Zürich
Klotener Kaffee wärmte die Biker
Von Christian Zellweger. Aktualisiert am 03.05.2010
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Heidi Dinkel versorgte die Biker im Hangar mit Koffein. (Nathalie Guinand)
Dauerregen, 4500 Besucher
Erstmals in der Geschichte der Motorrad-Benefizveranstaltung Love Ride regnete es in Strömen. Das drückte auf die Teilnehmerzahl der 18. Austragung. Nur gerade 2500 Motorradfahrer und 4500 Besucher fanden nach Angaben der Veranstalter den Weg auf das Festgelände auf dem Militärflugplatz Dübendorf. Darunter auch alt Regierungsrätin Rita Fuhrer, Regierungsrat Thomas Heiniger, Gotthard-Frontmann Steve Lee und 117 Behinderte, die sich bei nasskalten Wetter auf Töffs durch den Kanton chauffieren liessen. Im Rekordjahr 2009 waren es 10 000 Biker und rund 17 000 Besucher, die den Anlass zum Grossereignis gemacht hatten. Niedriger als im Vorjahr fiel heuer auch der Erlös zugunsten muskelkranker und behinderter Menschen aus. Laut Love-Ride-Pressesprecher Fritz Wagner dürften 150 000 Franken zusammen gekommen sein. Trotzdem spricht er von einem respektablen Ergebnis. (arb)
Der Kaffeefilter ist so gross wie ein A4-Papier. Eine ganzes Pack Kaffee schüttet Werner Dinkel hinein. Dann legt er ihn oben auf die Kaffeemaschine und drückt auf den Knopf. Aus der Maschine nebenan läuft der Kaffee aus einem Gartenschlauch in einen grossen Behälter. 100 Liter Kaffee in der Stunde lassen sich mit so einer Maschine brauen, oder 600 Tassen.
Die übergrossen Kaffeemaschinen stehen in einem Hangar auf dem Flugplatz Dübendorf. Normalerweise wird hier die Flotte der JU-52 beherbergt. Heute ist aber kein Flugzeug zu sehen. Die Halle ist gefüllt mit langen Bankreihen. Hier sitzen Männer und Frauen in schwarzen Lederjacken und schweren Stiefeln. Auf den Tischen liegen Motorradhelme. «Harley Davidson» ist auf vielen Jacken zu lesen. Im Festzelt gleich nebenan spielt eine Rockband. Heute stehen für einmal nicht die Flugzeuge im Mittelpunkt. Am 18. Love Ride ist der Flugplatz ganz in Biker-Hand.
Etwa 4500 Menschen lockte der Love Ride gestern nach Dübendorf. Das liegt unter dem Besucherdurchschnitt der vergangenen Jahre. Doch egal, wie viele Leute es sind, auch bei der 18. Auflage sorgen Dinkel und seine Helfer dafür, dass die Besucher verpflegt werden. Mit Kaffee vor allem, aber auch für Gipfeli und Nussgipfel ist gesorgt.
Der Klotener ist seit den Anfängen beim Love Ride dabei. Das war 1993. Dinkel hatte im Jahr davor seine eigene Kaffeerösterei gegründet. Darum fragte ihn ein Freund an, ob er für den ersten Benefizanlass den Kaffee liefern könne. Dinkel sagte Ja. «Das ist eine gute Sache», sagte er sich. Mit zwei Maschinen braute er den Kaffee für die 200 Besucher. «Die reichen für ein besseres Familienfest», sagt er heute. Wie beim ganzen Love Ride waren auch bei Dinkel die Dimensionen zu Beginn um einiges kleiner. Doch von Jahr zu Jahr zog der Benefizanlass mehr Leute an. Und mit ihm wuchs auch Dinkels Maschinenpark kontinuierlich. Heute, 18 Jahre später, schenkt er, je nach Ansturm, 5000 bis 6000 Tassen aus.
Mehr Wert als auf den Umsatz legt er darauf, dass alles rundläuft. «Ich will nicht, dass jemand wegen mir auf seine Tasse Kaffee warten muss», sagt er. Der Ehrgeiz, dass auch bei einem grossen Ansturm alles rundlaufe, sei sein Antrieb. Und dafür nimmt er einiges auf sich. Drei Arbeitstage investiert der Unternehmer in den Love Ride.
Am Sonntag um vier Uhr läutete bei den Dinkels der Wecker. «Das ist jeweils der härteste Moment», sagt er. Um fünf Uhr drückte er das erste Mal auf die Knöpfe der Kaffeemaschinen. Und bereits um sieben Uhr versorgten die Maschinen 250 Helfer und Helferinnen mit dem ersten Kaffee. Die Maschinen liefen bis abends um 17 Uhr durch.
Es braucht Absperrgitter
Bereits am vergangenen Freitag wur-den die Kaffeemaschinen angeliefert. 30'000 Franken sei sein Maschinenpark hier wert, sagt Dinkel. Einen Teil liefert er selber, ein Teil ist gesponsert von einem ortsansässigen Hersteller. Den ganzen Samstag waren Dinkel und seine Helfer mit dem Aufbau des Kaffeestandes beschäftigt. Zwei Kassen, Absperrgitter, die Maschinen wurden aufgestellt. Die Gitter braucht es, wenn der grosse Ansturm kommt. «Manchmal geht es hier zu und her wie beim Check-in für den neuen Airbus.»
Er reisse sich nicht um den Job, sagt Dinkel. Doch jedes Jahr werde er vom Organisationskomitee wieder angefragt. «Ich kann da schlecht Nein sagen», sagt er. Denn in all den Jahren hat sich zwischen ihm und den Organisatoren eine Freundschaft entwickelt. «Das sind aus gutem Holz geschnitzte Typen.» Hier träfen sich Arbeiter und Direktoren, und alle sagten sich freundlich Hallo und ässen gemeinsam eine Bratwurst. Das gefalle ihm, sagt er.
Klar habe er auch schon ans Aufhören gedacht. Doch so schnell wird das wohl nicht geschehen. Zum einen ist es schwer, einen Nachfolger zu finden. Zum anderen ist Dinkel aber auch beeindruckt von den Menschen, die am Love Ride teilnehmen. Nicht nur von den Bikern, welche das Ganze auf die Beine stellen, sondern auch von den Behinderten. «Wenn man sieht, wie diese Menschen täglich mit ihrer Behinderung leben, dann relativiert das die eigenen Probleme stark.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.05.2010, 20:54 Uhr


