Studie belegt: Fluglärm macht krank
Von Manuela Moser. Aktualisiert am 21.12.2009 10 Kommentare
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Der aktuelle Artikel im Nachrichtenmagazin «Spiegel» macht Furore: Erstmals hat ein deutscher Forscher Krankenkassendaten von über einer Million Flughafenanwohnern rund um den Flughafen Köln/Bonn ausgewertet und alarmierende Ergebnisse zutage gefördert. So steigt beispielsweise bereits bei einer geringen Fluglärmbelastung von 40 Dezibel Dauerschallpegel das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen signifikant an. Für Frauen, die tagsüber Fluglärmpegeln von 60 Dezibel ausgesetzt sind, steigt die Gefahr eines Schlaganfalls um 172 Prozent. Zum Vergleich: Um den Flughafen Zürich sind die Anwohner tagsüber einem Fluglärm zwischen 53 und 70 Dezibel ausgesetzt; in der letzten Nachtstunde bis Mitternacht sind es bis 65 Dezibel.
Schweiz braucht eigene Studie
Für Priska Seiler Graf, Klotener Kantonsrätin und Präsidentin des Dachverbands Fluglärmschutz, sind die Ergebnisse erschreckend – und Wasser auf die Mühle für ihre stete Forderung nach einer Nachtruhe von mindestens sieben Stunden für die Flughafenanrainer. «Die Studie belegt schwarz auf weiss, dass Anwohner besonders in der Nacht empfindlich reagieren.» Sie wohnt selbst in der Anflugschneise und hört jeden letzten Flieger am Abend und jeden ersten am Morgen. Bei sich persönlich stellt sie keine Herzprobleme fest. Es besorgt sie aber, dass laut der Studie mehr Frauen vom Fluglärm belastet sein sollen als Männer. Dies, weil sie sich länger im Wohngebiet aufhalten als die meist berufstätigen Männer.
Die Politikerin will jetzt handeln: «Die Zürcher Regierung soll eine ähnliche Studie anlegen.» Schliesslich zeichnet auch in Deutschland das Umweltbundesamt für die Studie verantwortlich. Mitte Januar, wenn sich der Dachverband das nächstes Mal trifft, soll das Vorgehen festgelegt werden.
Thomas Hardegger, Kantonsrat und Rümlanger Gemeindepräsident, hat ebenfalls bereits von der Studie aus Deutschland erfahren. «Die Erkenntnisse, dass Fluglärm krank macht, sind aber nicht neu», sagt er. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt habe er sich deshalb beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft erkundigt, ob es nicht möglich wäre, Gesundheitsregister von Flughafenanwohnern zu führen, um die Auswirkungen des Fluglärm auf deren Gesundheit aufzuzeigen. «Es hiess damals, die Fallzahlen seien zu klein für eine Aussage, und der Datenschutz sei gefährdet.» Eine Studie, wie sie nun in Deutschland vorliegt, fände er nur dann zweckmässig, wenn sie von der Regierung ernst genommen würde. «Sie darf nicht nur dazu dienen, Anwohner aufzuschrecken.» Vielmehr müsste sie darauf abzielen, den Schienenverkehr weiter zu fördern und in leisere Flieger zu investieren.
«Studien, Studien, Studien», sagt Peter Staub, Präsident des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen und Gemeindepräsident von Dällikon, als er von der neuen Studie vernimmt. Für ihn wäre eine ähnliche Studie für die Schweiz «ein weiteres Argumentarium im Kampf gegen den Fluglärm». Doch das Problem müsse weiterhin auf politischem Wege gelöst werden.
Ärzte geben sich kritisch
Unterländer Herzspezialisten stellen bei ihren Patienten nicht fest, dass der Fluglärm ein besonderes Thema wäre. «Die bekanntesten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt sind immer noch Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Nikotinkonsum, aber auch Stress spielt eine Rolle», sagt beispielsweise Kardiologin Barbara Julius aus Bülach. Für sie ist klar, dass Stress durch vieles verursacht sein kann – also auch durch Fluglärm. «Nur sind die Empfindlichkeiten meist sehr individuell.»
Kardiologe Jörg Muntwyler aus Kloten will die Studie erst beurteilen, wenn sie veröffentlich ist und man sie lesen kann. Für ihn stellt sich aber die Frage, ob es sein könnte, dass «im Lärm eher tiefe sozioökonomische Schichten wohnen, die mehr rauchen, weniger Sport treiben und ungesünder essen». Dies könnte dann seiner Meinung nach dazu führen, dass man den Lärm als Ursache für das erhöhte Risiko vorschiebt. Immerhin: Auch er räumt ein, dass Fluglärm bekannterweise den Blutdruck erhöht. «Und das wiederum ist ein Risikofaktor für Herzinfarkte.»
Beim Bundesamt für Gesundheit heisst es auf Anfrage, man sei nicht für Lärmstudien zuständig. Der Flughafen Zürich will «die erwähnte Studie erst im Detail kennen, bevor darüber Auskunft gegeben wird». Mediensprecherin Jasmin Bodmer verweist aber auf die ganz andere Ausgangslage gegenüber dem Köln-Bonner Flughafen. «Zürich kennt eine der strengsten Nachtregelungen Europas.»
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.12.2009, 04:00 Uhr
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10 Kommentare
Ich wohne seit 3 Jahren in Bassersdorf, täglich fliegen riesige Maschinen über meinem Haus hinweg. Beschweren kan ich mich nicht den sie stören auch nicht! Sobald Fenster und Türen zu sind höhrt man absolut nichts gar nichts Und sind Türen und Fenster offen höhre ich auch nichts, der Strassenverkehr ist 100mal lauter als jedes Flugzeug! Freue mich auf schon auf den A380 ^^. Antworten
Für jedes Problem lässt sich eine Studie verfassen. Die Südschneisler sollen endlich mal aufhören zu jammern. Klar, sie haben das Geld dafür um laut aufzuheulen. Natürlich wird es etwas lauter wenn ein Jet landet. Man muss aber objektiv sein. Der grösste Lärm entsteht beim Start. Da ist der Landeanflug vergleichsweise sehr leise. Merkt das eigentlich niemand? Antworten
Es gibt Menschen, die wohnen direkt neben ohrenbetäubend laut quietschenden Tramgleisen, und dies von 0530-2400 Uhr. Niemand scheint dies zu stören, weder von der Bevölkerung noch von der Politik. Das sei ja "normaler" Lärm...es muss wohl noch einige Jahre dauern, bis es endlich auch die Ewiggestrigen begreifen und auch Fluglärm "normaler" Lärm wird. Ohne Studien, gelbe Kappen und riesen Theater. Antworten
Alle Fluglärmgegner, aber wirklich alle, wo auch immer sie wohnen [auch in den umliegenden Kantonen und in Süddeutschland] , können erst dann ernst genommen werden, wenn sie (die Fluglärmgegner) auf das Fliegen zu 100% verzichten. Das würde den Flugverkehr am Flughafen Zürich drastisch reduzieren. Und somit auch den Fluglärm. Antworten
Lärm gibt es überall. An einigen Orten ist es schwierig den Lärm abzustellen. Ich bin jedoch überzeugt, dass man beim Fluglärm sparen kann. Ich bin ein regelmässiger Geschäftsreisender. Jedoch ist mir nicht klar, warum es 6 Flüge am Tag nach London oder andere europäische Destinationen geben muss. Grössere und weniger Flieger wäre eine Lösung. Antworten



Thaller Marlis
Wieso wird immer nur über die Anflüge geredet - die Abflüge sind ja viiiel lauter! Antworten