Bürger bespitzeln Schüler
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Am vergangen Dienstag griffen Zürcher Jugendliche in München wahllos Passanten an und prügelten dabei einen 46-Jährigen beinahe zu Tode. Durch den Konsum von Drogen und Alkohol sollen die Täter völlig enthemmt gewesen sein. Die Berufsbildungsschule Winterthur geht beim Kampf gegen Drogenkonsum und Gewalt in der Umgebung der Schule neue Wege. Diese sind zwar nicht unproblematisch, zeigen aber Wirkung.
Die Bewohner von zwei Liegenschaften neben der Berufsbildungsschule Winterthur (BBW) dürfen Jagd auf fehlbare Jugendliche machen. Wer in der Umgebung der Schule kifft, Abfall liegen lässt oder sich unflätig benimmt, läuft Gefahr, von einem Anwohner fotografiert zu werden. Das Bild landet dann auf dem Pult des Rektors, der die Jugendlichen bestraft, wie der «Landbote» in seiner heutigen Ausgabe schreibt.
Die Zusammenarbeit der Schule mit den Anwohnern entstand laut BBW-Rektor Erich Stutz auf Initiative der Anwohner, die mit selbst geschossenen Fotos an die Schule herantraten. Die BBW machte daraufhin die Schüler mit Plakaten darauf aufmerksam, dass «Lernende, die sich nicht an die Spielregeln halten, von Anwohnern fotografiert werden». Zehn Personen mussten seit der Einführung der Überwachung bei Stutz antraben. Die Fälle konnten allerdings mit einem Gespräch erledigt werden. Bussen oder gar Schulverweise mussten nicht ausgesprochen werden. Seit einem halben Jahr sind nun bei der Schule keine negativen Rückmeldungen von Anwohnern eingegangen. Stutz hofft daher, dass die Erziehungsmassnahme auch langfristig funktionieren wird.
Für Datenschützer unproblematisch
Die Fotos der Nachbarn werden nach Erledingung des Falls laut Stutz «vernichtet». Mit der Massnahme bewege sich die BBW in datenschutzrechtlichter Hinsicht wohl trotzdem in einem «Graubereich», schätzt Stutz. Doch Arthur Frauenfelder, Stadtschreiber und derzeit Leiter der Datenaufsichtsstelle, sieht im Vorgehen der Schule kein Problem. Denn die Schüler waren mit Plakaten ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass sie fotografiert werden können.
Die Stadtpolizei wusste bisher von der Zusammenarbeit der Schule mit den Anwohnern nichts. Für Polizeisprecherin Alexandra Pfister mache es aber Sinn, wenn die Schule versuche, ihre Probleme «auf diese Weise in den Griff» zu bekommen. Ein Einsatz der Polizei sollte immer der letzte Ausweg sein. (los)
Erstellt: 06.07.2009, 11:55 Uhr
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