Zürich

«Mein Kollege hat sich überschätzt»

Interview: Christoph Landolt. Aktualisiert am 28.02.2011 15 Kommentare

Apnoe-Taucher Peter Colat erzählt, wie es zum tödlichen Tauchunfall unter dem Eis des Davosersees kommen konnte – und macht sich Gedanken über ein Ende seiner Karriere.

1/5 Polizei und Taucher nach dem Unfall auf dem Davosersee.
Bild: Keystone

   

Peter Colat, 39, ist mehrfacher Schweizermeister und hält den Weltrekord im statischen Zeittauchen. Er lebt in Rafz. (Bild: Keystone )

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Herr Colat, Sie mussten Ihren Weltrekordversuch im Eistauchen absagen, nachdem ein Kollege* von Ihnen gestorben ist. Was ist genau passiert?
Zwei Kollegen, die bei meinem Rekord als Sicherungstaucher im Wasser gewesen wären, wollten beim ersten Loch einen tiefen Tauchgang machen und bis auf 13 Meter runter gehen. Sie haben dann entschieden, auch noch eine Strecke zu tauchen. Das war nicht geplant.

Wie gefährlich ist das Tauchen unter Eis und ohne Sauerstoffflaschen?
Eigentlich völlig ungefährlich. Das Sicherheitskonzept war sehr durchdacht. Wir haben eine Leine gespannt, die an den Sicherheitslöchern vorbeiführt und an der man als Taucher über eine sogenannte Buddyline angehängt ist. Beim Rekordversuch wären entlang der Strecke sechs Sicherheitstaucher im Wasser gewesen, die von sechs weiteren Tauchern an der Eisoberfläche sekundiert worden wären. Besser hätte man es nicht machen können, das hat auch der Polizist bei der Einvernahme gesagt.

Wie konnte es dennoch dazu kommen, dass ein Mann sein Leben verlor?
Mein Kollege hat sich überschätzt. Offenbar hat er angezeigt, dass er nicht sicher ist, ob er es bis zum nächsten Loch schafft. Die über dem Eis haben ihm gesagt, er solle warten, jemand begleite ihn zum nächsten Loch. Aber er ist allein losgeschwommen. Vielleicht hat er die anderen wegen dem Neoprenanzug nicht gehört.

Wo waren Sie zu diesem Zeitpunkt?
Wir drei sind gemeinsam ins Wasser gestiegen. Ich habe einen Probetauchgang gemacht, bin 50 Meter und dann noch 70 Meter weiter geschwommen. Als ich hoch gekommen bin, herrschte eine riesige Aufregung. Ich wollte ihm nachschwimmen und habe so schnell wie möglich versucht, die Flossen wieder anzuziehen. Die sind sehr eng, das dauert eine Weile. In der Zwischenzeit ist mein Kollege bereits von einem Flaschentaucher rausgeholt worden. Er war angeleint und deshalb leicht zu finden. Er wurde sehr, sehr lange reanimiert, bis sein Zustand stabil war. Die Rega hat ihn ins Spital gebracht, aber es hat nichts mehr genützt.

Einige Medien haben es so dargestellt, dass Sie selbst ums Leben gekommen sind.
Ja, viele haben das geglaubt. Ich bin medial totgesagt worden. Auch mein Chef ging davon aus, dass ich das Opfer war. Er sagte, es sei eine Tragödie, aber er sei froh, dass ich noch lebe. Auch im Gästebuch auf meiner Homepage haben sich Leute eingetragen, die meiner Familie kondoliert haben.

Werden Sie Ihren Weltrekordversuch wiederholen?
Ich weiss es nicht. Viele haben mir gesagt, ich solle jetzt bloss den Sport nicht an den Nagel hängen. Gestern habe ich aber auch schon gedacht, dass ich einen Schlussstrich unter diese Episode ziehen sollte. Es ist wirklich übel. Ich habe mir für den Sonntag ein gutes Fest vorgestellt, ich war total euphorisch. Ich hätte den Rekord gebrochen, das weiss ich. Aber wie es nun weitergehen soll, das muss ich zurzeit wirklich offen lassen.

* Name der Redaktion bekannt (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.02.2011, 12:04 Uhr

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15 Kommentare

Mario Risch

28.02.2011, 12:12 Uhr
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Ein weiteres Beispiel für blödsinnige Rekordsucht. Antworten


Thomas Hauser

28.02.2011, 13:12 Uhr
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Ich habe ebenfalls absolut null Verständnis für derartige Aktionen. Warum führt man solche Rekordversuche nicht einfach unter kontrollierten Bedingungen in einem Hallenbad oder in einem See im Sommer aus? Warum muss man das im Winter unter einer Eisdecke veranstalten. Leichtsinn pur, genau wie Samuel Kochs Aktion bei Wetten dass?... Antworten



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