannt. Die PZU ihrerseits will am Tag darauf eine erste Stellungnahme abgeben.

Das Thema sei mit vielen Emotionen verbunden, sagt Hanspeter Lienhart aus Bülach, neu gewählter Präsident der PZU. Er präsidiert auch eine Arbeitsgruppe, die wegen der Endlagerpläne ins Leben gerufen wurde. In der AG Tizu (Tiefenlager im Zürcher Unterland) nehmen Bülach, Höri, Neerach, Oberweningen, Stadel und Rafz Einsitz. Falls andere Gemeinden als zukünftige Endlagerstandort ins Spiel kommen, dürfte die personelle Besetzung entsprechend ändern.

«Falls unsere Region betroffen ist»

Die Region wolle «mit einer Stimme auftreten», sagt der abtretende PZU-Präsident Heinz Baur aus Rafz. Dem pflichtet sei Amtsnachfolger bei. Die PZU-Gemeinden hätten vereinbart, dass sie nach Bekanntwerden des Entscheides nicht einzeln an die Öffentlichkeit gelangten, sagt Lienhart. «Falls unsere Region von einem solchen Standortentscheid betroffen ist, möchten wir angemessen reagieren.»

Was dies konkret bedeute, wolle er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Es gehe sicher nicht darum, umgehend eine ablehnende oder befürwortende Haltung zu formulieren. «Wenn es so weit ist, möchten wir sorgfältige Abklärungen treffen, um eine sachliche Diskussion zu führen.» Im Budget der PZU fürs kommende Jahr sind vorsorglich 10’000 Franken eingestellt.

In der PZU sind 30 Gemeinden aus den Bezirken Bülach und Dielsdorf vertreten. 17 von ihnen müssen theoretisch davon ausgehen, dass sie ins Auswahlverfahren für das ab 2030 geplante Endlager kommen. Ein Gebiet vom Rafzerfeld über Bülach bis ins Wehntal gehört zum Streifen zwischen Schaffhausen und Solothurn, der sich laut Nagra wegen seiner Bodenbeschaffenheit für ein Endlager eignet. Das liegt am Opalinuston – einer rund 120 Meter dicke Erdschicht, die in einer Tiefe von 400 bis 900 Metern vorkommt.

Die Nagra – die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle – war an der PZU-Delegiertenversammlung ebenfalls vertreten. Armin Murer, Leiter Öffentlichkeitsarbeiten: «Das Endlager bringt 120 bis 140 Arbeitsplätze.» So konnte er auch für die Anliegen der Atomlobby werben. Denn Fortschritte bei der Endlagerung sind entscheidend für die Akzeptanz neuer Atomkraftwerke.

In der nächsten Etappe wird der Bund die möglichen Standorte sicherheitstechnisch vergleichen. Auch wenn die gefährlichen Güter tief im Boden «entsorgt» werden: Der Bau und Betrieb eines Endlagers habe wesentliche Auswirkungen auf die Oberfläche, sind sich die Experten einig. Die Entsorgung radioaktiver Abfälle lässt denn auch niemanden kalt – das zeigte sich an der Delegiertenversammlung. Mucksmäuschenstill wurde es während des dritten Gastreferates, als Erik Frank vom Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat über seine Behörde informierte.

Dass gleich mehrere Fachleute in Sachen Atommüllentsorgung von Bern angereist waren, mag einzelne Zuhörer verwundert haben. Es werde jede Gelegenheit genutzt, um die Bevölkerung und die Politiker aus erster Hand zu informieren, sagte der Nagra-Kadermann vielsagend. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.10.2008, 21:04 Uhr

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