Windräder auf Hochhäusern: Stadt Winterthur unterstützt Pilotprojekt

Ein Zürcher Start-up will den Wind auf Dächern zur Stromerzeugung nutzen. Nun erhält es 150'000 Franken, um eine Prototyp-Turbine zu bauen, die effizienter sein soll als gewöhnliche – und praktisch unsichtbar.

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Der Mobimo-Tower in Zürich und das Sulzer-Hochhaus in Winterthur sind im Gespräch. Doch am liebsten möchte Sven Koehler den Prototyp seiner Windturbine auf der Säntis-Bergstation testen. «Wenn sie das überlebt, überlebt sie alles», sagt der Ingenieur. Noch existiert seine Erfindung nur auf Papier. Doch bereits im Oktober soll sie montiert werden, noch vor dem Wintereinbruch.

Koehlers Turbine soll nicht nur Winterstürmen standhalten, sondern vor allem wirtschaftlich sein. Die Idee kam dem Ingenieur und Betriebswirtschafter, als er eine Kleinwindkraftanlage für das Haus seiner Eltern suchte. «Die sind störend laut, der Transport des bis zu 30 Meter hohen Mastes und Abklärungen zur Statik machen sie kompliziert und teuer.» Koehlers Lösung: Module von zwei mal zwei Metern. Sie haben die Grösse eines Smart-Kleinwagens und lassen sich entsprechend unkompliziert transportieren.

Höhere Ausbeute, kaum sichtbar

Zusammengesetzt zu einem Wind-Rail, wie Koehler das System nennt, erzeugen die Module auf Flachdächern Strom. Viel Strom, denn zusätzlich zum Wind nutzt das System die Druckunterschiede, die entstehen, wenn der Wind ein Gebäude umfliesst. Dabei erhöht ein Wind-Rail das Haus um knapp einen Meter, ist somit fast unsichtbar, und weil die Windräder eingehaust sind, sind die Rotoren kaum zu hören.

Um zu testen, wie leise und effizient die Turbinen tatsächlich sind, muss nun jedoch ein Prototyp her. Dafür hat Koehler von der Stadt Winterthur 150'000 Franken aus dem Klimafonds erhalten, wie die Stadt am Montag mitteilte. Sie will damit der Windenergie im städtischen Raum zum Durchbruch verhelfen. Das System sei vielversprechend und komme optisch ansprechend daher, sagt Stadtrat Matthias Gfeller (Grüne), Vorsteher der technischen Betriebe. «Das ist enorm wichtig, wenn man sieht, auf welch grossen Widerstand die herkömmlichen Windkraftanlagen hierzulande stossen.»

Winterthur präferiert Sulzer-Hochhaus

Es ist der grösste Betrag, den die Stadt Winterthur je aus ihrem derzeit 300'000 Franken umfassenden Klimafonds ausgeschüttet hat. Dieser wird durch freiwillige Beiträge der Stromkunden der Stadtwerke finanziert. Seit der Gründung 2007 hat die Stadt zwanzig Projekte zur CO2-Reduktion unterstützt und dabei eine knappe Million Franken ausgeschüttet.

Ob es nun der Säntis wird oder das Sulzer-Hochhaus, auf dem der Winterthurer Stadtrat Gfeller das innovative Produkt gerne sähe: Für Koehler ist der Beitrag der Stadt «ein Meilenstein». Er hat die Entwicklung bisher aus der eigenen Tasche finanziert und betreibt ein kleines Büro im Zürcher Technopark.

Das grösste Potenzial für seine Erfindung sieht Koehler allerdings nicht in Städten wie Zürich und Winterthur: «Da bläst es ein bisschen wenig.» Der Deutsche, der seit zehn Jahren in der Schweiz lebt, schaut gern in sein Heimatland. Nach Hannover etwa. «Oder weiter, nach Dänemark! Je weiter nördlich, desto besser.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 05.08.2013, 16:26 Uhr)

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