Zürich

In Dietikon sind Richter und Gefangene jetzt unter einem Dach

Der jüngste Kantonsbezirk musste lange warten, bis die Behörden unter einem Dach zusammenkamen. Neben Richtern und Polizisten kommen auch Gefangene.

Wenig Kunst am Bau: Eine Zelle im Dietiker Bezirksgebäude.

Wenig Kunst am Bau: Eine Zelle im Dietiker Bezirksgebäude. (Bild: Nicola Pitaro)

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Chronologie

1958 Kantonsrat Josef Stocker (CVP, Dietikon) verlangte mit einer Motion die Schaffung eines Bezirks Dietikon. Die Anfrage blieb mehr als zehn Jahre unbeantwortet. Dann lehnte die Regierung das Begehren ab.

1982 Kantonsrat Marcel Achermann (SP, Dietikon) bringt den Bezirk Dietikon mit einer parlamentarischen Initiative wieder auf die Agenda. Die offiziellen Stellen im Limmattal äusserten sich positiv dazu. Im Volk jedoch kamen Ängste wegen des Gefängnisses auf.

10. März 1985 Das Volk stimmte dem Bezirk klar zu – alle Gemeinden des Limmattals aber lehnten ab.

März 1988 Eine Initiative zur Abschaffung des Bezirks fand keine Mehrheit. 54 Prozent der Limmattaler Stimmenden sprachen sich aber für die Abschaffung aus. Nur Dietikon, Geroldswil und Weiningen lehnten die Initiative ab.

1. Juli 1989 Schaffung des Bezirks Dietikon. Der lag aber weitgehend auf Eis, weil grundsätzliche Regionalisierungsfragen in den Vordergrund traten.

März 1999 Planungsbeginn für ein Bezirksgebäude beim Bahnhof Dietikon. Es liegt auf dem Gelände eines römischen Gutshofes, was umfangreiche archäologischen Grabungen auslöste.

1. Juli 2005 Die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis nimmt ihre Arbeit auf.

Februar 2007 Baubeginn.

1. Juli 2008 Das Bezirksgericht Dietikon nimmt seine Arbeit auf.

12. Juni 2010 Einweihung des Bezirksgebäudes. Es kostet 58,3 Millionen Franken.

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Dieser «Knast in the City» sei eine besondere Herausforderung gewesen, sagte Kantonsbaumeister Stefan Bitterli, als er gestern den Medien das neue Bezirksgebäude Dietikon vorstellte. Es wird ab dem 22. März etappenweise bezogen. Das Gefängnis war denn auch ein wesentlicher Punkt, weshalb sich die Limmattaler lange dagegen wehrten, einen eigenen Bezirks zu bilden.

Laut Gefängnisdirektor Victor Gähwiler sind die 72 Plätze, die das Gefängnis Limmattal aufweist, dringend nötig. Die chronische Platznot spitze sich im Bereich der Untersuchungshaft in letzter Zeit zu. 24 der 72 Plätze werden in einer Jugendabteilung (12 bis 18-Jährige) angeboten. Damit wird das Gefängnis Horgen entlastet. In Dietikon werden Leute in Untersuchungs- oder Sicherheitshaft einsitzen. Nach dem rechtskräftigen Urteil verlegt man sie in die Strafanstalt Pöschwies beziehungsweise ins Massnahmenzentrum Uitikon.

Das Gefängnis kann nur durch mehrere, überwachte Schleusen betreten werden. Das Schlüsselklappern aus den Kriminalfilmen weicht dem Klacken und Surren der motorisierten Türschlösser. Die Einzel- und Doppelzellen sind klein, mit stark eingeschränkter Sicht in Richtung Gleis und SBB-Parkplatz. Ein schmales Bett, ein Tisch, ein roh belassener Holzkasten, Pult, Brünneli, WC. Die zwei Sicherheitszellen sind so möbliert, dass sich ein Insasse nichts antun kann. Bett, Stuhl, Tisch sind fixiert, selbst die Gitterstäbe an den Fenstern sind waagrecht statt senkrecht, damit sich niemand erhängen kann. Einzelne Zellen und die von allen genutzten Räume sind rollstuhlgängig. Integriert sind auch eine Arzt- und Zahnarztpraxis.

Laut dem künftigen Gefängnisleiter Ernst Egger brauchen Jugendliche besonders viel Betreuung. So gehören zur Jugendabteilung auch Zimmer, in denen Gruppenarbeit oder Schulung möglich ist. Dazu ein Fitnessraum und ein gänzlich abgeschlossener Spazierhof, etwa so lang wie zwei Autoparkfelder. Für alle Gefängnisinsassen steht auf dem Dach ein auch nach oben vergitterter Innenhof (rund 16 auf 16 Meter) zur Verfügung. Sie dürfen eine Stunde pro Tag – Jugendliche zwei Stunden – dort draussen verbringen.

Der Gefängnistrakt liegt im hinteren Bereich des 5- bis 6-stöckigen Bezirksgebäudes, das vom Architekturbüro Andy Senn aus St. Gallen entworfen wurde. Einziehen werden auch das Bezirksgericht, das Statthalteramt und der Bezirksrat, die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis und die Regionalabteilung der Kantonspolizei. Man verspricht sich Synergien zwischen den Abteilungen, vorab kürzere Wege und einfachere Kommunikation. So musste die Leitende Staatsanwältin Claudia Wiederkehr bisher zwischen Affoltern, Horgen und Zürich pendeln, um mit ihren Mitarbeitenden in Kontakt zu bleiben.

Tag der offenen Tür (ohne Gefängnis) und Einweihung: Samstag, 12. Juni. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2010, 04:00 Uhr

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