Zürich

Er spielt mit dem Element Luft

Von Sarah Sidler. Aktualisiert am 22.05.2010

Manfred Hahn aus Boppelsen startet an Pfingsten an den Zürcher Segelflugmeisterschaften. Viele kämpfen dort um die Teilnahme an der Schweizermeisterschaft. Der Furttaler nicht, er startet aus Spass.

Manfred Hahn mit Sohn Joel. Wie der Vater ist auch er bereits in jungen Jahren flugbegeistert.

PD

Durch theoretisches Wissen, Erfahrung und Intuition erkennen Segelflugzeugpiloten, wo Aufwinde entstehen. Diese benötigen sie, um mit ihren motorlosen Fliegern an Höhe zu gewinnen und vorwärts zu kommen. Doch auch durch die Sonneneinstrahlung auf bestimmte Lagen oder Pflanzen kann Thermik entstehen. Einzig sichtbare Zeichen von steigender Warmluft sind Vögel und Wolken.

Um ein Segelflugzeug erfolgreich zu fliegen, gilt es viele Details zu erkennen und zu beachten. Einer, der diese Kunst besonders gut beherrscht, ist der Bopplisser Manfred Hahn. Er ist seit 1998 Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft. Seine grössten Erfolge sind zwei erste Plätze an der Schweizermeisterschaft 2001 und 2002 sowie der dritte Rang an der Europameisterschaft 2002.

Fliegen aus Spass

Dieses Wochenende nimmt Hahn an den Zürcher Segelflugmeisterschaften teil (siehe Box). Aus Spass und um zu gewinnen. Im Gegensatz zu vielen seiner 20 Konkurrenten fliegt er nicht, um sich für die Teilnahme an der Schweizermeisterschaft zu qualifizieren. Als Mitglied des Nationalkaders muss er nicht an regionalen Wettbewerben Punkte sammeln, er könnte sowieso mitfliegen. Könnte. Er möchte nicht, weil die Schweizermeisterschaft im Segelfliegen eine Woche lang dauert: «Früher absolvierte ich rund 200 Flugstunden jährlich. Heute sind es noch etwa 50.»

Seit Hahn Vater von zwei Söhnen ist, hat er sein zeitintensives Hobby zurückgesteckt. Fliegt er heute, dann aus Lust und wenn es zeitlich passt. «An Meisterschaften kann ich mich durch den Vergleich mit anderen Piloten verbessern und erfahre, ob sich Alternativrouten gelohnt hätten», sagt der 45-Jährige.

Die Kunst des Segelfliegens besteht darin, durch eine hohe Trefferquote an raschen Aufwinden möglichst schnell an Höhe zu gewinnen. Ein Segelflugzeug kann in der Sekunde bis zu drei Meter steigen. Die maximale Flughöhe befindet sich an der Untergrenze der Wolken. Diese liegt zwischen 2000 und 4000 Metern. In den höheren Lagen muss mit einem Sauerstoffgerät geflogen werden.

Kunstflugkurs zur Sicherheit

Hahn mag das Segelfliegen, weil ohne Hilfe eines Motors lange Distanzen zurückgelegt werden können. Besonders gefällt ihm die Geschwindigkeit: «Je höher, je weiter, je schneller, desto schöner.» Trotz seiner 27 Flugjahre kann er sich an keine gefährliche Situationen erinnern. Einmal jedoch sei er mit einem mulmigen Gefühl auf dem Boden angekommen: «Eine Landung in der Linth-ebene, bei böigem Föhn als Gegenwind, werde ich wohl nie vergessen.» Um das Flugzeug in Extremsituationen zu beherrschen, hat Hahn vor Jahren einen Kunstflugkurs absolviert. «Diese Kenntnisse habe ich jedoch nie anwenden müssen.»

Trotzdem fliegt er nie mit Frau und Kind: «Meiner Frau wird es selbst auf Linienflügen übel, und meine Söhne sind zu jung, um mich auf meinen durchschnittlich fünfstündigen Flügen zu begleiten.» Vom sieben Meter langen Segelflugzeug mit einer Spannweite von bis zu 18 Metern, das Hahn mit einem Freund sein Eigen nennt, zeigen sie sich jedoch sehr begeistert.

Was hingegen selbst Profis wie Hahn jederzeit passieren kann, sind Aussenlandungen – eine Landung weit entfernt vom Zielflughafen. Bereits über 50-mal musste der Maschinenbauingenieur aus Boppelsen auf Wiesen, Feldern oder ungeplanten Flugplätzen notlanden. «Diese Landungen werden meist nötig, wenn der Pilot die vorhandenen Aufwinde nicht nutzt, weil er auf stärkere hofft», sagt Hahn. So sinkt und sinkt der Segelflieger und kommt irgendwann nicht mehr hoch. «Ein typischer Fehler, der oft an Wettkämpfen vorkommt», weiss der wettkampferprobte Pilot.

Aussenlandungen seien in der Regel unproblematisch, wenn eine Fläche mit einer Breite von 30 Metern und mindestens 150 Metern Länge vorhanden sei. Zur Standardausrüstung eines jeden Segelflugzeugpiloten gehöre eine Karte, auf der die sicheren Landeplätze aufgezeichnet sind. «Besonders in den Alpen bleibt man im Gleitbereich dieser Orte», sagt Hahn. Zurück zu seinem Heimflughafen in Wettswil gehts dann mit dem Auto. Den Segelflieger praktisch im Anhänger verpackt.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.05.2010, 20:44 Uhr

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