Zuzüger lassen Zürichs Norden boomen
Von Reto Westermann. Aktualisiert am 26.02.2010 2 Kommentare
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Wer schon mit dem Flugzeug auf der Piste 28 in Kloten gestartet ist, kennt Gemeinden wie Steinmaur, Buchs, Regensberg oder Boppelsen zumindest aus der Vogelperspektive. Obwohl die Flugzeuge dort gut hör- und sichtbar ihren Weg in die Ferne suchen, scheint der Fluglärm Neuzuzüger nicht abzuhalten. Das zeigen Erhebungen im Rahmen des Regionenratings für die Region Zürich-Nord, basierend auf Analysen der Zürcher Kantonalbank (siehe Grafik). Boppelsen und Buchs, aber auch Dielsdorf oder gar Stadel, das direkt in der Anflugschneise liegt, verzeichnen mitunter die höchsten Zuwanderungsraten im regionalen Vergleich. «In Gesprächen mit Kaufinteressenten ist Fluglärm selten ein grosses Thema», sagt Christian Aerne, Inhaber von OPM Immobilien und Marketing in Riedt bei Neerach, «aber bewusst ist den Leuten die Situation schon.»
Topgemeinde der Region ist Boppelsen. Das Dorf mit knapp 1300 Einwohnern ist in den letzten Jahren stark gewachsen: Die relativ ruhige Lage am Lägernhang, verbunden mit einer halbstündlichen Busanbindung an die S-Bahn, hat vor allem junge Familien angelockt. «Wie sich künftig die Zahl der Neuzuzüger entwickelt, hängt von der Bautätigkeit ab», sagt Gemeindeschreiber Frank Blindenbacher. Zurzeit stagniere diese. Entsprechend trocken ist der Markt, gerade mal zwei Häuser sind derzeit in Boppelsen im Angebot. Der Preistrend nach oben dürfte sich in der Gemeinde also fortsetzen. Schon jetzt ist ein Eigenheim in Boppelsen nicht ganz günstig: Knapp 1,1 Millionen Franken kostet das Musterhaus des Ratings. Zum Vergleich: In Wasterkingen wäre das gleiche Objekt 160'000 Franken günstiger.
Vorinvestitionen lohnen sich
Wasterkingen ist eine der wenigen Gemeinden im Rating mit einem negativen Wanderungssaldo. Allein zwischen 2007 und 2008 hat die Gemeinde 4,8 Prozent ihrer Einwohner eingebüsst. Ein Grund dafür dürfte die etwas periphere Lage sein. Trotzdem ist Wasterkingen für Immobilienmakler Schmidli kein uninteressanter Ort: «Wer gerne auf dem Land und doch nicht total abseits wohnt, ist dort richtig.»
Nur gerade vier Kilometer entfernt liegt Eglisau, eine der beiden Boomgemeinden der Region. «Eglisau ist bei Eigenheimkäufern extrem gefragt», sagt Hans-Rudolf Schmidli. So hat er von den 17 Einfamilienhäusern der Siedlung Solaris im Gebiet Roggenfar innerhalb eines Jahres bis auf eines alle verkauft. Und auch andere Projekte laufen sehr gut, was ganz im Sinne der Gemeinde ist. «Die Vorinvestitionen in die Infrastruktur und Erschliessung machen sich nun bezahlt», sagt Gemeindepräsident Peter Keller.
Brennpunkte des Wachstums sind neben dem Gebiet Roggenfar das Quartier beim Bahnhof und die Ebene nordwestlich des alten Ortskernes. Die dort neu gebauten Siedlungen profitieren von ihrer Nähe zum Bahnhof der Nachbargemeinde Hüntwangen. Die Flugzeugpassagiere, die in Kloten landen und starten, bekommen von diesem Boom wenig zu sehen: Die meisten Start- und Landerouten lassen Eglisau links liegen. Einzig in den Abendstunden dreht ein Teil der startenden Flugzeuge in Sichtweite von Eglisau ab. Für Gemeindepräsident Keller ist deshalb klar: «Fluglärm ist bei uns kein grosses Problem.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.02.2010, 15:50 Uhr


































