Zürich

Solar Impulse würde in Kloten vom Winde verweht

Die Zusammenarbeit mit Grossflughäfen testen – das war der Plan der Crew um Bertrand Piccard für morgen Samstag. Chefpilot André Borschberg erklärt, warum es zum zweiten Mal nicht klappt.

Daumen hoch nach dem ersten Nachtflug: HB-SIA-Pilot André Borschberg.

Daumen hoch nach dem ersten Nachtflug: HB-SIA-Pilot André Borschberg.
Bild: Keystone

Herr Borschberg, Sie haben den Flug nach Zürich bereits zum zweiten Mal abgesagt. Warum?
Es gibt dafür verschiedene Gründe: Einer davon ist die Wetterlage. Die Meteorologen prognostizierten gestern schon für morgen Samstag Nordwestwind. Er frischt aber stärker auf, als sie es erwartet hatten - insbesondere im Raum Zürich. Beim aktuellen Stand unseres Projektes wollen wir den Prototyp unseres Solarfliegers diesem Risiko nicht aussetzen. Wir sind zudem auf einen Hangarplatz in Kloten angewiesen. Hätten wir aus Meteogründen am Sonntagmorgen nicht wieder starten können, hätten wir einen für den Flughafen Zürich bedeutenden Standplatz blockiert. Der Flug ist aber lediglich verschoben, nicht abgesagt.

Sie werden dieses Hangarproblem künftig aber auch lösen müssen.
Ja, wir werden später unseren eigenen, mobilen Hangar haben.

Was ist das Ziel des Fluges von Payerne über Genf-Cointrin nach Kloten?
Bisher sind wir nur von Payerne aus geflogen. Wir planen für 2011 den ersten internationalen Flug und wollen nun Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit internationalen Flughäfen sammeln - die beiden Flughäfen haben uns eingeladen dies bei ihnen zu tun.

Um welche Erfahrungen handelt es sich?
Es geht einerseits um den Flieger. Wir wollen sehen, wie er sich in den Betrieb eines grossen Flughafens integrieren lässt. Es geht aber auch um die Bodencrew, die Zugang zum Flughafengelände haben muss und sich flexibel an verschiedenen Standorten organisieren muss. Gerade für den Prototyp, der ein Experimentalflugzeug ist, muss die Mannschaft immer in der Nähe sein. Er ist in dieser Hinsicht nicht sehr reisefreundlich. Das soll beim eigentlichen Rekordflieger anders sein.

Nun haben Kloten und Cointrin Ihnen ihre Piste offenbar gerne geöffnet. Wie der Ballonflug von Bertrand Piccard gezeigt hat, ist dies in Ländern wie China nicht selbstverständlich.
Gerade mit China haben wir bereits Kontakt. Wir haben die örtlichen Luftfahrtbehörden schon zweimal getroffen. Wir bemühen uns um gute Kontakte auf dem diplomatischen Weg, was gerade in so grossen Ländern wichtig ist. Und wir erklären den Regierungen den Sinn unseres Fluges.

Und wie liefs in China?
Gut. Natürlich gibt es Gebiete, die wir nicht überfliegen sollten - es gilt diese Nationen auch zu respektieren. Im Gegensatz zu einem Ballonflug können wir mit Solar Impulse aber unseren Flugplan mehrheitlich im Voraus selber definieren und sind nicht an Luftströme gebunden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.09.2010, 15:21 Uhr

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5 Kommentare

Gunnar Jauch

11.09.2010, 23:16 Uhr
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Einverstanden, @mein lieber stephan schwan! Leute, die Investitionen in die Entwicklung zukunftsweisender Technologien als "völlig irr" diffamieren, tun dies auch für solche in Bildung. Wir könnten doch etwas stolz sein, dass aus der Schweiz nicht nur die besten Tennisspieler, sondern auch die hellsten Wissenschaftler und Forscher kommen! Antworten


Mike Albrecht

10.09.2010, 23:29 Uhr
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Macht es nur den Eindruck oder ist dieses Flugzeug unglaublich sensibel? Wenn es wegen harmlosem Nordwestwind nicht landen kann, wie wird es sich erst bei Scherwinden oder Turbulenzen verhalten? Es ist noch ein sehr weiter Weg, bis ein Solarflugzeug einen 500-plätzigen Grossraumjet ersetzen kann. In 50 Jahren vielleicht? Antworten


Heinrich Zimmemann

10.09.2010, 22:02 Uhr
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Bei allem Respekt fuer solche Spitzenleistungen, muss man schon sehen, was auch nicht Sinn macht. Und das kann man. Klar fuer Piccard steht einiges an "Ehre" an, wenn es ihm gelingt, um die Welt zu fliegen ohne Benzin, nur Sonnenkraft. Aber technisch gesehen ist da nicht viel mehr drinnen als grosse Show, und etwas Sensation mehr nicht. Es amuesieren dabei oft die grossen Worte der Politiker Antworten


stephan schwan

10.09.2010, 19:25 Uhr
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@ F.Rothenbühler: Als Rudolf Diesel 1893 seinen Motor zu entwickeln begann, hielt man das zuerst auch für "völlig irr". Heute läuft er in jedem Lastwagen. Ich findes spannend: Wir erleben zur Zeit die Geburt einer neuen Technologie. In 100 Jahren wird man sich fragen, warum man mit deren Erforschung nicht schon viel früher begonnen hat. Der Menschheit wären grosse Umweltprobleme erspart geblieben. Antworten


Felix Rothenbühler

10.09.2010, 16:38 Uhr
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So interessant und faszinierend dieses Projekt auch ist: Umweltfreundlich ist es definitiv nicht. Was hier für Material, Logistik und Betrieb (vom Flieger selber eben abgesehen) drauf geht, ist einfach wahnsinnig. Aber offenbar muss man solche Spagate machen, um die Menschheit zu beeindrucken und sie so auf Solarenergie aufmerksam zu machen. Irgendwie schon völlig irr... Antworten



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