Carlos hat wieder zugeschlagen

Der junge Straftäter hat im Gefängnis einen Aufseher spitalreif geprügelt.

Carlos am Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich im März. (Zeichnung: Robert Honegger)

Carlos am Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich im März. (Zeichnung: Robert Honegger)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der unter dem Pseudonym Carlos landesweit bekannt gewordene Straftäter sitzt in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies eine 18-monatige Freiheitsstrafe ab. Der 21-jährige Schweizer war im März vom Bezirksgericht Zürich wegen versuchter schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen worden.

Nun hat Carlos erneut zugeschlagen. Laut einer zuverlässigen Quelle hat Carlos gestern Mittwochmittag einen Aufseher spitalreif geschlagen. Zu den Gründen und Umständen ist nichts Weiteres bekannt. Die Kantonspolizei Zürich bestätigte einen Einsatz in der Pöschwies, ohne Details zu nennen. Der Vorfall ist offenbar kein Einzelfall. Schon vor rund einem Monat hatte Carlos in der Pöschwies einen pädophilen Häftling geschlagen. Rebecca de Silva, Sprecherin des Amtes für Justizvollzugs, will die Vorfälle nicht kommentieren. Die Kantonspolizei Zürich bestätigt aber einen Einsatz in der Strafvollzugsanstalt.

Nach Moschee-Spruch zugeschlagen

Am letzten Prozess im März war es um einen Streit im Tram in Zürich-Altstetten gegangen. Carlos hatte einem flüchtigen Bekannten einen Kinnhaken verpasst und den Kiefer gebrochen. Grund für den Streit: Carlos hatte dem Bekannten gesagt, er solle nicht «herumgangstern», sondern in die Moschee gehen, worauf dieser geantwortet hatte, das müsse jeder für sich entscheiden.

In der Verhandlung hatte der Staatsanwalt aus dem psychiatrischen Gutachten zitiert. Laut dem Psychiater hat Carlos eine schwere dissoziale Persönlichkeitsstörung. Er nehme die Umwelt diffus feindselig, missgünstig und einschränkend wahr. Gegen diese müsse er sich wehren. Carlos sehe seine Defizite nicht ein und wolle sich nicht helfen lassen.

Administrativuntersuchung hängig

Fazit: Carlos sei weder therapiewillig noch therapiefähig. Eine Massnahme für junge Erwachsene, bei der Carlos endlich schreiben und lesen lerne und eine Lehre machen kann, kam für das Gericht deshalb nicht in Betracht. Am Prozess kam auch das Thema Verwahrung zur Sprache. Sowohl der Staatsanwalt als auch der Richter hatten deutlich gemacht, dass bei einer ähnlichen zukünftigen Tat eine Verwahrung ernsthaft geprüft würde.

Noch hängig ist die Administrativuntersuchung der Justizdirektion über Carlos' angeblich unmenschliche Behandlung im Gefängnis in Pfäffikon, in dem er während der Untersuchungshaft untergebracht war. Der Verteidiger hatte am Prozess im März die damaligen Haftbedingungen stark kritisiert. Grund für die Behandlung waren Streitereien mit Insassen und Personal. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.06.2017, 11:00 Uhr

Artikel zum Thema

Carlos beklagt sich vor Gericht: «Die Haft ist wie Folter»

Der 21-jährige Serien-Straftäter soll im Streit einen Bekannten spitalreif geprügelt haben. Auch in Untersuchungshaft ist er erneut auffällig geworden. Mehr...

Gericht straft und ermahnt Carlos

Einer der bekanntesten Straftäter der Schweiz, der 21-jährige Carlos, muss für 18 Monate ins Gefängnis. Er hat einem etwas jüngeren Bekannten einen heftigen Kinnhaken verpasst. Mehr...

«Carlos» zu 18 Monaten Haft verurteilt

Video Der als «Carlos» bekannt gewordene Zürcher Jugendstraftäter muss erneut ins Gefängnis. Die Strafe fällt geringer aus, als es der Ankläger gefordert hat. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Blogs

Mamablog Best of: Warum heissen alle Kinder gleich?

Blog Mag Made in America

Die Welt in Bildern

Aaaaaaachterbahn: Mitten im Schienen-Wirrwarr des spanischen Freizeitparks Port Aventura stürzt ein Wagen des Fahrgeschäfts Dragon Khan in die Tiefe. (Juli 2017)
(Bild: Albert Gea) Mehr...