Grander-Wasser in der Karaffe – und im Klo
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 10.12.2010 43 Kommentare
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Links werden Chardonnay, Syrah und Cabernet-Sauvignon feilgeboten, rechts Grander Aqua Win – Auf der Weinkarte des Winterthurer Restaurant National gegenüber dem Bahnhof ist sogenanntes Grander-Wasser aufgeführt, zu 4 Franken für ein 3 Deziliter-Glas.
Es handle sich ursprünglich um normales Winterthurer Leitungswasser. Das National hat 8500 Franken für ein Gerät ausgegeben, mit dem die laut Werbung «ursprüngliche Stabilität und Ordnung des Wassers» wieder aufgebaut werden kann. Nach dieser Kur wird das Wasser entweder mit Kohlensäure oder mit Sauerstoff angereichert und runtergekühlt.
Besser als Valser
«Das müssten Sie schon einmal probiert haben», mahnt National-Wirt Hansruedi Bosshard den Schreibenden. Das Grander-Wasser begeistere mit seiner Weichheit und habe ein derart wunderbares Aroma, dass es sicher besser schmecke als das Valser, das auch noch angeboten werde. «Wir wollen nur das Beste für unsere Gäste.»
Und diese wissen die Vorzüge des Grander-Wassers offenbar zu schätzen: «Es ist sehr beliebt», erklärt der Wirt, der auch das Duschwasser bei sich zu Hause «belebt». Wasser sei weniger gut erforscht, als alle das Gefühl hätten, glaubt Bosshard. Persönlich sei er davon überzeugt, dass richtig codiertes Wasser auch Krankheiten heilen könne. Der Schatten der Scharlatanerie, die über Granders Methoden liegen, stört Bosshard nicht: «Es hat immer irgendeinen Ketzer, der etwas als Humbug bezeichnet.»Er führt das Grander-Wasser bereits seit eineinhalb Jahren im Angebot.
Grander-Wasser in der Toilette und im Pool
Das Wundergerät ist an die zentrale Wasserversorgung des Restaurants gekoppelt. Nicht nur Gäste, die Grander Aqua Win bestellen, sondern auch solche, die kommunes Hahnenwasser wollen, kommen also in den Genuss des Zauberwassers – gratis. Sie müssen allerdings auf die Kühlung sowie die Sauerstoffanreicherung verzichten. Auch die Toiletten des National werden mit original Grander gespült.
Der Tiroler Unternehmer Johann Grander, der mit dem österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet wurde, scheint in Winterthur einen guten Boden für seine Geschäfte gefunden zu haben. In der Eulachstadt kann man das Zauberwasser nämlich nicht nur trinken, man kann sogar darin baden. Das Schwimmbad Wolfensberg hat im Mai «Magnetgeneratoren» installiert, dank denen die Wassermoleküle im Pool mit «Belebungsinformationen» angereichert werden.
Die Badi, die von der Stadt Winterthur finanziell unterstützt wird, hat der Firma von Grander dafür 50'000 Franken überwiesen. Der zuständige Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) bezeichnete das Grander-Wasser als «Quacksalberei» und verlangte von der Badi Rechenschaft über die Verwendung der städtischen Gelder.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.12.2010, 13:02 Uhr


