Zürich

Umzugsstress für edle Tropfen

Von Caroline Bossert. Aktualisiert am 14.05.2011

Baur au Lac zieht mit 700'000 Flaschen erlesenem Wein von Urdorf nach Regensdorf. Dort ist die Lagerkapazität doppelt so gross.

Im Ladenlokal des neuen Standorts sind noch die Handwerker beschäftigt. Das Hochregallager ist dagegen bereits mit Weinflaschen gefüllt.

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Bild: Johanna Bossart

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Fast 60'000 Flaschen Wein trudeln derzeit täglich an der Althardstrasse in Regensdorf ein, am neuen Hauptsitz der Firma Baur au Lac Wein, die zu den renommiertesten Weinhändlern der Schweiz zählt. Direktor Stephan Radloff hofft, dass die edlen Tropfen durch die Reise nicht allzu sehr gestresst worden sind. «Es heisst zwar, man solle einen Wein bis zum Öffnen möglichst in Ruhe lagern lassen», räumt er ein. «Doch wie soll man das Schütteln im Lastwagen verhindern? Wir hätten die Flaschen ja schlecht im Wasserbad transportieren können.» Ob etwas Bewegung einem Wein tatsächlich schade, sei auch gar nicht erwiesen. Schlimmer wären Temperaturschwankungen. «Wir hatten Glück, dass der Weg vom alten Hauptsitz in Urdorf so kurz ist. Sonst hätten wir Kühlwagen einsetzen müssen», sagt Radloff.

Dass die Tropfen auch im neuen Lager im Saft bleiben, dafür sorgen 50 Zentimeter dicke Betonwände. «Dieses Lager ist eine einmalige Konstruktion, zumindest in der Schweiz», sagt Radloff stolz. «Wir imitieren mit modernem Baumaterial einen alten Weinkeller.» Die Wände halten die Temperatur konstant zwischen 16 und 18 Grad. Auch die Luftfeuchtigkeit wird nicht dem Zufall überlassen. 60 Prozent Sättigung seien optimal. Und das Licht ist natürlich UV-Strahlen-frei.

Wein auf 14 Meter Höhe

Emsig versorgen die Mitarbeiter die vielen Flaschen in den Regalen. Cuu Duong setzt dazu in regelmässigen Abständen seinen Gabelstapler ein. Das Lager misst in der Vertikalen 14 Meter. 2600 Paletten oder 1,5 Millionen Flaschen haben hier Platz –fast doppelt so viele wie am alten Standort. 4000 verschiedene Weinprodukte reihen sich aneinander, übereinander, hintereinander. Noch klaffen hie und da Lücken. «Die haben wir bewusst gelassen. Wir brauchen ja noch etwas Platz zum Wachsen», erklärt der Baur-au-Lac-Direktor. Das neue Gebäude solle schliesslich für die nächsten 30 Jahre ausreichen. 20 Millionen Franken hat die Weinhandlung in den Neubau investiert. Rund 20 Mitarbeiter werden nun in Regensdorf beschäftigt sein.

«Mir kommt es nicht so auf den Preis an»

Arturo Quiroz bringt die edelsten Tropfen in das Raritätenlager. Dafür, dass er gerade Tausende von Franken in flüssiger Form, aufbewahrt in zerbrechlichen Gefässen, vor sich herschiebt, wirkt Quiroz erstaunlich gelassen. Locker hievt er den Château Lafite-Rothschild, einen französischen Bordeaux des Jahrgangs 2007, in das Regal – die Flasche kostet 1300 Franken. «Mir kommt es nicht so auf den Preis an», kommentiert der Argentinier, der normalerweise als Verkäufer im Zürcher Weinshop der Baur au Lac arbeitet. «Ich sehe vielmehr die viele Arbeit, die in jedem Wein steckt. Die Mühe der Weinbauern und der Traubenleser, die Arbeit der Önologen, die mit ihrem Wissen den Wein einzigartig machen – auch solche, die weniger teuer sind.»

Und von denen gibt es im Lager der Baur au Lac Wein genug. Eine Flasche erhält man bereits ab 10 Franken. «Im Durchschnitt geben die Kunden bei uns 22 Franken pro Flasche aus», sagt Radloff. Doch die Nachfrage nach den erlesensten Tropfen wachse. Vor allem in Asien boome zurzeit der Markt für Wein-Raritäten. Zu ihnen zählt etwa der Château d’Yquem aus dem Jahre 1890, mit knapp 20'000 Franken die teuerste Flasche im Regensdorfer Weinlager. Dass der süsse Weisswein aus Bordeaux je durch einen Gaumen perlen wird, ist aber eher unwahrscheinlich. «Solche Käufe tätigt man eher aus Investitionsgründen, weil sein Wert steigt», erklärt Radloff. Das schmerze ihn als Weinliebhaber zuweilen. «Hier wird der Wein zur Aktie, vergleichbar mit schönen Kunstwerken, die ungesehen in einem Privatkeller altern.» Bald werden also reiche Kunden aus Fernost zur Althardstrasse pilgern. Einen teuren Bordeaux kauft man nicht übers Internet. Füllniveau, Etiketten- und Kapselzustand müssen vor Ort begutachtet werden, sonst drohen Fehlinvestitionen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.05.2011, 23:34 Uhr

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