Ernst Schibli verlässt den Gemeinderat nach 29 Jahren
Von Sarah Sidler. Aktualisiert am 18.03.2010
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Anfang dieses Monats leitete der Otelfinger Gemeindepräsident Ernst Schibli seine letzte Gemeinderatssitzung. 28 Jahre lang stand er dem Gremium vor: Am nächsten Montag wird der Gemeinderat neu konstituiert. Willy Laubacher präsidiert als Nachfolger Schiblis seine erste Sitzung. Mit ihm ist weiterhin ein Mitglied der Schweizerischen Volkspartei (SVP) an der Spitze der Otelfinger Gemeindeexekutive.
«Ich werde an den kommenden Montagabenden bestimmt daran denken, dass gerade die Gemeinderatssitzung stattfindet», sagt Schibli. Doch der Abschied aus der Gemeindepolitik fällt ihm nicht schwer: «Ich habe immer gesagt, dass ich nicht im Amt des Gemeindepräsidenten pensioniert werden will.» Obwohl noch eine Legislaturperiode bis dahin dringelegen hätte, hat sich der Otelfinger im Herbst entschieden, dass er in diesem Jahr nicht mehr kandidiert: «Der Moment für eine problemlose Übergabe ist günstig, weil sich die Gemeinde in einer guten Verfassung befindet.» Im Frühsommer werde mit dem Bau des neuen Gemeinde- und Kirchgemeindehauses begonnen, die finanzielle Lage sei beruhigend und der Steuerfuss liege nicht zu hoch.
Sorgenkind Fürsorgebereich
In einem Ranking der Gemeinden mit der höchsten Lebensqualität in der Schweiz der «Weltwoche» belegt Otelfingen Platz 44. Auf die Erhaltung des alten Dorfkerns trotz eines kontinuierlichen Wachstums der Gemeinde ist der abtretende Gemeindepräsident stolz. «Ich habe wohl nicht alles falsch gemacht», sagt er lächelnd. Er blickt zufrieden zurück: «Die Arbeit bereitete mir stets Freude – eine Voraussetzung für dieses zeitaufwendige Amt.» An der Politik auf Gemeindeebene schätzt er den direkten Kontakt zum Volk.
Sorge hingegen bereiten Schibli die ständig wachsenden Ausgaben im Fürsorgebereich: «Als ich mit der Politik anfing, sass die Armenpflege ab und zu zusammen, um über Einzelfälle zu beraten. Heute beschäftigen Menschen, die mit dem Bestreiten ihres Lebensunterhalts oder mit der Integration in den Arbeitsprozess Mühe haben, mindestens einen Vollzeitangestellten», sagt Schibli. Diese Entwicklung belastet das Budget jeder Gemeinde direkt.
An Missgeschicke oder gar Fehler während seiner Amtszeit kann sich der 58-Jährige nicht erinnern. Trotzdem habe es halt zu den Aufgaben eines Gemeindepräsidenten gehört, sich für Fehler zu entschuldigen, auch wenn er sie nicht selbst begangen hat.
Mehr Zeit fürs Reiten
Doch ganz aus der Politik will sich Schibli nicht zurückziehen. «Nun habe ich noch mehr Zeit für meine Tätigkeit auf eidgenössischer Ebene», sagt er. Schibli wurde 2001 aus dem Kantonsrat in den Nationalrat gewählt. Dort ist er Mitglied der Finanzkommission und will sich weiterhin für SVP-Themen wie Unabhängigkeit, Eigenständigkeit und die direkte Demokratie einsetzen. Er hat vor, in eineinhalb Jahren nochmals für seinen Sitz im Nationalrat zu kandidieren.
Zudem will er sich als Mitglied der SVP Otelfingen weiterhin für seine Mitmenschen einsetzen. Menschen, so Schibli, stehen in seiner Politik stets im Mittelpunkt. Der in Otelfingen Geborene ist Mitglied der Ortspartei seit seinem 19. Lebensjahr. Ein Jahr davor hatte er den Hof seines Vaters übernommen, der frühzeitig gestorben war. Daher wohl seine Einstellung: «Eine Woche hat sieben, nicht fünf Tage, und Tage bestehen aus mehr als 24 Stunden.» Heute baut Schibli auf seinem Land Gemüse an und beschäftigt im Winter zwei und im Sommer sieben Angestellte.
In seiner Freizeit will sich der Otelfinger wieder mehr seinem Hobby, den Pferden, widmen. Er überlege sich mit seiner Lebenspartnerin, sein achtjähriges Pferd, das auf einem Hof in Deutschland steht, auf seinen Hof zu holen.
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Ernst Schibli will sich mehr für die Bundespolitik engagieren. Foto: Peter Würmli
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.03.2010, 04:00 Uhr




