Weihnachtsessen: Wie Gemeinden mit den Steuergeldern umgehen
Von Markus Rohr. Aktualisiert am 12.11.2009 1 Kommentar
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Nicht einmal ganz zwei Zeilen beansprucht der Tatbestand im jüngsten Mitteilungsblatt der Gemeinde Weiach: «Der Gemeinderat bewilligt einen Kredit von 6400 Franken für die Durchführung des diesjährigen Ausflugs des Gemeinderates und des festangestellten Gemeindepersonals.» Nachgerechnet ist dann schnell. Die Gemeinde zählt fünf Exekutivmitglieder und gemäss Website acht Angestellte. Ergibt pro Person den stolzen Ausflugsbeitrag von 492 Franken.
«Stimmt nicht», sagt Gemeindepräsident Gregor Trachsel. «Wir nehmen auch die Mitleidenden mit», sprich die Partner. Es hätten insgesamt 20 Personen am Ausflug teilgenommen, der stattgefunden hat, bevor der Kredit bewilligt worden ist. Macht immer noch 320 Franken pro Person. Kein Wunder: Der Ausflug war zweitägig, also mit Übernachtung. Freitag, Samstag. Wohin die Reise ging, will Trachsel partout nicht sagen. Man schaue sich eine Gegend an und besuche immer auch eine Institution und lerne somit etwas. Das mache man in Weiach schon seit Jahren so, und es habe noch nie Kritik gegeben. «Das wird verstanden und akzeptiert», sagt der Präsident einer Gemeinde, die zwar klein, aber finanzkräftig ist. Übrigens: Am Weihnachtsessen in Weiach sind dann 40 Personen dabei. Über die Kosten dieses Essens will Trachsel keine Auskunft geben.
Neerach ist nicht reich
Und wie ist das in andern Gemeinden? In der steuergünstigsten Unterländer Gemeinde Neerach bezahlt der Gemeinderat seinen Ausflug selbst, sagt Cornelia Weiss, stellvertretende Gemeindeschreiberin. Er und das Personal gehen separat auf den Ausflug. Für die Gemeindeangestellten ist ein Betrag von knapp 200 Franken budgetiert. Der Ausflug ist eintägig, die Partner werden zu Hause gelassen. Das Weihnachtsessen nimmt die Behörde dann gemeinsam mit den Angestellten ein. Reserviert sind 120 Franken pro Person. «Alle denken, wir seien reich und könnten ausgeben was wir wollten, dabei haben wir nur einen tiefen Steuerfuss», sagt Cornelia Weiss.
Auch in Dällikon heisst es jedes Jahr einmal «Verwaltung wegen Ausflug geschlossen». Budgetiert sind für die eintägige Reise der Verwaltungsangestellten ohne Partner 140 Franken pro Person, wie Gemeindeschreiber Ruedi Bräm sagt. Man schaue sich jedes Jahr etwas an, was mit Gemeindearbeit zu tun habe. Man sei sich bewusst, dass es hier um Steuergelder gehe. Das Weihnachtsessen werde jeweils von einem Mitglied des Gemeinderates organisiert, sei nicht teuer und müsse deshalb auch nicht extra budgetiert werden.
In Rorbas gibts nur Raclette
«Sehr bescheiden» ist das Weihnachtsessen in Rorbas, wie Gemeindeschreiberin Barbara Roulet sagt. «Wir kaufen Käse und Kartoffeln und dann machen wir im Werkhof selbst ein Raclette.» Das koste für 30 Personen nicht einmal 1000 Franken. Dieser Tross von 30 Personen – Gemeinderat, Personal samt Partnerinnen und Partnern – macht auch alle zwei Jahre einen eintägigen Ausflug. Budgetiert sind 3000 Franken oder 100 Franken pro Person.
In Bassersdorf heisst das Weihnachtsessen Personalessen. Das Personal lädt den Gemeinderat ein, sagt Martin Süss, Stellvertreter des Verwaltungsdirektors. Gemeinsam geht man auch jährlich einmal ohne Begleitung auf einen Ausflug. Für beide Anlässe gibt es einen Kostenrahmen zwischen 70 und 100 Franken pro Person, je nachdem, wie viele Personen dabei sind. In der Regel sind es rund 100.
Der Kanton schreibt nichts vor
Nach Angaben von Heinz Montanari, Leiter Gemeindefinanzen beim kantonalen Gemeindeamt, gibt es keine Vorgaben des Kantons in Sachen Ausflüge und Weihnachtsessen. Auch nicht für jene Gemeinden, die über den Finanzausgleich Geld erhalten. Die Kontrolle sei primär Aufgabe der Rechnungsprüfungskommissionen der Gemeinden. Sollte eine besonders hohe Position bei der Prüfung der Gemeinderechnungen durch den Kanton auffallen, würde man aber darauf hinweisen, sagt Montanari.
Unter Personalfachleuten ist es unbestritten: Solche Gemeinschaftsanlässe machen Sinn. Sie können ein Team kitten, gerade auch in Gemeinden, wo sich nicht alle jeden Tag sehen. Die Diskussionen über die Frage, was es kosten darf, gibt es auch in der Privatwirtschaft. Zum Vergleich: Beim «Tages-Anzeiger» stehen für das jährliche Abteilungsessen 80 Franken pro Mitarbeiter zur Verfügung. Einen Ausflug gibt es für die Angestellten nicht. Möglich, dass es auch Unternehmen gibt, die mehr ausgeben als Weiach.
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Erstellt: 12.11.2009, 04:00 Uhr
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1 Kommentar
Die Weycher sind heute keine armen Schlucker mehr und das schuert offenbar den Neid. Dass die Tagi-Mitarbeiter nur 80 Franken fuer ein Firmenessen zur Verfuegung haben, dafuer koennen die Weycher nichts. Als ehemaliger Einwohner von Weiach mute ich den Behoerden durchaus eine verantwortungsvolle Budgetierung zu. Also, lieber Tagi, lass, die Weycher in Ruhe und goenne ihnen ihren Betriebsausflug! Antworten


































