Zürich

Minarett-Initiative: Muslime schweigen gekränkt

Von Andrea Söldi. Aktualisiert am 21.10.2009 4 Kommentare

Abstimmung hin oder her: Minarette wird es im Unterland in absehbarer Zeit nicht geben. Aber von den Plakaten fühlen sich die Gläubigen verletzt.

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Spitzige Minarette, die Raketen assoziieren lassen, und eine schwarz verhüllte Gestalt: Die SVP-Plakate, die für ein Ja zum Minarett-Verbot werben, werden demnächst landauf, landab auf Plakatwänden kleben. Wie in Zürich und Winterthur wird der Aushang wohl auch in den Gemeinden des Unterlands erlaubt sein. Bis gestern konnte keine Gemeinde gefunden werden, die die Plakate verbietet – wie etwa im Kanton Basel-Stadt geschehen. Ein Verbot der Plakate wäre nicht vereinbar mit der Meinungsfreiheit und würde den Initianten eine noch grössere Plattform geben, begründet etwa der Bülacher Stadtrat seinen Entscheid. In einigen Gemeinden wie Kloten und Dietlikon werden die zuständigen Behörden demnächst entscheiden, ob sie den Aushang genehmigen wollen.

Wenig erfreut über die bevorstehende Kampagne ist man bei den lokalen islamischen Gemeinschaften. Als «sehr aggressiv und kontraproduktiv für die Integration der islamischen Bevölkerung» bezeichnet ein Vorstandssprecher des schweizerisch-türkischen Kulturvereins Bülach die Plakate. Namentlich exponieren will sich jedoch niemand vom Verein.

«Wir zählen auf Besonnenheit»

Auch die Männer, die sich gestern in der Moschee Bachenbülach zum Gebet versammelt haben, stören sich am Plakat: «Diese Darstellung suggeriert, dass wir Muslime eine Gefahr darstellen», so der Tenor unter den türkischstämmigen Muslimen. «Aber wir sind nicht so, wie wir auf dem Plakat dargestellt werden. Wir wollen nur einen Ort haben, wo wir uns treffen und beten können.»

Sich aktiv im Abstimmungskampf engagieren wollen sich die Gläubigen nicht. Dafür habe man weder die Strukturen noch die Mittel, sagt einer der Männer. Anstatt sich mit den Initianten anzulegen, ziehe man es vor, zu schweigen, und zähle auf die Besonnenheit der Schweizer Bevölkerung.

Der Bau eines Minaretts ist in Bachenbülach sowieso kein aktuelles Thema. Weil der Gemeinschaft die Räumlichkeiten im Industriegebiet Bachenbülach gekündigt wurden, muss sie sich im Laufe des nächsten Jahres um ein neues Vereinslokal mit Gebetsraum bemühen. Die Raumsuche gestalte sich extrem schwierig.

Am liebsten würde der Verein ein Haus kaufen oder selber bauen. Ob das Geld dafür zusammenkommt, ist jedoch noch unsicher. Einige Vereinsmitglieder würden sich zwar ein Minarett wünschen, wenn es die Bauvorschriften erlaubten. Priorität hat jedoch die Suche nach Räumlichkeiten für ein Kulturzentrum.

Politische Orientierung fehlt

Auch die Gemeinschaft der Kosovo-Bosniaken in Wallisellen hat keine Absichten, ihre Moschee mit einem Minarett auszurüsten. «Da wir im Industriequartier eingemietet sind, haben wir mittel- bis langfristig gar keine Möglichkeit, ein Minarett zu errichten», sagt Vorstandsmitglied Raim Mustafi.

Ebenso wenig hegt der islamische Verein Dällikon Absichten, seinen Gebetsraum mit einem Minarett zu bestücken. Sekretär Hikmet Pala findet zwar, grundsätzlich gehöre ein Minarett zu einer Moschee, aber es gehe auch ohne. Die SVP-Kampagne findet auch er verletzend: «Ich verstehe nicht, wieso man uns so grob entgegentritt.» Die Angst gewisser Kreise versteht Pala nicht. Ein wenig seien die islamischen Gemeinschaften aber auch selber schuld an diesen Ängsten, weil sie sich zu wenig äusserten. So wird sich auch der Dälliker Verein nicht am Abstimmungkampf engagieren. «Wir sind zu wenig politisch orientiert. Vielleicht wird die nächste Generation aktiver sein.»

Dieses Defizit nimmt auch die Schweizer Muslimin Sandra Bendahou aus Niederweningen wahr. Als Lehrerin beim Verein islamischer Religionspädagogik vermittelt sie den Islam an Schulen und organisiert Moschee-Führungen. «Wir Muslime sollten mehr an die Öffentlichkeit gehen.»

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2009, 04:00 Uhr

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4 Kommentare

Roger Wietlisbach

21.10.2009, 10:13 Uhr
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Etwas Mitschuld an der Misere tragen die Muslime schon;ich habe noch nie eine klare Distanzierung der Ch-Muslime von den Islamisten weder gehört,noch gelesen! Eine klare Distanzierung würde der Initiative wohl Wind aus den Segeln nehmen!! Werden bereits wohlhabende Muslime durch Extremisten erpresst? Antworten


Alf Stein

21.10.2009, 14:33 Uhr
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"Spitzige Minarette, die Raketen assoziieren lassen" Diese Assoziation stammt doch von der Presse und den Gegnern. Kein Schweizer, und auch nicht die Initiatoren der Abstimmung, haben die Form der Minarette entworfen oder erfunden. Die Burka hat ihren Ursprung m.W. ebenfalls nicht in der CH. Aber vor allem, wer in der Abbildung einen bösen Frauenblick erkennt, der muss Röntgenaugen haben. Antworten



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