Das Duell der «Gladiatoren» endete ohne klaren Sieger
Von Alexander Lanner. Aktualisiert am 11.03.2010
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Der Wahlkampf 2010 in Wallisellen ist um ein Kapitel reicher. Bernhard Krismer (SVP), seit 1998 im Gemeinderat, und seine Kontrahentin Linda Camenisch (FDP), 2000 in die Exekutive gewählt, konnten beim ersten Podiumsgespräch für Präsidentschaftskandidaten noch einmal Werbung in eigener Sache machen. Unter der Gesprächsleitung von SP-Kantonsrat Ruedi Lais und Simone Gatti, Präsidentin der 2002 gegründeten Walliseller Genossenschaft «Zukunftswohnen zweite Lebenshälfte», sollten die potenziellen Gemeindeoberhäupter Stellung nehmen zu gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Themen.
Rund 150 Neugierige liessen es sich nicht nehmen, im Gemeindesaal fast zwei Stunden lang den Visionen, Absichten und Lösungsvorschlägen der Aspiranten zu lauschen. Schon am Anfang brandete den beiden Kandidaten tosender Applaus entgegen, als sie wie zwei «Gladiatoren in die Arena» einmarschierten, wie es Lais formulierte. Dem Tode geweiht waren aber weder Camenisch noch Krismer. Zu friedfertig verlief das Gesprächsklima, weh tun wollte man sich gegenseitig so kurz vor den Wahlen anscheinend nicht mehr.
Das liebe Geld
Als ersten Themenkomplex brachte Lais die Finanzlage der Gemeinde in die Diskussion ein. Bauvorsteher Bernhard Krismer wies gleich auf drei grosse Bauprojekte hin, die in nächster Zeit auf die Gemeinde zukommen. Die Investitionen müssten gestaffelt geschehen, damit der kommunale Finanzhaushalt nicht durcheinandergerate. «Wo Menschen im Mittelpunkt stehen, setzte ich die Prioritäten», sagte Krismer. Als Beispiel nannte er die Erweiterung des Alterswohnheims.
Linda Camenisch hielt fest, dass die Finanzlage im Moment stabil sei. Die Finanzkrise und eine anschliessende Phase der Stagnation seien aber künftig noch spürbar. «Aus diesem Grund müssen wir vernünftig planen», sagte die Freisinnige. Es gelte, gründlich abzuwägen. Man müsse die dringlichen Projekte bevorzugen gegenüber den Vorhaben, die nur den Stempel «nice to have» tragen. Die bisherige Substanz des Angebots solle aber erhalten bleiben.
Bei der Beantwortung der Frage zur Integration gab sich Camenisch keinen Illusionen hin: «Wallisellen wird in den nächsten Jahren noch einmal stark wachsen.» Einige Neuzuzüger könne man sicher abholen und für die vielfältigen Angebote begeistern. Andere werden die Gemeinde nur als Schlafstadt nutzen. Ihr Kontrahent, Bernhard Krismer, verwies vor allem auf die vielen Vereine: «Wer sich integrieren will, hat verschiedene Möglichkeiten dazu.» Zudem seien auch in allen neuen Überbauungen Begegnungsräume geplant.
Quo vadis Glattalstadt?
Nach einer kurzen Pause wurden die beiden Präsidentschaftskandidaten zur «Aussenpolitik» befragt. Beim Schlagwort «Glattalstadt» musste Linda Camenisch zugeben, dass sie sich selbst noch nicht im Klaren sei, in welche Richtung die Entwicklung gehen soll. «Auch viele Beteiligte in den acht Glow-Gemeinden verstehen unter der Glattalstadt etwas anderes», sagte sie weiter. Deshalb sei es zentral, die Zusammenarbeit mit den betroffenen Gemeinden auszudiskutieren. Aber auch die Bevölkerung müsse mitsprechen können.
Bernhard Krismer führte aus, dass Wallisellen seit langem die aktivste der Glow-Gemeinden sei. Er ist sich sicher, dass der eingeschlagene Weg richtig sei. Die Identität der neuen Stadt müsse aber auch von unten wachsen.
Nach der Veranstaltung schienen beide Kandidaten froh zu sein, dass sie vom Podium runtersteigen durften. Einen klaren Sieger brachte das Duell nicht hervor. Einige Punkte mehr machte wohl SVP-Mann Krismer. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die beim «Duell» gestellten Fragen auch eher auf einen Bauvorsteher zugeschnitten waren als auf eine ehemalige Sicherheits- und jetzige Sozialvorsteherin.
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.03.2010, 04:00 Uhr



