Gegen Jugendgewalt müssen alle etwas tun
Von Markus Rohr. Aktualisiert am 05.12.2009
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«Fühlen Sie sich in Niederglatt bedroht?» Diese Frage wurde den gut 50 Anwesenden am Ende einer von den örtlichen SVP- und SP-Sektionen gemeinsam organisierten Podiumsveranstaltung zum Thema «Vandalismus und Gewaltdelikte» gestellt. Eine jüngere Frau bejahte, weil ihr eben erst das Auto gestohlen worden war. Ein Herr mittleren Alters sagte: «Ich fühle mich sicher. Die Jugendlichen grüssen mich freundlich.» Die andern Frauen und Männer schwiegen dazu, disputierten aber angeregt über die Frage, wer die Hauptverantwortung für das Verhalten der Jugendlichen trägt, ob die Eltern, die Schule oder die Politik.
Fall Niederhasli macht ratlos
An der vorangegangenen Podiumsdiskussion gab es kein parteipolitisches Hickhack. Fast einig waren sich der Niederglatter Polizeivorsteher, SVP-Gemeinderat Peter Balsiger, der SP-Mann Daniel Frei, Schulpfleger der Sekundarschule Niederhasli-Niederglatt, Werner Stähli (parteilos), Gemeindepräsident von Oberglatt, und Thomas Wild, stellvertretender Leiter der Pestalozzi-Jugendstätte Dielsdorf.
«Wir haben ein Problem mit Vandalismus und Jugendgewalt. Wer das verneint, verschweigt etwas», sagte Werner Stähli. Peter Balsiger machte für den Vandalismus eher die Einheimischen verantwortlich. Und Daniel Frei sagte, die Gewalttaten der Jugendlichen hätten zahlenmässig nicht zugenommen, jedoch sei die Hemmschwelle gesunken. Er ortet das Problem vor allem bei den jungen Männern vom Balkan. Es gehe auch um eine Verbesserung der Integration. Nicht nur von den Jugendlichen, sondern auch von den Eltern müsse verlangt werden, dass sie die Sprache lernen.
Respekt vor anderen Menschen beibringen
Thomas Wild vertrat die Auffassung, man müsse den Jugendlichen die Grenzen aufzeigen, ihnen den Respekt vor anderen Menschen beibringen, sie selbst aber auch respektvoll behandeln. Der Fall Niederhasli, wo ein Mann von Jugendlichen brutal niedergeschlagen wurde, mache ratlos, sagte Wild.
Übereinstimmung herrschte, dass es sich bei der Jugendgewalt um ein gesellschaftliches Problem handelt. Zu dessen Lösung müssten alle etwas beitragen: Eltern, Schule, Kirche, Vereine und die Politik. «Verantwortlich für die Gesellschaft ist die Politik», sagte Daniel Frei. Die Schule sei primär für den Unterricht zuständig. Frei und Stähli vertraten beide die Auffassung, man müsse «in die Jugendlichen investieren». Fragt sich nur wie: Als Möglichkeiten wurden Jugendhäuser, Jugendbetreuer, Jugendkommissionen oder die Vereine erwähnt. Viel konkreter wollte niemand werden.
Die Rolle der Polizei
Der Oberglatter Gemeindepräsident forderte eine Verstärkung der Polizei im Unterland. Der Niederglatter Polizeivorsteher bestätigte, dass die Gemeinden der Region derzeit über einen Polizeiverbund diskutieren. Nach Meinung von Peter Balsiger heisst die Lösung aber nicht «Gemeindepolizei». Diese sei für Gewaltdelikte gar nicht zuständig. Das sei Sache der Kantonspolizei. Diese müsse mittels einer finanziellen Unterstützung der Gemeinden aufgestockt werden. Dass die Kantonspolizei heute für das Problem Jugendgewalt nicht mehr Zeit habe, sei auch eine Folge der Zunahme der häuslichen Gewalt. Und bei dieser geht es bekanntlich nicht nur um Jugendliche.
Dazu das Echo aus dem Publikum: «Die Polizei verteilt doch lieber Bussen, als sich mit unseren wahren Problemen zu beschäftigen.» Nicht nur die Ordnungshüter bekamen ihr Fett ab. Auch die Medien wurden beschuldigt, für die zunehmende Verrohung eines Teils der Jugendlichen mit ihrer Negativberichterstattung mitverantwortlich zu sein. Engagiert wurde am Donnerstagabend im Niederglatter Altersheim Eichi über die Jugend diskutiert. Sie war leider weder auf dem Podium noch im Plenum anwesend.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.12.2009, 04:00 Uhr


































