Schweinegrippe als logistische Höchstleistung
Von Manuela Moser. Aktualisiert am 14.11.2009 4 Kommentare
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Anfang nächster Woche wollten eigentlich alle Arztpraxen ihre Risikopatienten gegen Schweinegrippe impfen. Doch eine Umfrage im Unterland zeigt, dass viele Ärzte noch auf den Impfstoff warten. «Wir müssen die Leute vertrösten», sagt eine Praxisangestellte aus Bachenbülach, dabei erhalte sie täglich sehr viele Anrufe. Auch im Spital Bülach klingelt das Telefon häufig. Wer aber meint, er könne sich mangels Verfügbarkeit des Stoffes beim Hausarzt im Spital impfen lassen, täuscht sich.
Norbert Vetterli, Mitglied der Spitalleitung, sagt, dass man mit solchen Anfragen «sehr zurückhaltend» umgehe. Das Spital habe von der Gesundheitsdirektion primär den Auftrag, das eigene Personal und seine stationären Patienten zu behandeln. Alle andern Personen – auch wenn sie zur Risikogruppe gehörten, die in der ersten Tranche geimpft werden sollte – verweist man auf den Hausarzt.
Allerdings konnte das Spital sein Personal auch noch nicht impfen. Zwar ist man seit Mitte Woche im Besitz des Impfstoffes Focetria, der für Schwangere und Kinder eingesetzt wird. Auf den Impfstoff Pandemrix für Erwachsene wartet man aber noch immer. Dies verwundert Urs Rüegg, Mediensprecher der Gesundheitsdirektion. Prioritär seien nämlich die Spitäler beliefert worden, weil jene die grossen Packungen bestellt hätten, sagt er auf Anfrage. «Ansonsten folgt die Auslieferung nach Bestelleingang.» Rüegg spricht allerdings von einer logistischen Übung, «die es in der Schweiz so noch nie gegeben hat». Rund 2500 Bestellungen seien allein von Zürcher Praxen und Spitälern bei der Kantonsapotheke eingegangen.
Arzt schliesst Praxis
Bestellt hat den Impfstoff auch der Bezirksarzt Patrick Wagner aus Steinmaur. Zumindest für ihn kommt dieser aber definitiv zu spät. Seit Donnerstag liegt er nämlich selbst mit Schweinegrippe im Bett. «Ich hatte am letzten Wochenende Dienst und behandelte zwei Personen mit Schweinegrippe. Vermutlich habe ich mich da angesteckt.» Krank hätten sich auch zwei seiner drei Angestellten gefühlt – noch warteten diese aber auf den bestätigenden Test. Der Bezirksarzt ärgert sich über die «verschleppte Impfung» durch die Swissmedic. «In allen umliegenden Ländern der Schweiz impft man schon längst», so Wagner. Auch in seiner Praxis fehlt der Impfstoff noch. Sie wird aber wegen seiner Krankheit am Montag ohnehin geschlossen bleiben.
Patrick Wagner rechnet damit, dass der Höhepunkt der Grippe Mitte Dezember vorüber ist. Weil der Impfschutz zwei Wochen braucht, bis er wirkt, werde er seinen risikofreien Patienten von einer Impfung abraten. «Es wird dann eh zu spät sein.» Die Symptome, wie der Arzt sie zur Zeit selbst spürt, glichen einer leichten Grippe, daher sei die Schweinegrippe auch nicht schlimm, findet er.
Im Spital Bülach wird die Impfung für das Personal – auch auf der Wöchnerinnenabteilung – freiwillig sein. Norbert Vetterli rechnet damit, dass sich dennoch viele impfen lassen werden. «Seit Mai klärt eine eigens gegründete Taskforce alle Angestellten auf.» Dennoch geht für ihn die grösste Gefahr einer Ansteckung von den Besuchern aus, die tagtäglich ins Spital kommen.
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Erstellt: 14.11.2009, 04:00 Uhr
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4 Kommentare
Ich habe den Eindruck, dass man folgendermassen in Bern vorgegangen ist: Der Impfstoff war schon längst geliefert. Aber man hat erst mal gewartet bis der Entscheid von Swissmedic gekommen ist, bevor man daran ging, die Impfstoffe überhaupt umzupacken und für den Versand vorzubereiten. Hätte man damit nicht schon gleich nach der Lieferung beginnen können? Hier wurde m.E. geschlafen. Antworten
Logistische Höchstleistung? Wohl doch eher ein logistischer Flop! Was machen wir eigentlich, wenn eine tatsächlich schlimme Krankheit à la spanische Grippe auf zu zurollen würde? Bis jetzt haben wir Glück gehabt. Und bei so einer Leistung der "Oberen" in Bern haben wir das wohl auch dringend nötig. Antworten



