Zürich

«Hans Ziegler rettete, was zu retten war»

Interview: Pia Wertheimer. Aktualisiert am 18.01.2012 10 Kommentare

Die Pleite des Erb-Imperiums hat ein Millionenloch in die Kasse Winterthurs gerissen. Während Rolf Erb den Sanierer Hans Ziegler scharf kritisiert, lobt der Stadtpräsident von Winterthur dessen Vorgehen.

Besorgt: Der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend befürchtete durch den Zusammenbruch des Erb-Unternehmens einen Imageschaden für seine Stadt.

Besorgt: Der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend befürchtete durch den Zusammenbruch des Erb-Unternehmens einen Imageschaden für seine Stadt.
Bild: Keystone

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Die Erb-Pleite

Die Erb-Pleite
Im Jahr 2003 ging die Erb-Gruppe mit über zwei Milliarden Franken Schulden in den Konkurs. Betroffen waren 80 Firmen.

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Herr Wohlwend, Sie traten im Jahr 2002 das Amt des Stadtpräsidenten von Winterthur an. Rund ein Jahr später, am 5. Dezember 2003, informierte Hans Ziegler, damaliger Geschäftsführer der Erb Gruppe, über den milliardenschweren Schuldenberg der Winterthurer Holding. Wurden Sie vor der Pressekonferenz davon in Kenntnis gesetzt?
Ja, Herr Ziegler hat mich einige Tage zuvor umfassend informiert.

Hatten Sie damit gerechnet?
Nun ja, wenn jemand um einen Termin bittet, gibt er in der Regel an, um was es dabei geht. Herr Ziegler sagte, es gehe um die Familie Erb. Wenn das ein Sanierer so vorbringt, verheisst es in der Regel nichts Gutes – ich war darum auf ungünstige Nachrichten vorbereitet. Es hat mich aber völlig überrascht, dass sie derart schlecht waren.

Weshalb?
Die Erbs vermittelten stets den Eindruck, dass es der Firma gut gehe. Sie verhielten sich auch dementsprechend, was sich im teilweise grossartigen Auftritt widerspiegelte. Das wurde ihnen vielleicht auch zum Verhängnis.

Wie reagierten Sie auf diese Hiobsbotschaft?
Hans Ziegler machte einen guten Eindruck, und er teilte mir seine Absicht mit, die Firmen zu verkaufen, um so Arbeitsplätze zu erhalten. Weil er diesbezüglich einen guten Job machte, gelang das grösstenteils. Er rettete, was zu retten war.

Was bedeutete der Zerfall für Winterthur?
Finanzielle Ausstände von Gemeinde- und Staatssteuern in der Höhe von rund 10 Millionen Franken. Damals begann der Aufschwung unserer Stadt. Ich hörte deshalb diese Nachricht ungern und fürchtete, dass unser Image darunter leiden würde.

Ist eingetreten, was Sie befürchteten?
Nein, rückblickend nicht. Ich wusste aber damals nicht, wie sehr unsere Stadt florieren würde.

War das Imperium für Winterthur mehr als eine Steuern zahlende Firma?
Es war eine gut gehende Firma. Ich traf die Erbs an den jährlichen Treffen mit den Wirtschaftsvertretern. Sie brachten dabei jeweils an, wie gesund ihr Unternehmen sei und dass wir mehr Autos bei ihnen kaufen sollten. Ansonsten spielten sie in Winterthur keine grosse Rolle.

Trotzdem hinterliessen die Erbs ihre Spuren. Markante Liegenschaften wie die Villa Wolfensberg ob Wülflingen und das Zentrum Töss gleich bei der Autobahnausfahrt Töss.
Ja, sie machten damit auch erst nach dem Zusammenbruch von sich reden. Diese Gebäude verfallen und sind uns und der Winterthurer Bevölkerung ein Dorn im Auge. Wir wünschen uns seither, dass sie vor allem das Zentrum Töss entweder totalsanieren oder es jemandem verkaufen, der das tut. Das geschah bis jetzt nicht, darum mussten wir zum Teil schon bauliche Sofortmassnahmen treffen. Es ist eine hässliche Visitenkarte am Eingang unserer Stadt.

Einer der grössten Pleitefälle wird in knapp einer Woche in Winterthur verhandelt. Die Stadt ist deshalb wieder in aller Munde sein. Wie geht es Ihnen dabei?
Ich verstehe den Unmut der Bevölkerung. Das gesunde Rechtsempfinden wird bei dieser Geschichte strapaziert, einerseits, weil es so lange dauerte, bis die Verantwortlichen vor Gericht stehen. Andererseits aber auch, weil grosse Vermögensbewegungen derart kurz vor dem Zusammenbruch vorgenommen wurden. Werden Sie den Gerichtsfall live im Gericht mitverfolgen?
Nein. Ich habe Gescheiteres zu tun. Ich werde die Neuigkeiten der Presse entnehmen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.01.2012, 11:54 Uhr

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10 Kommentare

Simona Gehrig

18.01.2012, 12:56 Uhr
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Durch den Zusammenbruch der Erb-Gruppe wurde viel Unheil verbreitet: viele Gläubiger (darunter auch Arbeitnehmer) warten immer noch auf ihr zustehendes Geld. Analog Swissair wird wohl auch hier niemand zur Verantwortung gezogen. Wenn es darum geht Millionen zu kassieren sind die Wirtschaftsführer gerne in der Verantwortung, aber Fehler werden auf andere abgewälzt. Antworten


Dan Horber

18.01.2012, 13:44 Uhr
Melden 22 Empfehlung

Der Fall Erb ist ein besonders stossender Fall von vermuteter Wirtschaftskriminalität. Schlimmer als das riesige Finanzloch, das die Erbs hinterlassen, ist das ehrlose Verhalten der beiden Söhne nach der Pleite. Wie kann man in einem Schloss residieren, dessen Unterhalt schon mehr kostet als ein gut bezahlter Arbeitnehmer verdient, und bankrott sein? Ich hätte Skrupel. Riesige Skrupel. Antworten



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