Ihm gehören vier Schlösser und Greta Garbos Rolls Royce
Von Felix Schindler. Aktualisiert am 11.11.2009
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Immer wieder gerät der Winterthurer Bruno Stefanini in die Schlagzeilen, weil er seine historischen Liegenschaften verlottern lässt. Im jüngsten Fall zwingt ihn die Stadt Winterthur auf politischen Weg dazu, sich um seine Häuser zu kümmern – und stellte zwei seiner Liegenschaften aus dem 18. Jahrhundert unter Schutz. Jetzt muss Stefanini sanieren, wenn die Stadt es verlangt. Und Mitte Jahr beklagte sich der Gemeindeammann von Salenstein gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet bitter darüber, dass Stefanini das Schloss, das Wahrzeichen der Gemeinde, gleichgültig zerfallen lässt.
Wenn der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend über Stefanini spricht, wägt er seine Worte vorsichtig ab: «Natürlich tut es mir weh, wenn ich sehe, wie Liegenschaften in Winterthur leer stehen. Aber es ist auch Herr Stefanini zu vedanken, dass viele historische Liegenschaften erhalten bleiben», sagt er heute gegenüber Tagesanzeiger.ch. Ebenso so doppeldeutig sind seine Aussagen über die Zusammenarbeit mit Stefanini: «Wenn Herr Stefanini etwas versprochen hat, dann hält er es auch. Leider verspricht er nicht sehr viel.»
Ähnlich reich wie Jürg Marquard
Der einzige, der in all den Medienberichten fast nie etwas sagt, ist Stefanini selbst. Deshalb weiss niemand so genau, wer er eigentlich ist – und wie viel er besitzt. Von 5000 Wohnungen ist die Rede, in der Steinberggasse in der Winterthurer Altstadt soll ihm jedes zweite Haus gehören. Ferner besitzt er mindestens vier Schlösser zwischen Boden- und Neuenburgersee, das Sulzer-Hochhaus, mehrere tausend Werke von Ferdinand Hodler, Albert Anker, Giovanni und Alberto Giacometti, Giovanni Segantini, Felix Vallotton und vielen mehr. Doch sein Vermögen bleibt unfassbar: Auf der Bilanz-Liste der 300 Reichsten Schweizer taucht er nirgends auf, obwohl er vermutlich ebenso reich ist wie Verleger Jürg Marquard oder Privatbanquier Konrad Hummler.
Spätestens jetzt ist eine Präzisierung angebracht, um einer Rüge Stefaninis zu entgehen: Fast all die Reichtümer, sie belaufen sich Schätzungen zufolge auf einen Wert von 500 Millionen Franken, gehören nicht ihm selbst, sondern seiner «Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte», bei der Stefanini Gründer, Präsident und alleiniger Zeichnungsberechtiger ist. Er selbst versteuerte 2002 laut einem Bericht in der Sendung «10 vor 10» ein Einkommen von gut 200'000 Franken und ein Vermögen von 1,6 Millionen Franken.
Schläft in seinem Büro oder in einer leeren Liegenschaft
Mit diesem Geld käme Stefanini allerdings nicht weit. Denn wenn er etwas haben will, dann greift er dafür auch tief in die Tasche. Einen Tisch zum Beispiel ersteigerte er für 1,43 Millionen Franken, weil John F. Kennedy 1963 darauf den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnete. Oder er kaufte Einsteins Tresor, Napoleons Sterbebett, einen Sonnenschirm von Prinzessin Sissi und Greta Garbos Rolls Royce.
Doch in diesem Auto würde sich Stefanini wohl nie zeigen. Wenn er durch die Winterthurer Altstadt eilt, ist sein Haar zerzaust, sein Gesicht unrasiert und sein Anzug abgetragen. Im Zug sitzt er in der zweite Klasse und auch Stadtpräsident Wohlwend bestätigt Stefaninis Bescheidenheit: «Er lebt sehr karg, leistet sich keine Extravaganzen und hat seit Jahrzehnten keine Ferien gemacht.» Um seinen Wohnort ranken sich allerlei Gerüchte. Angeblich stehe ein Bett in seinem Büro, wo er sowieso fast Tag und Nacht arbeite. Andere sagen, er wohne in den Liegenschaften, die er gerade nicht vermiete. Für Luxus interessiert sich Stefanini nicht, egal wie viel er besitzen mag. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.11.2009, 09:58 Uhr



