Studer-Personal legte die Arbeit nieder
Von Heinz Zürcher. Aktualisiert am 23.09.2009 1 Kommentar
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Der Gitarrist trägt ein Che-Guevara-Shirt, und der Sänger brüllt den Song No. 2 von Blur ins Industriegebiet. Gewöhnlich spielt die Firmenband an Betriebsfesten querbeet. Gestern war aggressiver Hardrock angesagt. Die 100 Mitarbeiter der Studer haben drei Stunden lang ihre Arbeit niedergelegt, um gegen die Verlegung des Produktionsbereichs nach England und den Abbau von 35 Stellen zu protestieren.
Der Song ist noch nicht zu Ende gespielt, da erscheint die gesamte Belegschaft des Audioherstellers auf der Auslieferungsrampe. In der ersten Reihe schwenkt Heiri Zahn, 64, Leiter Logistik und seit 40 Jahren in der Firma, eine Unia-Fahne. Derweil halten seine Kollegen den gut 50 Sympathisanten, Freunden und Angehörigen ein Transparent mit der Aufschrift «Studer bleibt!» entgegen. «Von Krise verschont, mit Abbau belohnt» und «Hier wird ruiniert, was seit 60 Jahren funktioniert», lauteten weitere Parolen, die an der Fassade des Firmensitzes zu lesen sind.
Die Schwesterfirma sanieren
Heiri Zahn hat schon schwierige Zeiten erlebt. Der Entscheid, die Produktion von der Abteilung Forschung und Entwicklung zu trennen, komme nun aber dem definitive Ende des Industriebetriebs gleich. «In England ist weder eine Produktionsstätte noch das notwendige Wissen vorhanden», sagt er. Die Distanz zu den Entwicklern, die vorerst in Regensdorf bleiben, erschwere zudem die Zusammenarbeit bei der auf spezifische Kundenwünsche ausgerichteten Herstellung.
Die bisherige Struktur hat sich ausgezahlt. In den letzten fünf Jahren erzielte das Unternehmen Nettoprofite im zweistelligen Prozentbereich. Das Problem ist, dass Studer nicht eigenständig handeln kann. Die Firma bildet zusammen mit der englischen Mischpult-Herstellerin Soundcraft die britische Mixergroup, die wiederum dem US-Konzern Harman gehört.
Harman wie Soundcraft schreiben derzeit Verluste. Die Belegschaft mutmasst, dass nicht das tiefere Lohnniveau in England der wahre Grund für die Zersplitterung ist, sondern ein Schachzug des Managements. Dieses wolle mit dem Eigenkapital der Studer die defizitäre Soundcraft sanieren. Gleichzeitig profitiere die Schwesterfirma vom Knowhow aus der Schweiz.
Firmenleitung schweigt
Die Firmenleitung in Regensdorf nimmt dazu keine Stellung. Verhandeln will die Belegschaft aber ohnehin mit den Entscheidungsträgern der amerikanischen Harman. Mit einer gestern verabschiedeten Resolution soll deren Führung die Hintergründe und die Forderungen des Studer-Personals erfahren. Es eilt. Denn schon transportieren Lastwagen Material nach England, und der Mietvertrag des Firmengebäudes ist gekündigt.
Heiri Zahn hat mittlerweile bei seinen Kollegen auf einer Festbank Platz genommen. Die Chancen, den Stellenabbau rückgängig zu machen, stuft er zwar auf Grund der Grösse des Konzerns als klein ein. «Aber die Hoffnung will ich noch nicht aufgeben.»
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Erstellt: 23.09.2009, 04:00 Uhr
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1 Kommentar
Ich zeige volles Verständnis für die Mitarbeiter, finde Streick zur Zeit gewagt und wenig förderlich.Denn wenn ausländische Konzerne entscheiden, ist der kleine CH Betrieb bald weg vom Tisch, wem nützt dies??, sicher nicht den Mitarbeitern in Regensdorf. Streick ist der letzte Versuch vor dem Aus und Herr Rechsteiner zahlt die Zeche ebensowenig, aber kassiert auch ohne Regensdorf. Antworten



