«Dort ist man als Frau Freiwild»

Die Tätlichkeiten und Pöbeleien rund um den Bahnhof Winterthur sind an der Tagesordnung. Besonders Frauen fühlen sich bedroht. Jetzt muss die Stadtpolizei zum zweiten Mal ihre Patrouillen verstärken.

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Belästigungen, Pöbeleien und Schlägereien gehören offenbar zum Alltag eines Buspassagiers, wenn er in den Nachtstunden am Winterthurer Bahnhofplatz warten muss. Regelmässig werden die Fahrgäste Zeugen von üblen Szenen. Sogar tagsüber kommt es immer wieder zu Rangeleien.

Der jüngste Vorfall ereignete sich am vergangenen Sonntagmorgen um 10.30 Uhr. Zwischen Randständigen kam es zu einem verbalen Streit, der in eine Schlägerei ausartete. Wie die Winterthurer Stadtpolizei mitteilt, waren mehrere Personen beteiligt, ein Mann trug leichte Verletzungen davon. Auch die Ordnungshüter selbst waren beim Bahnhofplatz schon Opfer von Tätlichkeiten.

Mehr Patrouillen am Donnerstag

«Auf dem Bahnhofplatz fühle ich mich unsicher, weil es zuhauf komische Gestalten hat», sagt eine Pendlerin gegenüber Tagesanzeiger.ch. Immer wieder werde sie angebettelt oder von Betrunkenen angemacht. «Für gewisse Typen ist man dort als Frau Freiwild», sagt die Winterthurerin.

Die prekäre Lage ist den Behörden in Winterthur seit langem bekannt. Seit Juni 2011 hat die Stadtpolizei Winterthur deshalb die Präsenz um den Bahnhof verstärkt. «An den Wochenenden sind im Bereich Bahnhofplatz, Untertor und Richtung Neuwiesen mehr Patrouillen unterwegs», sagt Bianca Lussi, Sprecherin der Winterthurer Stadtpolizei. Je nach Witterung und Anlässen rückten die Ordnungshüter bis zu 20-mal pro Tag dorthin aus.

Immer häufiger auch am Donnerstagabend, dann haben die Geschäfte in der Altstadt länger offen. «Offenbar gehen die Leute anschliessend eher in den Ausgang», sagt Lussi. Als Antwort darauf hat die Stadtpolizei beschlossen, ab September auch donnerstags ihre Präsenz zu verstärken. «Das war nötig und bedeutet für unsere Mitarbeiter grundsätzlich mehr Dienste am Wochenende.»

Auswirkungen der Bauarbeiten unklar

Im kommenden Sommer soll das alternde Dach des Busbahnhofs einer neuen Stahl- und Glaskonstruktion weichen. Dann werden die 90'000 Fussgänger, die täglich den Busbahnhof frequentieren, ein Jahr lang ohne Bahnhofplatz auskommen müssen. Er wird ab Juni 2012 für die Bauarbeiten gesperrt.

Was dies für Auswirkungen auf den soziokulturellen Brennpunkt hat und ob sich Randalierer und Randständige an einen anderen Ort verziehen werden, ist für die Polizei derzeit unklar. «Bis jetzt haben wir diesbezüglich keine Vorkehrungen getroffen», sagt Lussi. Die Polizei werde die Situation aber beobachten und zu gegebener Zeit reagieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.09.2011, 15:35 Uhr

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