Weil die Polizei allein nicht reicht

Die Winterthurer wollen ihr Polizeikorps aufstocken. Sie gaben aber dem moderaten Vorschlag des Stadtrats ihren Segen. Damit haben sie einen Vernunftentscheid gefällt.

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Die Winterthurer Polizei braucht Verstärkung. Das wird jedem klar, der nachts am Bahnhof auf den Bus warten muss. Etliche Mal wünschte ich mir jedenfalls eine Polizeipatrouille herbei, sie hätte mein Sicherheitsempfinden gesteigert. Winterthur wächst und mit der Stadt das nächtliche Unterhaltungsangebot. Die Kehrseite dieser Medaille sind Schlägereien und Vandalismus im Stadtzentrum, die nahezu jedes Wochenende Schlagzeilen machen. Darauf muss die Politik reagieren – darin waren sich die Verfasser der Volksinitiative und des Gegenvorschlags einig:

Die SVP forderte mit ihrer Volksinitiative bis 2016 jährlich 24 zusätzliche Stellen im Polizeikorps. Der Antrag des Stadt- und Gemeinderates war moderater. Sie schlugen eine Erhöhung von 14 Polizisten vor. Die Aufstockung soll gemäss Vorlage mit einem Sicherheitskonzept ergänzt werden. Damit sollen auch andere Bereiche helfen, das subjektive Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu steigern. Die Winterthurer haben sich deutlich für den moderaten Stellenausbau ausgesprochen und damit Weitsicht gezeigt.

Gemäss den Berechnungen des Stadtrats würde die von der SVP geforderte Aufstockung der Stadtpolizei um 10 Prozent zusätzliche Personalkosten von zwischen 3,5 und 4,5 Millionen Franken generieren. Dieser stolze Betrag hätte aber all jene Bereiche ausser Acht gelassen, die ebenfalls massgebend am Sicherheitsaspekt beteiligt sind. Obschon für ein langfristiges gesteigertes Sicherheitsempfinden zusätzliche Ordnungshüter alleine nicht ausreichen.

Das Stimmvolk hat sich gegen eine teure Symptombekämpfung entschieden und will die Ursachen bekämpfen. So haben die Winterthurer mit dem jüngsten Abstimmungsresultat der Polizei ein Massnahmenpaket zur Seite gestellt. Sie nehmen damit nicht nur die Ordnungshüter, sondern auch die Politik und die Verwaltung in die Pflicht. Der Stadtrat wird ein Sicherheitskonzept ausarbeiten müssen.

In diesem Papier soll er beispielsweise die Sozialen Dienste anhalten, Menschen von der Strasse zu holen. Die Schulsozialarbeiter haben für einen respektvolleren Umgang der jungen Erwachsenen mit Mitmenschen und Umwelt zu sorgen. Das Bauamt muss durch das Konzept beauftragt werden, die Strassen und Unterführungen gut auszuleuchten und sauber zu halten. Nur durch diese ergänzenden Massnahmen fruchtet die Arbeit eines kostspieligen Polizeikorps. Das haben die Winterthurer richtig erkannt.

(Erstellt: 25.11.2012, 18:18 Uhr)

Pia Wertheimer ist Redaktorin im Ressort Zürich bei Tagesanzeiger.ch. Sie wohnt in Winterthur. (Bild: Boris Müller)

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