Zürich

Regensdorfer protestieren vor der Oper und im Netz

Von Heinz Zürcher. Aktualisiert am 07.10.2009

Der Abbau bei der Firma Studer stellt die Unia vor ungewohnte Probleme. Die Gewerkschaft muss gegen Manager antreten, die nur auf der Leinwand erscheinen.

Erhofft sich Reaktionen der Öffentlichkeit: Die Studer-Belegschaft streikt vor dem Zürcher Opernhaus.

Sophie Stieger

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Es ist der Kampf David gegen Goliath: Hier der kleine Betrieb aus Regensdorf, dort der Milliarden-Konzern Harman aus den USA. Gestern ging er in eine neue Runde. Vor dem Zürcher Opernhaus demonstrierte die ganze Belegschaft gegen den Abbau von 35 der 100 Stellen. Seit 40 Jahren arbeitet die Tonabteilung der Oper mit Studer-Geräten. Doch wie lange noch?

Die Auslagerung der Produktionsabteilung nach England komme mittelfristig dem Ende von Studer gleich, sagen selbst die Mitarbeitenden der Forschungsabteilung, die ihre Stelle in Regensdorf behalten dürfen. Einer von ihnen ist der Sprecher der Personalkommission, Robert Huber. Er ist seit 28 Jahren im Unternehmen und hat den Firmengründer Willy Studer noch erlebt – einen Chef zum Anfassen.

Heute muss Huber E-Mails schreiben, wenn er von den Entscheidungsträgern in den USA erfahren will, weshalb seine Kolleginnen und Kollegen per Ende Jahr ihre Arbeitsplätze räumen müssen. Die Antworten erhält er per Videokonferenz – so geschehen nach der Bekanntgabe der Kündigungen. Auf der Leinwand zeigte sich Harman-Divisionsleiter Blake Augstburger im Ledersessel. «Das kam bei uns gar nicht gut an», erinnert sich Huber. Zumal er die wichtigsten Fragen ausliess. Seither verweigere die Firmenspitze das Gespräch. Und lasse das Personal per Schreiben wissen, dass weitere Streikaktionen arbeitsrechtliche Folgen haben könnten.

Arbeitskampf auf Englisch

Diese «Einschüchterungspolitik», wie sie Unia-Gewerkschafter Roman Burger nennt, sei hart an der Grenze zur Nötigung. «Dem Personal steht das verfassungsmässige Recht zu, sich an gewerkschaftlichen Aktivitäten zu beteiligen.» Dabei ist fraglich, wie viel die Verantwortlichen in den USA überhaupt von den Demonstrationen mitbekommen.

Die Ausgangslage sei neu für die Unia, sagt Burger. «Wir mussten uns überlegen, wie wir diesen transkontinentalen Arbeitskampf führen können.» Die Lösung sieht Burger im Internet. In den nächsten Tagen richtet Unia einen Weblog ein, auf dem laufend über die Aktionen der Belegschaft und der Gewerkschaft in englischer Sprache informiert wird. Videos werden aufgeschaltet und Mitarbeitende beziehen in Englisch Stellung.

Regierung soll Druck erhöhen

Die Unia hofft zudem auf Unterstützung des Zürcher Regierungsrats. «Auf unsere Anfrage haben wir jedoch noch keine Reaktion erhalten», sagt Burger verärgert. Im Fall Studer gehe es nicht um einen Betrieb, dessen Zerfall nicht mehr abzuwenden sei wie etwa bei Textilfirmen. Hier werde ein gesundes Unternehmen mit Weltruf beschädigt.

«Der Regierungsrat hätte nun die Möglichkeit, konkrete Wirtschaftsförderung zu betreiben – etwas, das er sich auf das Banner geschrieben hat», sagt Burger. Er ist überzeugt, dass die Unterstützung der Zürcher Regierung den Druck auf die Harman-Manager erhöhen würde. Und so die Zukunft von Robert Huber und seinen Kollegen gesichert werden könnte.

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Erstellt: 07.10.2009, 04:00 Uhr

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