Gute Ausbeute bei der Waffenabgabe

Über 500 Feuerwaffen und fast eine halbe Tonne Munition: So lautet die Bilanz der freiwilligen Waffenrückgabe in Bülach. Die Kantonspolizei war mit dem Resultat zufrieden.

Die Kantonspolizisten nahmen auch alte Waffen ab, wie zum Beispiel diese Uzi.

David Baer

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Plötzlich durchbricht ein lauter Knall die Nachmittagsruhe. Erschrockene Gesichter drehen sich in die Richtung des Geräuschs. «Ruhig Blut», ruft die uniformierte Polizeibeamtin, «ich habe bloss den Aschenbecher umgestossen.»

Es herrschte aufgeräumte Stimmung an der freiwilligen Waffenrückgabe, die am Samstag auf dem Bülacher Stützpunkt der Verkehrspolizei stattfand. Es war der zweite von fünf Rückgabetagen im Kanton Zürich. Die Aktion wurde im Auftrag der Sicherheitsdirektion von der Kantonspolizei (Kapo), dem Wissenschaftlichen Forschungsdienst der Stadtpolizei Zürich (WFD) und dem Amt für Militär und Zivilschutz (AMZ) durchgeführt.

Schätzungen aus dem Jahr 2001 gehen von 1,2 bis 3 Millionen Waffen aus, die in der Schweiz im Umlauf sind – Dienstwaffen von aktiven und ehemaligen Armeeangehörigen eingerechnet.

Die freiwillige Waffenrückgabe ist laut Kapo-Sprecher Werner Schaub ein niederschwelliges Angebot, unerwünschte Waffen sicher loszuwerden. Denn ob Affekthandlung, spielende Kinder oder Suizid: «Jede Waffe birgt ein Gefahrenpotenzial, ob sie nun in Gebrauch ist oder auf dem Estrich verstaubt.» Und so sollten auch gestern möglichst viele Waffen und Munition eingesammelt und vernichtet werden. Nach dem Motto: Jede Waffe weniger ist ein Beitrag zur Sicherheit.

Grosse Bandbreite an Waffen

Am Ende werten die Organisatoren den Anlass als Erfolg. Die Ausbeute zeigt einen Längsschnitt durch die Geschichte der Armee-, Jagd-, Sport- und Privatwaffen: 225 Karabiner, knapp 60 Sturmgewehre der alten Generation, 80 Langgewehre aus Napoleons Zeiten, 39 Ordonanz- und 58 private Faustfeuerwaffen, 66 private Gewehre, 450 Kilo Munition. Auch Exotisches fand seinen Weg in die Palettenkisten des AMZ. Die urhelvetische Armbrust war ebenso vertreten wie die halbautomatische israelische Uzi, wenn auch aus chinesischer Produktion.

Die Zahlen passen zum Bild, das Walter Schaub von den Besuchern der Aktion zeichnet: «Es sind Frauen und Männer, die den Aktivdienst-Karabiner des Gatten oder Vaters zur Vernichtung überbringen.» Um 10 Uhr bildete sich eine 50 Meter lange Warteschlange vor der Halle. Am Nachmittag tröpfeln nur noch vereinzelt Leute in die Halle.

Am Tor geben drei Beamte Sicherheitshinweise, bevor sich die Abgabewilligen mit ihren Waffen an den ersten Tisch begeben. Dort prüfen Spezialisten von Kapo und WFD, ob die Waffen nicht versehentlich noch geladen sind. Und es wird gefachsimpelt: über Jahrgänge und Produktionsstätten, über Kaliber und Anwendungsgebiete der Schiesseisen. Es sind eiserne Zeitzeugen mit Magazin und Abzug – wie etwa eine deutsche Armeepistole aus dem 2. Weltkrieg, eine Ordonanzwaffe aus dem 19. Jahrhundert, eine belgische Browning von der Grösse einer Zigarettenschachtel. «Für die Damenhandtasche», meint der Kapo-Spezialist lachend.

«Das sind zwei wunderschöne Stücke», meint der Polizist zu Rudolf Bolli. «Es wäre schade um sie.» Der Alt-Kantonsrat wollte seine beiden Ordonanzwaffen, einen Revolver und eine Pistole zur Vernichtung übergeben. «Ich dachte nach der Entlassung, vielleicht würde ich ab und zu noch in den Schiessstand gehen. Aber das hat sich dann doch nie ergeben», sagt Bolli. Nun wird er die zwei Faustfeuerwaffen auf Anraten des Beamten zu einem offiziellen Waffenhändler bringen.

Erleichterung und Wehmut zugleich

Der Hinweis sei ein Akt der Fairness, erklärt Mediensprecher Schaub. Man wolle den Leuten kulturhistorische Stücke nicht einfach so abnehmen. Sollten die Besitzer dennoch kein Interesse haben, bittet die Kapo um das schriftliche Einverständnis, und die Waffen kommen ins Landesmuseum oder ins Kriminalmuseum in Zürich.

Alle, die eine Waffe abgeben, müssen sich an einem weiteren Tisch ausweisen und eine Verzichtserklärung unterschreiben. «Es ist eine Mischung aus Erleichterung und Wehmut», sagt eine Dame Ende 80, die mit ihrer Tochter den Karabiner ihres längst verstorbenen Mannes und ein verziertes kleines deutsches Gewehr abgeben. «Es ist ein Erbstück, aber wir sind froh, dass es weg ist», meint die Tochter. «Aufhängen wollte ich es nicht. Wir sind friedliebende Leute.»

Dann geben sie ihren Gewehren und Erbstücken das letzte Geleit zum dritten Tisch, wo die Waffen endgültig abgegeben werden. Von dort wandern sie in Kisten auf Paletten, die hinter den Kulissen bereitstehen. Am Abend werden sie ihre letzte Reise antreten: zuerst ins Zeughaus in Zürich, dann in den Schredder.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.09.2009, 04:00 Uhr

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