Zürich

Startseite · Abo · Immobilien · Job · Auto · Kleinanzeigen

Ein Sommermonat weit weg von Tschernobyl

Kinder aus dem verstrahlten Gebiet befinden sich derzeit zur Erholung im Kanton Zürich. Eine Erfolgsmeldung, nachdem das Programm fast abgewürgt worden wäre.

Sie werden im Kanton Zürich andere Verhältnisse antreffen, als sie es von Zuhause kennen: Nach der langen Fahrt aus Weissrussland steigen die Kinder in Opfikon aus dem Car.

Sie werden im Kanton Zürich andere Verhältnisse antreffen, als sie es von Zuhause kennen: Nach der langen Fahrt aus Weissrussland steigen die Kinder in Opfikon aus dem Car.
Bild: David Kündig

Artikel zum Thema

Stichworte

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...


Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Es ist früher Morgen in Opfikon. Aus dem Car, der eben angehalten hat, steigen 30 Kinder aus den beiden weissrussischen Dörfern Luninez und Djatlowitschi, die vor 25 Jahren stark von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl betroffen waren. Noch heute ist ihre Heimat verstrahlt. Die Kinder sind alle zwischen 9 und 14 Jahre alt. Sie wirken zwar aufgestellt, aber immer wieder schleicht sich auch Unsicherheit in ihre Gesichter. Gross ist der Kontrast zwischen ihrer Heimat und dem «Ferienland Schweiz». In den kommenden vier Wochen werden sie sich hier von der Strahlung erholen.

Gut ein Drittel der Kinder wird im Zürcher Oberland zu Hause sein, zum Beispiel bei Fredi Keller aus Gossau. Dieser freut sich: «Der Aufenthalt der Kinder ist jedes Mal eine besondere Zeit.» Zum sechsten Mal nehmen er, seine Frau und sein heute 14-jähriger Sohn zwei Kinder bei sich auf.

Politische Querelen

Um ein Haar wäre vor zwei Jahren aber Schluss gewesen mit den Erholungsaufenthalten. Denn 2009 verbot der weissrussische Präsident Alexander Lukaschenko den Kindern die Einreise in die Schweiz, nachdem im Vorjahr zwei Kinder nicht von ihren Aufenthalten in den USA und Frankreich zurückgekehrt waren. Lukaschenko wollte von der Schweiz eine Garantie, dass die Kinder wieder zurückgeschickt würden. Aussenministerin Calmy-Rey lehnte ab, weil das dem Asylrecht widersprach.

Doch Lukaschenko und Calmy-Rey hatten die Rechnung ohne Veronika Reuschenbach gemacht, die damals 69-jährige Präsidentin des Vereins Tschernobyl-Hilfe Hardwald, der die Aufenthalte im Kanton Zürich organisiert. Gemeinsam mit vier anderen Vorstehern von Hilfsinitiativen für Tschernobyl-Kinder schrieb die Glattbruggerin einen Brief an Calmy-Rey. «Wir machten Druck», erinnert sie sich. In der Folge kam es tatsächlich zu einem Treffen von Vertretern der beiden Staaten, an dem auch Reuschenbach und ihre Mitstreiter beteiligt waren. Das Resultat: Die Staaten unterzeichneten einen Vertrag, und bereits 2010 reisten wieder Kinder in die Schweiz.Gegründet wurde die Tschernobyl-Hilfe Hardwald 1998 auf Initiative von Pfarrer Andreas Goerlich-Koch, der heute in Mönchaltorf tätig ist. Er war auf eine Organisation aufmerksam geworden, die weltweit Erholungsferien für Kinder aus der Umgebung von Tschernobyl veranstaltete. Seit damals sind über 500 Kinder in den Kanton Zürich gereist, denen pro Jahr rund 40 Gastfamilien die Türen öffnen.

Immunsystem ist geschwächt

So wie jene von Fredi Keller. Er habe in der Zeitung gelesen, dass Gasteltern gesucht würden, und sich gleich gemeldet. «Nur mit Reden allein ist bekanntlich niemandem geholfen», sagt er.

Als vor 25 Jahren der Reaktor in Tschernobyl explodierte, waren die Kinder, die am vergangenen Wochenende in Opfikon angekommen sind, noch nicht geboren. Aber ihre Eltern waren damals Kinder. «Durch die Radioaktivität wurden unter anderem die Gene verändert oder das Immunsystem geschwächt», sagt Reuschenbach.

Kinder vor Ort ausgewählt

Die Mädchen und Jungen, die in den kommenden vier Wochen hier Ferien machen, haben alle denselben traurigen Hintergrund: «Wer mit unserer Initiative in den Kanton Zürich kommt, hat gesundheitliche Probleme und lebt in schwierigen Verhältnissen – sozial und finanziell», sagt Reuschenbach. Sie entscheidet jeweils mit einem Komitee vor Ort in Weissrussland, welche Kinder eingeladen werden. Jedes darf nur einmal herkommen.

Man bekomme dank der Kinder aus Weissrussland eine andere Sicht auf das eigene Leben, sagt Gastvater Fredi Keller. «Einem Jungen mussten wir beispielsweise erklären, wie ein Wasserhahn funktioniert, weil er kein fliessendes Wasser kannte.» Um sich mit seinen Feriengästen zu verständigen, braucht Keller einen Dolmetscher oder ein Wörterbuch. «Und sonst helfen Hände und Füsse», sagt er und lacht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.05.2011, 23:00 Uhr

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

Recommend our website No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

3 Kommentare

Georg Stamm

30.05.2011, 17:32 Uhr
Melden

Dieser Aufenthalt mag ein schönes Ferienerlebnis sein, aber ein "Erholung von der Strahlung" ist es nicht. Das ist medizinischer und strahlenbiologischer Unsinn. Wenn diese Kinder tatsächlich aus Zonen mit unüblich erhöhter RA kommen (auch hier gibt es deutliche RA-Unterschiede), so nützte höchstens ein lebenslanges Fernbleiben von ihrer Heimat. Dorthin kehren sie aber bald zurück. Antworten


Friedrich Müller

30.05.2011, 20:17 Uhr
Melden

Mit Verlaub, Ihre Äusserung ist Quatsch! Bedenken Sie, es handelt sich hier um eine Generation, welche weit nach dem Unglück aufgewachsen ist. Es sind hier tatsächlich grossartige Effekte in relativ kurzer Zeit möglich! Lebenslanges Fernbleiben wäre natürlich klar besser! Allerdings wollen die Kinder wieder zurück, dort ist ja schliesslich ihre Heimat! Es handelt sich eben gerade nicht um Ferien!


Friedrich Müller

30.05.2011, 07:47 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Wichtig zu erwähnen: diese vier Wochen bewirken eine nachhaltige Verbesserung der Immunabwehr! Bald werden wir wohl die ersten Kinder aus Fukushima hier haben! Ich bedanke mich jetzt schon bei dem Land, welches dereinst unsere verstrahlten Kinder bei sich Urlaub machen lässt! Schluss mit AKW kann man da nur sagen! Antworten



Zürich

Lokalverzeichnis

Werbung

AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Kleine Veränderungen
homegate Sie wollen grosse Wirkung erzielen? Verändern Sie Kleinigkeiten. Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate

Umfrage

717 Parkplätze wurden in der Stadt oberirdisch abgebaut. Ist die städtische Politik hierzu richtig?





«Balé de Rua»

Sydney Opera House – London – Paris. Jetzt endlich in Zürich zu sehen!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Jobs

Jobs, in die man sofort wechseln will!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Jobs

Jobs, in die man sofort wechseln will!