Keine Milde für «Hanfpapst-Mörder»

Totgeprügelt, gefilmt: Das Obergericht hat das Urteil gegen den Iraner, der den Winterthurer «Hanfpapst» Robert Frommherz getötet hat, bestätigt. Es verurteilte ihn zu 13 Jahren.

Der Haupttäter (rechts) und sein Komplize (links) mit ihren Verteidigerinnen im November 2015 vor dem Bezirksgericht Winterthur. Zeichnung: Julia Kuster

Der Haupttäter (rechts) und sein Komplize (links) mit ihren Verteidigerinnen im November 2015 vor dem Bezirksgericht Winterthur. Zeichnung: Julia Kuster

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Elf Jahre hatte der Staatsanwalt gefordert, vier Jahre die Verteidigerin. Erhalten hatte der heute 24-jährige Iraner im November 2015 vom Bezirksgericht Winterthur wegen vorsätzlicher Tötung und anderer Delikte eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren. Der Haupttäter gelangte deshalb ans Obergericht, welches heute über den Fall entscheidet.

Der Iraner hatte zusammen mit drei weiteren Kiffern am 6. Mai 2014 den als «Hanfpapst »bekannt gewordenen Robert Frommherz ausgeraubt – die Beute: 40 Gramm Haschisch. Während zwei zur Tatzeit minderjährige Komplizen sich vor dem Jugendgericht verantworten mussten, hatte der dritte Mittäter wegen Nötigung und unterlassener Nothilfe eine bedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten erhalten. Diese Strafe ist rechtskräftig.

Mit Handy gefilmt

Laut Anklageschrift hatte der Haupttäter dem «Hanfpapst» Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, während die Kollegen das Gras stahlen und flohen. Doch statt ebenfalls die Wohnung zu verlassen, zog der junge Mann eine «eigentliche Gewaltorgie» ab, wie es der Staatsanwalt damals formulierte. Der Iraner schlug Frommherz mit der Faust dreimal heftig ins Gesicht, wodurch das 53-jährige Opfer mit dem Hinterkopf unkontrolliert und ungebremst auf den harten Holzboden prallte. Es starb an den Folgen des Schädelbruchs und der sich ausweitenden Hirnblutung Stunden später. Nicht genug: Nach der Tat filmte der Iraner den am Boden liegenden und röchelnden Schwerverletzten.

Für die Vorinstanz war die Tötung «nahe bei Mord». Deshalb hatte das Gericht die vom Staatsanwalt beantragte Strafe um zwei auf dreizehn Jahre erhöht. Die Freiheitsstrafe wurde aber zugunsten einer stationären Massnahme, der sogenannten kleinen Verwahrung, aufgeschoben. Denn der Beschuldigte leidet laut psychiatrischem Gutachten an einer schweren dissozialen Persönlichkeitsstörung.

Iraner bestreitet Tötungsabsichten

Am heutigen Berufungsprozess vor Obergericht sagte der Iraner, er habe sich in einer «Schockstarre» befunden, als Frommherz mit einer Schere in der Hand auf ihn zugekommen sei, um sich zu wehren. Er sei in Panik geraten und habe Angst um sein Leben gehabt. Deshalb habe er zugeschlagen. Er habe den Mann nicht töten wollen.

Auf die Frage des Oberrichters, warum er nicht einfach geflohen sei, nachdem sie das Cannabis gestohlen hätten, konnte er keine Antwort geben. Warum er den Schwerverletzten mit den Handy gefilmt habe, wollte der Richter weiter wissen. Um seinen Komplizen, die nicht mehr in der Wohnung waren, zu zeigen, was passiert sei, antwortete der Beschuldigte. Er habe aber nicht gewusst, dass Frommherz sich in Lebensgefahr befunden habe, beteuerte er.

«Opfer ist unglücklich gestürzt»

Für die Verteidigung war es ein tragischer Unfall gewesen. Der «Hanfpapst» sei gestorben, weil es unglücklich gestürzt sei. Ihr Mandant habe keine Tötungsabsichten gehabt, sagte die Anwältin. Der Beschuldigte gab zwar den Pfefferspray-Einsatz und die Faustschläge zu. Er bestritt aber, Frommherz gewürgt, ihm die Rippen gebrochen zu haben und absichtlich auf sein Gesicht getreten zu sein.

Laut seiner Anwältin hätten das theoretisch auch andere Kiffer sein können. Es habe dort wie in einem Bienenstock ein ständiges Kommen und Gehen geherrscht. Sie verlangte wegen schwerer Körperverletzung und fahrlässiger Tötung eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren – bei der Vorinstanz waren es noch vier Jahre gewesen.

Für den Staatsanwalt hat der Beschuldigte den Tod in Kauf genommen. Es habe sich um eine eventualvorsätzliche Tötung gehandelt. Er plädierte dafür, das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.

Höhere Strafe nicht möglich

Für das Obergericht war die Tat eine eventualvorsätzliche Tötung. Von einer Fahrlässigkeit könne keine Rede sein. «Es war kein Unfall», sagte der Vorsitzende. Man hätte auch von einer direkten vorsätzlichen Tötung sprechen können.

Die Richter verurteilten den 24-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren – wie schon das Bezirksgericht Winterthur. Die Strafe wird zugunsten einer geschlossenen stationäre Massnahme aufgeschoben (sogenannte kleine Verwahrung). Die Strafe wäre sogar noch höher ausgefallen. Weil aber der Staatsanwalt keine Anschlussberufung gemacht hatte, konnte das Obergericht nicht über das Mass der Vorinstanz hinausgehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.06.2017, 11:15 Uhr

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