Nullenergie-Siedlung hält ihr Versprechen noch nicht
Von Andrea Söldi. Aktualisiert am 29.12.2009
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«Mit Nullenergie in die Zukunft», propagiert das Schild vor der neuen Siedlung Sunnywatt in Watt bei Regensdorf. Ganz der Realität entspricht der Slogan jedoch noch nicht. Die geplanten Solarzellen konnten aus finanziellen Gründen bisher nicht realisiert werden. Das Dach der 19 Wohneinheiten, die die erste Nullenergie-Siedlung im Unterland werden sollen, wurde einstweilen mit einem Provisorium abgedichtet.
Architekt Beat Kämpfen hatte die geplante Anlage für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) des Bundes angemeldet, war aber vorerst nicht berücksichtigt worden. Weil die Fördergelder für erneuerbare Energien, die seit Anfang 2009 vergeben werden, beschränkt sind, steht für jede Energieform nur ein gewisses Kontingent zur Verfügung. Jenes für Fotovoltaik-Anlagen war bereits wenige Tage nach Beginn der Anmeldefrist ausgeschöpft. Die in Watt geplante Anlage wurde auf die Warteliste gesetzt. Bis sie von der KEV profitieren kann, dürften drei bis vier Jahre vergehen, schätzt Kämpfen. Früher oder später komme die Anlage aber auf jeden Fall zum Zug. «Es ist, wie wenn man am Skilift ansteht und das Billett bereits im Sack hat.»
Investition wird zum Geschäft
Für eine gestalterisch integrierte Fotovoltaik-Anlage, wie in der Watter Siedlung vorgesehen, werden die Eigentümer dereinst 90 Rappen pro Kilowattstunde Strom erhalten, wenn sie ihn ins öffentliche Netz einspeisen. Die Differenz zwischen dem Markttarif und dem Endpreis stammt aus der KEV-Kasse, die Stromkonsumenten mit einem Zuschlag von 0,45 Rappen pro Kilowattstunde füllen.
Wegen der langen Wartezeit bewarb sich Kämpfen auch bei der Solarstrombörse des Elektrizitätswerks Zürich, die zuweilen auch Anlagen ausserhalb des Stadtgebiets berücksichtigt. Der Bedarf nach dem teureren Solarstrom war aber auch dort bereits abgedeckt. Darauf versuchte Kämpfen, die Hausbesitzer zu gewinnen, in die Anlage zu investieren. Die meisten seien jedoch nicht bereit gewesen, nochmals 25'000 bis 30'000 Franken aufzuwerfen. Nun ist der sonnenenergiebegeisterte Architekt und Bauherr auf der Suche nach anderen Investoren. «Sobald wir die Einspeisevergütung erhalten, wird die Investition zum Geschäft», ist er überzeugt.
Die 650 Quadratmeter grosse Anlage soll übers Jahr hinweg etwa 70'000 Kilowattstunden Strom produzieren. Im Winter liefert die Anlage weniger als die Siedlung verbraucht, im Sommer produziert sie Überschüsse. Insgesamt reicht der Solarstrom aus für die Erdsonde-Wärmepumpen, mit denen die Wohneinheiten beheizt werden, und die Lüftungen mit Wärmerückgewinnung. Sogar für den täglichen Gebrauch der Vermieter sollte noch etwas übrig bleiben.
Ersten Kältetest überstanden
Zusätzlich wärmen thermische Solaranlagen das Brauchwasser auf, und die dichte Gebäudehülle minimiert den Wärmeverlust. So verbrauchen die Gebäude unter dem Strich keine Zusatzenergie. Die Siedlung wurde provisorisch mit dem Minergie-P-Eco-Standard zertifiziert, dem besten Energiestandard überhaupt, und soll die Auszeichnung nächstes Jahr definitiv erhalten.
Noch stehen Abfallmulden herum, und unbepflanzte Erde umgibt die Gartensitzplätze vor den grosszügigen Fensterfronten. Aber die meisten Eigentümer haben ihr neues Heim bereits bezogen. Die sieben Reiheneinfamilienhäuser sind fertiggestellt, von den zwölf Attika- und Etagenwohnungen werden vier erst im Frühling vollendet. Zwei davon sind noch zu haben.
Gefroren habe man auch an den kalten Tagen vor Weihnachten nie, sagt einer der neuen Hausbewohner, der wegen des vorbildlichen Projekts von Zürich nach Regensdorf gezogen ist. Im Gegenteil: «Wir konnten die Heizung fast auf null drehen.»
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Erstellt: 29.12.2009, 04:00 Uhr



