In Dietlikon feiern Kopten heute orthodoxe Weihnachten
Von Christian Wüthrich. Aktualisiert am 05.01.2009
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Auf dem kleinen Parkplatz mitten in einem Dietliker Wohnquartier deutet ein schlichtes Schild auf die altorientalischen Nachbarn hin. Darauf prangen einige für das westeuropäische Auge unlesbare Hieroglyphen. Die Auflösung steht aber in grossen roten Buchstaben gleich darunter: «Koptisch-orthodoxe Kirche der Heiligen Markus und Mauritius». Gleich nebenan befindet sich das zugehörige Gebäude mit einem steilen, hohen Giebeldach. Es ist dies einer der wichtigsten Treffpunkte altägyptischer Christen in der Schweiz.
Heute Abend steht der Glaubensgemeinschaft ein grosses Fest bevor. Wie in der weit verzweigten orthodoxen Kirche üblich, feiern die Kopten nach dem alten julianischen Kalender Weihnachten. Dieser ist im Vergleich zum gregorianischen um knapp zwei Wochen verschoben. Heute ist bei den Orthodoxen daher Heiligabend, morgen der eigentliche Weihnachtstag.
Aus der ganzen Deutschschweiz
Pater Isidoros El-Anba-Samuel erwartet zum Festgottesdienst rund 120 Personen in Dietlikon. «Unsere Gläubigen kommen aus der ganzen deutschsprachigen Schweiz hierher», erzählt er. Im ersten Moment erscheint der Ägypter mit seinem langen Bart und dem schwarzen Gewand eher furchterregend. Sehr zuvorkommend und mit einem schalkhaften Blick bittet er sodann herein. «Dieses Gebäude gehörte vorher der neuapostolischen Kirche», erzählt der Geistliche. Vor zwei Jahren habe seine Glaubensgemeinschaft die Liegenschaft für rund 1 Million Franken übernommen. «Zu unserer Kirche zählen etwa 100 Familien in der ganzen Deutschschweiz», berichtet der Pfarrer weiter. Dass nicht alle rund 300 Leute zum Weihnachtsfest nach Dietlikon pilgern, hat unter anderem einen profanen Grund: Platzmangel.
Im kleinen Vorraum der Kirche steht ein ganz gewöhnlicher Christbaum, der nebst den glitzernden Girlanden etwas Weihnachtsstimmung im nüchternen Haus verbreitet. Drinnen im Kirchensaal prangen ein Kreuz und die Heiligen Apostel an der Wand. Es duftet nach Weihrauch. El-Anba-Samuel ist gerade mit den Vorbereitungen des Weihnachtsgottesdienstes beschäftigt. «Ich werde einen Text von unserem Papst Shenouda III. vorlesen und übersetzen.» Üblicherweise spricht der koptische Pfarrer in seinen Predigten Arabisch – aber nicht nur. Auch Deutsch sei ein fester Bestandteil, denn viele der jüngeren Mitglieder der Kirche hätten zunehmend Mühe, Arabisch zu verstehen. Die traditionelle Sprache ihrer Glaubensväter — Koptisch – diene nicht mehr als Verkehrssprache und sei mit der Rolle des Latein in der katholischen Kirche zu vergleichen, so der Geistliche.
Als Kopte im Benediktinerkloster
Um mit seiner Schweizer Gemeinde in deren Sprache reden zu können, hat sich El-Anba-Samuel mit der deutschen Sprache vertraut gemacht. Er habe aber bisher keinen Kurs besucht, entschuldigt er sich. Seit knapp zwei Jahren wohnt der Altägyptische Christ nun in der Schweiz und verständigt sich problemlos in Hochdeutsch.
Seinen Alltag verbringt er aber meistens nicht im Unterland, hier steht nur die Kirche. Isidoros El-Anba-Samuel fristet nämlich wie früher in Ägypten und später auch für eine Weile in Deutschland ein Mönchsdasein. Inmitten der Benediktinerabtei lebt er heute hauptsächlich im Kloster Einsiedeln. «Ich bewohne dort eine eigene Zelle und lebe ganz gewöhnlich zusammen mit den anderen christlichen Mönchen.» Nach den langen, anstrengenden Tagen um Weihnachten bleibe er allerdings in Dietlikon. Hier habe er in einem Nebenraum der Kirche eine Schlafgelegenheit.
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 05.01.2009, 20:22 Uhr



