Gegen Jugendgewalt müssen alle etwas tun

Von Markus Rohr. Aktualisiert am 05.12.2009

Ein Podium zeigt: In Niederglatt fühlen sich die Bürger sicher. Trotzdem ist ein breites Unbehagen vorhanden. Auch gegenüber Polizei und Medien.

Jugendgewalt: Die Gewalttaten hätten nicht zugenommen, aber die Hemmschwelle sei gesunken.

Jugendgewalt: Die Gewalttaten hätten nicht zugenommen, aber die Hemmschwelle sei gesunken.
Bild: Keystone

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

«Fühlen Sie sich in Niederglatt bedroht?» Diese Frage wurde den gut 50 Anwesenden am Ende einer von den örtlichen SVP- und SP-Sektionen gemeinsam organisierten Podiumsveranstaltung zum Thema «Vandalismus und Gewaltdelikte» gestellt. Eine jüngere Frau bejahte, weil ihr eben erst das Auto gestohlen worden war. Ein Herr mittleren Alters sagte: «Ich fühle mich sicher. Die Jugendlichen grüssen mich freundlich.» Die andern Frauen und Männer schwiegen dazu, disputierten aber angeregt über die Frage, wer die Hauptverantwortung für das Verhalten der Jugendlichen trägt, ob die Eltern, die Schule oder die Politik.

Fall Niederhasli macht ratlos

An der vorangegangenen Podiumsdiskussion gab es kein parteipolitisches Hickhack. Fast einig waren sich der Niederglatter Polizeivorsteher, SVP-Gemeinderat Peter Balsiger, der SP-Mann Daniel Frei, Schulpfleger der Sekundarschule Niederhasli-Niederglatt, Werner Stähli (parteilos), Gemeindepräsident von Oberglatt, und Thomas Wild, stellvertretender Leiter der Pestalozzi-Jugendstätte Dielsdorf.

«Wir haben ein Problem mit Vandalismus und Jugendgewalt. Wer das verneint, verschweigt etwas», sagte Werner Stähli. Peter Balsiger machte für den Vandalismus eher die Einheimischen verantwortlich. Und Daniel Frei sagte, die Gewalttaten der Jugendlichen hätten zahlenmässig nicht zugenommen, jedoch sei die Hemmschwelle gesunken. Er ortet das Problem vor allem bei den jungen Männern vom Balkan. Es gehe auch um eine Verbesserung der Integration. Nicht nur von den Jugendlichen, sondern auch von den Eltern müsse verlangt werden, dass sie die Sprache lernen.

Respekt vor anderen Menschen beibringen

Thomas Wild vertrat die Auffassung, man müsse den Jugendlichen die Grenzen aufzeigen, ihnen den Respekt vor anderen Menschen beibringen, sie selbst aber auch respektvoll behandeln. Der Fall Niederhasli, wo ein Mann von Jugendlichen brutal niedergeschlagen wurde, mache ratlos, sagte Wild.

Übereinstimmung herrschte, dass es sich bei der Jugendgewalt um ein gesellschaftliches Problem handelt. Zu dessen Lösung müssten alle etwas beitragen: Eltern, Schule, Kirche, Vereine und die Politik. «Verantwortlich für die Gesellschaft ist die Politik», sagte Daniel Frei. Die Schule sei primär für den Unterricht zuständig. Frei und Stähli vertraten beide die Auffassung, man müsse «in die Jugendlichen investieren». Fragt sich nur wie: Als Möglichkeiten wurden Jugendhäuser, Jugendbetreuer, Jugendkommissionen oder die Vereine erwähnt. Viel konkreter wollte niemand werden.

Die Rolle der Polizei

Der Oberglatter Gemeindepräsident forderte eine Verstärkung der Polizei im Unterland. Der Niederglatter Polizeivorsteher bestätigte, dass die Gemeinden der Region derzeit über einen Polizeiverbund diskutieren. Nach Meinung von Peter Balsiger heisst die Lösung aber nicht «Gemeindepolizei». Diese sei für Gewaltdelikte gar nicht zuständig. Das sei Sache der Kantonspolizei. Diese müsse mittels einer finanziellen Unterstützung der Gemeinden aufgestockt werden. Dass die Kantonspolizei heute für das Problem Jugendgewalt nicht mehr Zeit habe, sei auch eine Folge der Zunahme der häuslichen Gewalt. Und bei dieser geht es bekanntlich nicht nur um Jugendliche.

Dazu das Echo aus dem Publikum: «Die Polizei verteilt doch lieber Bussen, als sich mit unseren wahren Problemen zu beschäftigen.» Nicht nur die Ordnungshüter bekamen ihr Fett ab. Auch die Medien wurden beschuldigt, für die zunehmende Verrohung eines Teils der Jugendlichen mit ihrer Negativberichterstattung mitverantwortlich zu sein. Engagiert wurde am Donnerstagabend im Niederglatter Altersheim Eichi über die Jugend diskutiert. Sie war leider weder auf dem Podium noch im Plenum anwesend.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.12.2009, 04:00 Uhr

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

Noch keine Kommentare

Zürich

Meistgelesen in der Rubrik Zürich

Lokalverzeichnis

Werbung

Populär auf Facebook – Privatsphäre

AKTUELLE KADERSTELLEN

Marktplatz

Umfrage

Am 17. Juni stimmen wir darüber ab: Würden Sie die Volksinitiative «Freie Schulwahl für alle ab der 4. Klasse» heute annehmen?



AKTUELLE JOBS

Marktplatz

Datenbankadministrator (m/w) planova human capital ag, Zürich

HR-Fachmann/-fachfrau BP planova human capital ag, Bern

Bauspengler/in gelernt brefis personal ag, Dietikon

Telefonbuch

Marktplatz

Immobilien

Marktplatz
Wohnung/Haus suchen

Weitere Immo-Links
homegate TV
Hypotheken vergleichen
Umzug
Immobilie inserieren
Inserat erfassen
Grillsaison
homegate Besser grillieren mit unseren Experten-Tipps Mehr

In Partnerschaft mit:

Homegate