Winterthur träumt wieder von einer Stadtbahn
Von Martin Gmür. Aktualisiert am 15.04.2009
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Mit reichlich Neid schauen Winterthurer Politiker derzeit ins Glatt- und ins Limmattal, wo neue Bahnlinien mit deren Namen entstehen. Das nagt am Bewusstsein der Grossstädter und lässt sie eigene Ideen spinnen. Weiterspinnen - denn bereits vor fünf Jahren behauptete eine kleine deutsche Studie, dass eine Stadtbahn mit SBB-Spurbreite in Winterthur machbar und sinnvoll wäre. Zum Plan damals gehörte auch eine fünf Kilometer lange neue Strecke von Töss durchs Sulzer-Areal zum Hauptbahnhof und weiter nach Oberwinterthur sowie in die Region.
Davon ist jetzt nicht mehr die Rede. Im Projekt, das Stadtrat Matthias Gfeller (Grüne) im «Landboten» skizzierte, ist von einer Bahn ausschliesslich auf dem bestehenden SBB-Netz die Rede. Gfeller stellt darin verschiedene neue Stationen zur Debatte, die zwar schon länger im Gespräch, aber nicht realisiert sind. In Töss ist es die Station Försterhaus an der Linie nach Zürich, die vielen Pendlern den Umweg zum Hauptbahnhof ersparen würde. In Wülflingen liegt eine mögliche Station bei der Landwirtschaftlichen Schule. Zudem stehen Oberseen an der Tösstal-Linie und das Technorama auf Gfellers Liste. Grundlage seiner Überlegungen ist eine Studie zum Marktpotenzial des öffentlichen Verkehrs, die eine Rapperswiler Firma im Auftrag des Stadtrats machte.
Im Juni erstes Gespräch mit ZVV
Der VCS hat Gfellers Vorschlag bereits begeistert aufgenommen, was nicht erstaunt. Die Grünen, Gfeller und der VCS standen schon vor fünf Jahren an vorderster Front, als die Stadtbahn-Idee erstmals auftauchte. Gfeller war damals noch Kantonsrat und hatte mit den Grünen die Volksinitiative «Mehr Bahn für Winterthur» lanciert. Der Stadtrat, dem Gfeller noch nicht angehörte, war sowohl gegen die Initiative als auch gegen die Stadtbahn.
Zum einen hat sicher Gfellers Überzeugung gewirkt, zum anderen hat sich der Schwerpunkt verändert. Eine Neubaustrecke im grossen Stil, wie sie vor fünf Jahren propagiert wurde, sei einstweilen nicht finanzierbar, räumt Gfeller ein. Er setzt vielmehr auf die Etappierbarkeit: Viertelstundentakt (wie er in der 4. Teilergänzung der S-Bahn vorgesehen ist), Neubeurteilung der Stationen Wülflingen-Nord und Oberseen. Gfeller spricht auch nicht primär von einer Stadt-, sondern von einer Regio-Bahn. In 10 bis 20 Jahren, glaubt er, könnten Teile davon verwirklicht werden, wenn «dieses Ding richtig angepackt wird». Am 8. Juni findet ein erstes Gespräch mit dem Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) statt.
Es wird nicht auf die Schnelle gehen
Der ZVV-Chefplaner Dominik Brühwiler warnt jedoch vor allzu grossen Erwartungen. Der Eindruck, Winterthur sei vernachlässigt worden, täusche: «Es ist schon viel passiert, und es wird mit der vierten Teilergänzung noch mehr verbessert.» Mehr Platz auf den SBB-Linien zu schaffen, gehe nicht auf die Schnelle, jeder weitere Schritt brauche teure Neubauten. Zur skizzierten Regiobahn Winterthur jetzt schon oder auch nach dem 8. Juni Ja oder Nein zu sagen, so Brühwiler, wäre «salopp», also fahrlässig. Das brauche noch zahlreiche Abklärungen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.04.2009, 08:10 Uhr


































