Schlammorgie am Zürich Openair

Die Regenfälle vom Freitag verwandelten das Gelände des Zürich Openairs in einen Sumpf. Die Organisatoren sind dennoch zufrieden. Eine Neuauflage des Festivals sei «höchst wahrscheinlich».

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es weht eine kühle Bise bei der Station Bäuler in Rümlang. Es ist Sonntag, und vom Flughafen her dröhnt ein Bass. Die Leute pilgern Richtung Festivalgelände. Eine Schlammspur weist den Weg. Dort angekommen, ist der Schlamm so tief, dass die Schuhe fast im Boden stecken bleiben. Wer festivalerprobt ist, hat Gummistiefel an.

Kein Wunder, waren am Samstag in der Stadt Zürich sämtliche Gummistiefel ausverkauft. Das Wetter drückt aber nicht auf die Stimmung: «Es ist doch immer so. Entweder ist es eine Affenhitze, oder man ertrinkt im Schlamm», sagt der 21-jährige Yannick Halter aus Herisau. Für ihn gehöre das einfach zu einem Openair. Auch den meisten anderen Besuchern scheint der Schlamm nichts auszumachen. Amelie Auer aus Deutschland etwa meint, dass der ganze Matsch das Openair nur «noch spassiger» machte. Die Stimmung auf dem Festivalgelände sei hervorragend und die Leute gut gelaunt.

Mängel in der Organisation

Im Gegensatz zum Wetter vermochte bei einigen Besuchern die Organisation der Veranstaltung die Stimmung zu trüben. Zwei deutsche Freundinnen bezeichneten sie gar als chaotisch: «Am Freitag wurde die Öffnung des Geländes zweimal verschoben. Die Leute konnten erst um 16 Uhr hinein.»

Unzufrieden war auch ihr Landsmann Paul Rutschmann: Der 51-Jährige pendelte alle drei Tage ans Festival. Im Internet habe er gelesen, dass es am Flughafen verbilligte Parktickets für Besucher des Festivals gebe. Dem sei aber nicht so gewesen. Genauso wenig konnte er das Ticket schon am Flughafen gegen ein Armband einlösen, wie das ebenfalls vor Beginn des Openairs von den Veranstaltern auf der Internetseite angepriesen wurde. Dennoch war auch er gut gelaunt, als er am Gatter vor der Glatt lehnte.

Grandioses Programm

«Die Bands gefallen mir, und für die Organisatoren ist es ja das erste Mal. Sie müssen es nächstes Mal einfach besser machen.» Remo Brunner, Mediensprecher des Openairs, erklärte: «Es gab eine Entwertungsstelle für die Parktickets an der Tramhaltestelle Flughafen. Leider klappte der Armbandtausch nicht. Wir werden aber auf jeden Fall aus den Fehlern lernen.»

Die Musik entschädigte für vieles. Die meisten Besucher waren sich einig, dass das «Line-up» des Openairs grandios war. Von Placebo über Mando Diao bis zu Faithless waren namhafte Bands vertreten. Wurden die wenigen verfügbaren Sanitäranlagen und die nicht allzu grosse kulinarische Auswahl noch gerne kritisch mit anderen Openairs verglichen, so stand die Musik den «Grossen» wie dem Gurten oder dem St. Galler in nichts nach.

Mehr Nachrichten und Hintergründe aus der Stadt Zürich gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an stadt@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.08.2010, 21:55 Uhr

Zweite Ausgabe geplant

Die Organisatoren sind mit der erste Ausgabe des Zürich Openair zufrieden. Am Wochenende wurden 40'000 Besucher gezählt – 5000 weniger als erwartet. Die Veranstalter führen dies auf das nasskalte Wetter zurück. Dass das Openair im nächsten Jahr wiederholt wird, bezeichnet Initiant Rolf Ronner als «höchst wahrscheinlich». (cal)

Lärmklagen aus Kloten und Winkel

Das erste Zürich Openair in Rümlang verlief ohne grössere Zwischenfälle. Selbst der Verkehr verlief gemäss Rümlanger Polizei reibungslos. Zu Festivalbeginn am Freitag kämpften die Organisatoren jedoch mit viel Regen und zehn Zentimeter hohem Schlamm. So versanken die Notausgänge im Regen und Matsch und mussten von der Feuerwehr ausgepumpt werden. Dadurch verspätete sich der Einlass, was zu Missmut bei den Besuchern des Festivals führte (TA vom Samstag). Zusätzlich gingen bei der Polizei diverse Lärmklagen ein, vor allem aus Kloten und Winkel. Daniel Blank, Sicherheits- und Liegenschaftsvorsteher der Gemeinde Rümlang, glaubt, dass der Wind den Lärm über das Flughafengelände hinweggetragen habe. «Für die Zukunft muss man sich nun überlegen, ob man die Musik zeitlich einschränken möchte», sagte Blank. (raq)

TA Marktplatz

Kommentare

Weiterbildung

Kostenlose E-Books

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Die Welt in Bildern

Der strenge Blick: In Hongkong werden die Sicherheitsmassnahmen hochgefahren vor der Ankunft des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. (29. Juni 2017)
(Bild: Damir Sagolj) Mehr...