Zürich

Kein Bett im Kornfeld

Unbekannte haben in Hochfelden das Feld einer Bauernfamilie heimgesucht. Deren grösste Sorge ist nicht der Sachschaden, es sind vielmehr die Schaulustigen.

Sachbeschädigung und Kunstwerk: Aus 85 Meter Höhe zeigt sich das ganze Ausmass der nächtlichen Aktion.

Christoph Schmäh (air-image.ch)

Roman Heidelberger: Der 20-jährige Jungbauer aus Hochfelden hat die Kreise am Donnerstag auf einem Weizenfeld entdeckt.

Mit einer Drohne schoss Christoph Schmäh Bilder von oben. (Daniel Schurter)

Das Ende der Welt war nah. Und so kam es, dass die Ausserirdischen auf unserem Planeten landeten und auf den Feldern eines unschuldigen Farmers ihre Zeichen hinterliessen.

Passiert ist es im Hollywoodfilm «Signs» (2002). Mel Gibson spielt einen wehrhaften Bauern, der von bösartigen Extraterrestrischen bedrängt wird. Acht Jahre später sind die Kornkreise ganz nah. Und wieder ist es eine Bauernfamilie, die sich wehren muss. Allerdings geht es nicht gegen übersinnliche Kräfte, sondern die Macht der Neugier. Gestern hatte der «Zürcher Unterländer» publik gemacht, dass es auf einem Weizenfeld in Hochfelden riesige geometrische Figuren gibt. Erst aus der Vogelperspektive wird das ganze Ausmass ersichtlich. Ein eindrückliches Kunstwerk, das dank Christoph Schmäh gut zu beobachten ist. Der Spezialist für Flugaufnahmen hat zum Fotografieren eine militärische Aufklärungsdrohne eingesetzt. Maximale Flughöhe: 85 Meter.

Riesenärgernis für Bauern

Den Schaden haben die Bauersleute. Für sie ist es ein Riesenärgernis. Durch das fast perfekt gewachsene Weizenfeld ziehen sich Spuren der Verwüstung. Der angerichtete Schaden beläuft sich laut ersten Schätzungen auf 2000 Franken. Heidelbergers haben Anzeige gegen unbekannt eingereicht. Die Kantonspolizei ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Doch es könnte noch schlimmer kommen. Dem rund fünf Hektaren grossen Feld droht ein noch viel massiverer Schaden durch die Schaulustigen. So dauerte es gestern nur wenige Stunden, bis die ersten Neugierigen auftauchten.

Entdeckt wurden die Kornkreise von Roman Heidelberger. Der 20-jährige Jungbauer war am Donnerstag mit dem Traktor unterwegs, als er die ungewöhnlichen Spuren sah. «Mich würde es interessieren, wie sie es gemacht haben», sagte der gelernte Landwirt, der auf dem Hof seiner Eltern mit anpackt und bei der Landi Züri Unterland arbeitet. Mutter Johanna zeigte sich wenig begeistert: «Wir müssen uns mit so vielen Dingen abmühen, und jetzt noch das!» Von den Wildschweinen blieb ihr Feld verschont, nun drohe neues Ungemach. Damit das Feld am Wochenende nicht völlig zertrampelt werde, müsse eine Absperrung her. Ein «Geschäft» wolle man nicht machen mit den Besuchern.

Ansturm der Medien

Gestern opferte Sohn Roman seine Mittagspause, um den Journalisten Auskunft zu geben. Neben dem Radio war TeleZüri vor Ort, und natürlich nahm auch der Tagi einen Augenschein.

Hat der Schreibende etwas Spezielles gespürt, als er den Kreis betrat? Schwer zu sagen, ob ein unsichtbares Kraftfeld oder gar die Hinterlassenschaften eines Ufos auf uns einwirkten. Bei gefühlten 40 Grad auf dem Weizenfeld, in Kombination mit Heerscharen von Mücken von der nahe liegenden Glatt, war das Urteilsvermögen hochgradig getrübt.

Tatsächlich gehen auch die Fachleute von «gefälschten» Kornkreisen aus. Sprich: In der Nacht auf Donnerstag müssen mehrere Personen im Feld gewirkt haben. Gesehen wurden sie nicht, obwohl sie für ihr Werk sicher bis in die Morgenstunden beschäftigt waren. Eine «natürliche Entstehung», etwa durch magnetische Strahlung, Luftwirbel oder wilde Tiere, sei auszuschliessen: Diese Einschätzung stammt von einem Mann, der es eigentlich wissen muss. Beni Sidler beschäftigt sich seit Jahren mit dem Phänomen, das weltweit auftaucht.

Das Urteil des Cerealogen

Die Kornkreis-Interessierten werden als Cerealogen bezeichnet. Das Feld der Kornkreiskunde, oder eben Cerealogie, ist immens weit. So gibt es neben der ­interdisziplinären wissenschaftlichen Erforschung auch genügend Platz für Esoterisches und Übersinnliches. Beni Sidler lässt seine Hände sanft über die Halme gleiten, als er das Feld zum ersten Mal betritt. Das mache er immer so. Ein Begrüssungsritual.

Behutsam betritt er den ersten Kreis, der einen Durchmesser von mehreren Metern hat. Die Halme sind auf Bodenhöhe umgeknickt. Es seien Menschenfüsse im Spiel gewesen, ist er überzeugt. Darauf liessen die vielen Ähren schliessen, die sich aus den Fruchthülsen gelöst haben und am Boden liegen.

Eventuell Bretter als Hilfsmittel

Vermutlich seien beim Niederwalzen der Halme Bretter zu Hilfe genommen worden, vermutet Sidler. Er beschäftigt sich seit langem mit den raffinierten Techniken, die beim Anlegen von Kornkreisen zum Einsatz kommen. Ein Holzstück und Schnüre wurden in der Nähe des Kornkreises gefunden, der 2005 in Eglisau entdeckt wurde. Damals hinterliessen die mutmasslichen Urheber in einem Gebüsch nicht nur das «Tatwerkzeug», sondern auch einen Plan.

In erster Linie gehe es um Geometrie, sagt Sidler. Die Kreise seien wohl mithilfe eines in den Mittelpunkt gesteckten Pflocks und eines Seils erzeugt worden. Im aktuellen Fall seien die Pflanzen ­allerdings nicht sehr gleichmässig zu ­Boden gedrückt worden. «Ich bin etwas enttäuscht von der Qualität.»

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Erstellt: 10.07.2010, 17:24 Uhr

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8 Kommentare

Martina Puls

13.07.2010, 09:14 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wundervollste Präzisionsarbeit und ein Kunstwerk der ganz besonderen Art. Wer auch immer es geschaffen hat: es soll uns bereichern und nachdenklich stimmen. Übrigens, welcher Mensch ist so verrückt und tut sich so etwas bei so hohen Temperaturen freiwillig an - auch nachts! - und verliert nicht die Orientierung? Logisches Denken ist auch hier gefragt, es könnte aber so manchen überfordern... Antworten


Hans Abegglen

12.07.2010, 21:17 Uhr
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Der Kornkreis von Hochfelden stammt sicherlich von denselben "Konstrukteuren" wie diejenigen von Hörhausen (09) und Diessenhofen (08). Und wer glaubt, die Medien würden sich nicht interessieren, gerne lacht und die ganze Wahrheit erfahren will der lese doch bitte das Taschenbuch "Kornkreise - der grösste Streich seit Max und Moriz" von F. Brunner und H. Hoos. Sie kommen aus der "Szene"!! Antworten


Markus Bösch

12.07.2010, 13:41 Uhr
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An alle Freunde des Übernatürlichen! Diese Zeichen sind gewollte Bilder der unsichtbaren Helfer in der Schöpfung. Der Bauer sollte einen natürlichen Stolz haben gegenüber dieser Sache und dankbar sein für das, was diese Wesen hinterlassen haben. Die grossen Wesen dieser Schöpfung, die wir Früher sehen konnten, sie sind heute traurig, wenn sie die Menschen beobachten beim Rundgang! Markus Bösch Antworten


Ben Leidemann

11.07.2010, 09:58 Uhr
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Anstatt Anzeige zu erstatten, lieber Bauer, Mach einen Zaun um Dein Feld und verlang Eintritt! verkauf Kornkreisbücher, lass Kornkreisbier vom Locher brauen und verdien dran. Das wäre dann ein schlauer Bauer. Meckern, und jammern kann jeder. Da helfen Dir auch keine ÄLIENS!!!! Antworten


Andreas Kyriacou

11.07.2010, 09:20 Uhr
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Interdisziplinäre wissenschaftliche Erforschung? Was soll denn die Wissenschaft - ausser vielleicht die forensische - mit Kornkreisen anfangen? Die Hysterie wurde Ende der 1970er-Jahre von zwei Englischen Künstlern ausgelöst, die genau die im Artikel verwendeten Hilfsmittel einsetzten: Bretter und Seile. Nachahmungstäter gibt's halt bis heute. Antworten


Fred Stadelmann

11.07.2010, 08:29 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Googeln Sie einfach "The most important crop circles ever", dann kriegen Sie interessante Informationen ueber dieses Phaenomen, die, wie mir scheint, von den Massenmedien weltweit ignoriert oder verdraengt werden. Antworten


Theresia Gruber

11.07.2010, 00:35 Uhr
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Es gibt keine Auserirdischen o. Ufos. Die momentane Hitze, ist jemanden so zu Kopf gestiegen, dass der jenige sich an dem Kornfeld vergriffen hat. Der Landwirt hat einen erträchtlichen Schaden erlitten, durch Ernteausfall usw. Es ist daher, eine riesen Frechheit, in der heutigen Zeit die hart erarbeitete Feldarbeit, des Landwirtes mutwillig zu zerstören, er muss davon leben um exestieren zu können Antworten


annamaria brugger

10.07.2010, 05:14 Uhr
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diese Vandalen müssen wohl nie Hunger leiden. Als strafe sollten sie für eine (Heilsarmee) oder so ein Jahr jeden Tag 2-3 Brote kaufen müssen. Das hilft vielleicht Nahrungsmittel zu schätzen wo so viele Leute Hunger leiden. Antworten



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