Der Mann hinter dem Minarett-Plakat geht auf Tauchstation

Er macht Werbung gegen Schwule und den Islam: Alexander Segert, Chef einer Dübendorfer Werbefirma. Über seinen Job redet er zurzeit nicht gerne.

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Nein, ihr Chef sei nicht zu sprechen, wenn es um die Minarett-Plakate gehe, sagt die Mitarbeiterin der Werbe- und PR-Agentur Goal in Dübendorf. Erst auf energischeres Nachfragen lässt sich Alexander Segert wenigstens schriftlich vernehmen: «In Absprache mit meinen Kunden stehe ich bis zur Abstimmung nicht für Interviews zur Verfügung.» Die plötzliche Zurückhaltung des 46-jährigen Werbers erstaunt: Als es vor ein paar Tagen um das neutrale Plakat ohne SVP-Logo für Regierungsrat Ernst Stocker ging, war er noch so gerne bereit, den Medien Auskunft zu erteilen.

Warum ist Alexander Segert jetzt auf Tauchstation gegangen? Wurde ihm, dem Mann fürs Grobe, die internationale Aufmerksamkeit, die er mit seinen Raketen-Minaretten und der verschleierten Frau erregt, zu viel? Hat er gar Angst bekommen? Wir wissen es nicht, denn der Mann, der sich sonst für keine Provokation zu schade ist, schweigt.

Erst seit kurzem wortkarg

Bis jetzt war Segert immer auskunftsfreudig. Zum Beispiel, wenn er im Rössli Illnau die SVP-Basis für Urnengänge drillt. Da geht es von Kleidertipps übers Auftreten bis zu politischen Positionen. Noch so gerne erklärte Segert 2008, weshalb das kleine Mädchen auf den Anti-Harmos-Plakaten - es ging um den früheren «Chindsgi»-Eintritt - bittere Tränen weint. «Der Fotograf musste nur Harmos sagen - und das Kind hat losgeheult.» In Tat und Wahrheit stammt das kleine Mädchen aus Hawaii.

Segert macht seit 14 Jahren Werbung und Rhetorik-Coaching für die SVP, seit sieben Jahren ist er Geschäftsführer der Agentur Goal, welche die SVP-Kampagnen in der alten Tradition von Hans Rudolf Abächerli weiterführt. Segert wuchs in Hamburg auf, studierte in Konstanz Germanistik und Geschichte und wollte dann Journalist werden. Seinen ersten Job fand er bei der rechtskonservativen «Schweizerzeit» von SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer.

Gegen Schwule und den Islam

Später wurde Segert auch Herausgeber des VPM-nahen und Islam-feindlichen Bulletins «Bürger und Christ», in dem er gegen Schwule, Drogen und Abtreibung wetterte und vor «der schleichenden Infiltration des christlichen Abendlandes durch den Islam» warnte. Alexander Segert war selbst einmal ein Anhänger der rechten Psychosekte VPM - im Sinne einer «intellektuellen Herausforderung», wie er der «NZZ am Sonntag» erklärte.

Diesen Spätsommer machte Segert in Österreich von sich reden, als er für die Rechtspopulisten der Vorarlberger FPÖ den Wahlkampf managte. Vom «Rattenwerber aus der Schweiz» war in den Medien die Rede. In den FPÖ-Parolen schwangen antisemitische Untertöne mit - mit Sprüchen gegen Türken und Asylbewerber lässt sich in Österreich als Rechtsaussen offenbar nicht mehr punkten. «Elterngeld nur für heimische Familien», forderte die FPÖ auf Segerts Plakaten.

Rezept: Simpel und stupid

Segert umschreibt sein Erfolgsrezept mit der Formel Kiss: «Keep it simple and stupid.» (Halte es einfach und blöd.) Für ihn gebe es fast keine Tabus. Ausnahmen? «Alles, was verboten ist, und alles, was die Partei nicht mittragen kann.» Als Deutscher würde er auch, so gewünscht, eine Kampagne konzipieren mit dem Slogan: «Deutsche raus!» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.10.2009, 09:08 Uhr

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