Die Bülacher Stadtratskandidaten
Von Fahrettin Calislar. Aktualisiert am 19.03.2010
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Noch hat die SVP drei Sitze im Stadtrat. Nun wird sie von zwei Seiten in die Mangel genommen. Die SP greift mit der Kandidatin Esther Caviola nach dem Sitz der zurücktretenden Hanni Guyer. Die FDP beansprucht mit Willi Wismer den Stuhl des Präsidenten der Primarschulpflege, noch gehalten von Max Nievergelt (SVP). Die SVP unterstützt Wismers Kandidatur. Sie hat beschlossen, den Fehdehandschuh der Linken anzunehmen und stellt Caviola ihren Kandidaten Willi Meier entgegen.
Die Neuen
Esther Caviola (SP) ist kein Politneuling. Die Gewerkschafterin führt das Stadtparlament bis zu den April-Wahlen als Präsidentin. «Neue Sichtweisen und Lösungsansätze sind gefragt», begründet sie ihre Kandidatur. Sie möchte unter anderem den Service public in der Stadt Bülach stärken. Ihre Vorteile sieht sie in ihrer Erfahrung im aktuellen Parlamentsbetrieb. «Ich nehme diese Herausforderung mit Herzklopfen und dem nötigen Respekt an», sagt sie.
Mit Willi Meier (SVP) steht ihr ein im Ort gut verwurzelter Gewerbler mit sozialer Ader gegenüber. Ihm ist vor allem eine intensive Einbindung der lokalen Unternehmen wichtig. «Nach dem markanten Verlust von Arbeitsplätzen in grossen Betrieben zeichnet sich eine Erholung ab, die primär kleineren und mittleren Firmen zu verdanken ist», erklärt er. Arbeiten sollen möglichst an ansässige Firmen vergeben werden. «Ich will Verantwortung für die Entwicklung unserer Stadt übernehmen.»
Fahrlehrer Willi Wismer (FDP) sieht seine Stärken in seiner Erfahrung als Vater und früherer Schulpfleger in Winkel. Sein Ziel als Schulpräsident sei, Erfolgreiches zu bewahren und neue Ideen zu ermöglichen: «Sie sollen – kritisch überprüft – fruchten können, ohne gleich wieder über den Haufen geworfen und ersetzt zu werden.»
Die Bisherigen
Von den Bisherigen sitzt Stadtpräsident Walter Bosshard am sichersten im Sattel. 2006 hatte er einen Gegenkandidaten, diesmal nicht. Obschon im Pensionsalter, will er sich noch eine Legislaturperiode lang reinknien. Vor ihm steht tatsächlich ein ganzer Korb offener Baustellen, allen voran die Frage des neuen Verwaltungsgebäudes, das Bosshard als vordringliche Aufgabe ansieht. Er schätzt seine Aufgaben als Stadtpräsident: «Sie sind spannend, es geht immer um Menschen, Mehrheiten und Sachfragen.»
FDP-Stadtrat Jürg Hintermeister nimmt es sportlich. Seine zentralen Ressorts sind die Bereiche Sport (Sportpark Erachfeld) und Sicherheit (Bekämpfung des Vandalismus). Er war letztes Mal der bestplatzierte Stadtrat nach Bosshard. Dies, obschon er als Quereinsteiger ohne Parlamentserfahrung den Politikbetrieb nicht kannte. Er nehme sich der Herausforderung gerne an, sagt er: «Ich will die längst fällige regionale Sportanlage realisieren und dem Vandalismus die Stirn bieten.»
Etwas schwieriger könnte es Mark Eberli (EVP) haben. Er hatte in den vergangenen vier Jahren mit dem Sozial- und Gesundheitsbereich keine leichte Aufgabe. Vor allem der Wahlkampf um die Sanierung des Alterszentrums Rössligasse wurde mit harten Bandagen geführt. Die begonnenen Aufgaben will auch er weiterführen. Als Vertreter einer kleineren Partei fehlt ihm aber die Hausmacht, nicht nur bei den Wahlen, sondern auch im Parlament. Erst recht, da die EVP dort als Teil der Links-Mitte-Minderheit gilt: «Ich hoffe dennoch, dass ich wiedergewählt werde.»
Finanzvorsteher Walter Baur (SVP) konnte in den vergangenen Jahren immer wieder mit guten Abschlüssen der Stadtkasse brillieren. Trotz Wirtschaftskrise hielt sich der Bezirkshauptort finanziell recht gut, aus tiefroten Vorhersagen wurden oft erfreuliche Abschlüsse. Die Folge: hohes Eigenkapital und reduzierte Schulden. «Die gute Finanzlage Bülachs erlaubt uns, strategische Landkäufe zu tätigen und Reserven für Projekte zu bilden», erläutert Baur. Sein Ziel bleiben tiefere Steuern: «Mit dem hohen Steuerfuss hat sich Bülach einen Standortnachteil eingehandelt, den es zu korrigieren gilt.»
Die Linke ist zurzeit nur durch Hanspeter Lienhart (SP) vertreten. Der Bauvorsteher ist seit 12 Jahren im Stadtrat und hat damit verbunden viele Funktionen inne. So ist er Präsident der Fluglärmorganisation IG Nord, der regionalen Planungsgruppe und des Forums Lägern Nord, das sich mit dem geplanten Endlager für Atommüll beschäftigt. «Ich will mithelfen, Bülach als Stadt und regionales Zentrum nachhaltig, umweltfreundlich und sozial verträglich weiterzuentwickeln.»
Die Bülacher haben am 23. März die Chance, den Kandidaten auf den politischen Zahn zu fühlen. Podiumsgespräch «Stadtratswahlen 2010», organisiert vom Gewerbe Bülach: Dienstag, 23. März, 20 Uhr, im Guss 81-80.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.03.2010, 20:43 Uhr


































