Zürich

Angehende Manager reiten das Pub der Hochschule in die Pleite

Von Martin Gmür. Aktualisiert am 29.04.2009

Es sollte ein Vorzeigeprojekt der School of Management werden. Doch jetzt ist das Winterthurer Pub Break Even am Ende.

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Den Break Even, die Rentabilitätsschwelle, hat das gleichnamige Pub an der Technikumstrasse nie erreicht. Zwei Jahre nach der Gründung ist das Projekt der Fachhochschule gescheitert, gestern hat der Konkursrichter das Lokal geschlossen. Grund: Überschuldung und Illiquidität.

Das Ganze entsprang einer Bieridee: Ein Dozent war 2005 mit seinen Wirtschaftsstudenten auf Studienreise in England und zu Besuch in einer Brauerei. Dort begann es in den Köpfen zu gären: Gutes englisches Bier wollten sie importieren und in einem eigenen Pub selber ausschenken. Die Wirtschaftstheorie anhand der Praxis einer Wirtschaft eins zu eins umsetzen. Dieses Ziel gefiel auch der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), die das Projekt als Start-up mit einem Darlehen von 25'000 Franken unterstützte und Aktien für 60'000 Franken zeichnete. Total investierte man 300'000 Franken - und feierte im Januar 2007 Eröffnung.

Zwei Architekturstudenten hatten sich um den Innenausbau gekümmert, angehende Ökonomen um den Businessplan. Doch schon ein Jahr später hatten sich Schulden von 150'000 Franken angehäuft, und der ZHAW-Dozent Markus Prandini, der als Retter und Verwaltungsratspräsident eingesprungen war, musste einräumen, dass «zahlreiche betriebswirtschaftliche Grundregeln missachtet wurden».

Banken müssen Geld abschreiben

Gestern verschickte Prandini eine Mitteilung, die den Konkurs bekannt macht. Er bedaure, dass Aktionäre und Darlehensgeber nun Geld verlieren. Wie gross das Loch ist, kann er noch nicht genau sagen; den grössten Abschreiber müsse wohl die Bank machen. Um den Verlust der ZHAW zu decken, brauche man keine Steuergelder: «Das Geld kommt aus einem privat finanzierten Fonds für Projekte.»

Es sei nicht gelungen, genügend Studierende ins Pub zu bringen, begründet Prandini das Scheitern. Viele Management-Studierende hätten nach Schulschluss lieber näher liegende Bars besucht als das Break Even, das auf der anderen Altstadtseite beim Technikum liegt. Schwierig sei es schon im ersten Jahr geworden, als Feuer- und Gewerbepolizei eine Etage aus Sicherheitsgründen schlossen.

15 Wirtschaftsstudenten der School of Management sind noch bis Ende Mai im Wahlfach Break-Even-Pub eingeschrieben. Trotz des Konkurses müssten sie nicht per se eine ungenügende Note befürchten, sagt Studiengangleiter Prandini. Immerhin haben sie nun Gelegenheit, auch die rote Seite der Buchhaltung bis hin zum Konkurs zu studieren. Prandini ist sich bewusst, dass die School of Management and Law gewisse Spötteleien wird aushalten müssen. Und eine Lektion hätten sicher alle gelernt: «Das Gastgewerbe ist ein ganz schwieriges Business.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.04.2009, 09:28 Uhr

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