Zürich

Zürcher Unterland: Ein Hort für Hanfplantagen

Von Sandra Zrinski. Aktualisiert am 09.03.2009 13 Kommentare

Fast alle zwei Monate deckt die Polizei im Zürcher Unterland eine Hanfplantage auf. Es dürfte aber noch weit mehr geben, denn der technische Fortschritt macht die Suche immer schwieriger.

In einer Hanfplantage in Wallisellen wurden 600 Pflanzen gezählt.

In einer Hanfplantage in Wallisellen wurden 600 Pflanzen gezählt.
Bild: Kantonspolizei Zürich

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In Rümlang hat die Polizei diese Woche im Keller einer Liegenschaft eine Hanfplantage mit 350 Pflanzen ausgehoben. Die Betreiberin, eine 55-jährige Schweizerin, ist festgenommen worden. Ebenso erging es Mitte Februar einem 37-Jährigen, dessen Hanfanlage sich in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Hochfelden befand. Die Ausbeute dort: 550 Pflanzen und 2,5 Kilogramm konsumfertiges Marihuana. Im vergangenen Jahr wurden im Unterland in Glattbrugg, Wallisellen, Rafz und Rümlang weitere Indoor-Hanfplantagen von der Kantonspolizei aufgedeckt. Im Januar 2008 erging ausserdem die Meldung, dass die Polizei zwölf Marihuana-Händler festgenommen hat, die vorwiegend in den Gemeinden Weiach, Stadel, Neerach und Niederglatt sieben Hanfplantagen betrieben hatten.

Zahl der Hanfplantagen nicht erfasst

Trotz der vielen entdeckten Anlagen ist das Unterland aber nicht das Anbaumekka der Hanfbauern. «In den Jahren 2007 und 2008 wurden auch in anderen Regionen des Kantons vergleichsweise gleich viele Anlagen aufgedeckt», sagt Silvia Mülli, Mediensprecherin der Kantonspolizei Zürich. Ob die Anzahl der Plantagen generell steigt, könne sie nicht sagen, denn «Hanfanlagen werden statistisch nicht separat erfasst». Vielmehr würden die im Kanton sichergestellten Mengen – auch jene der Zollorgane – gesamthaft erfasst. 2007 waren es 769 Kilogramm Hanf und Marihuana, 2008 1650 Kilogramm.

Trotz beachtlicher Anzahl ausgehobener Plantagen geht die Kantonspolizei von einer grossen Dunkelziffer aus. «Weil auch hier technische Fortschritte gemacht werden und beispielsweise die Belüftungen besser geworden sind, wird die Entdeckung schwieriger», erklärt Silvia Mülli.

So war es tatsächlich der süsse Hanfpflanzenduft, welcher der Polizei in Oberglatt in die Nase stieg und so zur Festnahme einer vierköpfigen «Hanfbauern»-Gruppe führte. Sie hatten in einem Gewerbehaus über 30 Kilogramm Marihuana geerntet. Vergangenes Jahr wurden sie vom Bezirksgericht Dielsdorf zu bedingten Freiheitsstrafen zwischen 12 und 16 Monaten und Bussen bis zu 12'000 Franken verurteilt.

Ein weiterer Fall in Zusammenhang mit Marihuana wird diesen Monat vor dem Bezirksgericht Dielsdorf verhandelt. So soll der Angeklagte in Dällikon 16 Kilogramm Marihuana zu einem Preis von 160'000 Franken auf einem Hof übernommen und weiterverkauft haben.

Kein «Hanfbauer»-Profil

Ein Profil vom klassischen «Hanfbauern» lässt sich nicht erstellen. «Die festgenommenen Personen sind verschiedenen Alters und haben unterschiedliche Ausbildungen und Berufe», sagt Silvia Mülli. Wie unterschiedlich Hanfbauern sind, zeigt auch der Fall aus Oberglatt. Beteiligt waren ein 31-jähriger ehemaliger Spitzensportler, ein 41-jähriger Möbelschreiner, der Frau und Kind hat, eine 52-jährige Sprengmeisterin, die heute als EDV-Spezialistin tätig ist, und ein 31-jähriger Lebenskünstler. So gesehen passt die 55-Jährige aus Rümlang, welche diese Woche festgenommen worden ist, gut ins Bild.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom Unterland gibt es täglich im Regionalbund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an unterland@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2009, 19:42 Uhr

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13 Kommentare

Andreas Schmid

09.03.2009, 10:51 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Diese Verfolgungen wirken ineffizient und unglaublich lächerlich, ähnlich grotesk wie bei der längst der Vergangenheit angehörenden Prohibition des Alkohols in den 30er Jahren der USA. Wann sehen Parteien und Gesetzgeber endlich ein, dass hierzulande offenbar Hundertausende kiffen, sodass dieser unsinnige Krieg definitiv verloren ist? Cannabis ist wie Nikotin und Alkohol zu behandeln. Antworten


Dorian Stürchler

09.03.2009, 11:06 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Das Ganze ist nach wie vor eine an der Realität vorbeischreitende Hexenjagd. Toll ist jedoch, dass die Polizei neben Messerstechereien, Schiessereien (am hellichten Tage) und Entführungen auch mal Erfolgsmeldungen kommunizieren darf. Bei solch sensationellen Funden geht doch gerne mal vergessen, wie kompetent unsere Staats- und Kantonsmacht ansonsten agiert. PR ist immer das A und O. Antworten



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