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Der Pilzliebhaber, der keine Pilze isst

Von Doro Baumgartner. Aktualisiert am 20.08.2010

Seine Freizeit verbringt Marcello Maggetti im Wald. Für ein nationales Forschungsprojekt sammelt der Neeracher Namen und Standorte der Pilze.

«Die Pilze und die Bäume leben in einer symbiotischen Beziehung»: Marcello Maggetti.

Pilzatlas online

Die Eidgenössische Forschungsanstalt Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf erarbeitet in einem langfristigen Projekt eine landesweite Pilzdatenbank. An die 280 Freiwillige streifen mit einem extra erarbeiteten Formular im Auftrag der Forschungsanstalt durch die Wälder und sammeln Daten über die Pilze. Im Kanton Zürich wurden über 1800 verschiedene Arten nachgewiesen. Gesamtschweizerisch sind über 5000 Pilzarten bekannt. Davon sind rund 1000 vom Aussterben bedroht. Die Liste der Pilze mit ihren Namen und Fundorten kann im Internet unter www.wsl.ch abgerufen werden. (db)

Fast täglich streift Marcello Maggetti durch die Wälder zwischen Steinmaur, Bachs und Oberweningen. Mit dem Notizblock in der Hand ist er den Pilzen auf der Spur. Er liebe Pilze, sagt der 66-Jährige aus Riedt-Neerach und fügt hinzu: «Nur essen mag ich sie nicht besonders gern.» Ihn faszinieren vielmehr die Farben- und Formenvielfalt. Und deshalb arbeitet der Pensionär seit fünf Jahren ehrenamtlich für das Pilzkartierungsprojekt der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Sein Gebiet hat er in 50 Sektoren aufgeteilt, jeder hat eine Fläche von rund 20'000 Quadratmetern. Akribisch notiert er in seinem Heft, welche Pilzsorte auf welcher Meereshöhe wächst und wie viele Exemplare es sind. Ebenfalls dokumentiert er, wo er die Pilze gefunden hat und bei welcher Baumart.

Ein seltener Fund

Zu Hause angekommen, füttert Maggetti seine Datenbank mit den gesammelten Informationen und schickt sie jeweils Ende Jahr der Forschungsanstalt WSL. Diese veröffentlicht sie dann auf ihrer Website. Dort werden auch Pilze auf­gelistet, die vom Aussterben bedroht sind.

Maggetti ist von Mai bis Dezember jeweils über Mittag im Wald unterwegs. Um diese Uhrzeit sei das Licht am besten. Jede Pilzart habe ihre eigene Umgebung und «ihre eigenen Ansprüche an die Umwelt». Die Pilze und die Bäume lebten in einer symbiotischen Beziehung. Beide Seiten profitierten also voneinander, sagt Maggetti. Kenner wüssten, bei welchen Bäumen bestimmte Arten zu finden seien. Einen besonderen Fund hat Maggetti letzte Woche gemacht. In einem Waldstück entdeckte er den Hohlfussröhrling. Diese Pilzart wächst normalerweise nur in den Bergen. «Solche Funde freuen mich ganz besonders», sagt er.

Vater war Pilzkontrolleur

Pilze haben in Maggettis Leben schon immer eine Rolle gespielt. Früher sei er mit seinem Vater durch die Wälder gezogen, denn dieser war Pilzkontrolleur. Maggetti hat sich sein Wissen selbst angeeignet. Mehrere Hundert verschiedene Sorten kennt er bereits.

Manchmal begleitet ihn auch seine Ehefrau auf den Streifzügen. Sie ist jedoch nicht etwa mit einem Notizblock ausgerüstet, sondern mit einem Körbchen. Die gesammelten Pilze nimmt sie dann mit nach Hause, um sie zu trocknen. Gegessen werden auch diese Pilze nicht vom Ehepaar selbst: «Wir verschenken sie meistens an Freunde», sagt Marcello Maggetti.

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Erstellt: 19.08.2010, 20:53 Uhr

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