Immer weitermachen

In «Wer auf der Welt» von Lukas Linder geht es um zwei, die trotz allem das Glück suchen. An einer Probe haben wir den Autor getroffen.

Das Schicksal bringt sie zusammen: Herrn Steinkopf (Christian Kerepeszki) und Frau Ulla (Jeanne Devos).

Das Schicksal bringt sie zusammen: Herrn Steinkopf (Christian Kerepeszki) und Frau Ulla (Jeanne Devos).

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In einem Proberaum auf der Werd­insel, zehn Tage vor der Premiere: Draussen zwitschern die Vögel, und drinnen warten alle darauf, dass es losgeht. Gerade ist auch Lukas Linder durch die Tür gekommen.

Der in Basel lebende Dramatiker will sehen, was man an der Winkelwiese mit «Wer auf der Welt» vorhat. 2011 hatte Linder das Stück für die Treibstoff Theatertage in Basel geschrieben, dort wurde es uraufgeführt. Dass Regisseur Manuel Bürgin es jetzt wieder rausgeholt hat, freut Linder sehr. Das Stück verhandelt weder die Flüchtlingskrise noch den Untergang Europas, stattdessen erzählt es von der Fähigkeit des Menschen, immer weiterzumachen, auch wenn eigentlich nichts mehr geht.

«Was ist denn hier mit Lotto?»: Diesen Satz hat der Schweizer Autor mal irgendwo in Deutschland an einem trostlosen Bahnhof aufgeschnappt, und in diesem ersten Satz, den der Mann auf der Bühne jetzt in einen Kiosk hineinruft, spiegelt sich, worum es im Stück geht: die Verletzbarkeit des Menschen, Selbstbetrug und grosse Träume.

2015 wurde Linder mit dem Kleist-Förderpreis ausgezeichnet, momentan arbeitet der 33-Jährige an einer Auftragsarbeit fürs Theater Basel. «Wer auf der Welt» bedeutet ihm viel: «Ich mag das Stück immer noch speziell gern, wegen der Zärtlichkeit der beiden Figuren.» – Gemeint sind Herr Steinkopf und Frau Ulla.

Herr Steinkopf wurde gerade gefeuert, beim Abgeben seines Lottoscheins lernt er die Kioskbesitzerin Frau Ulla kennen. Gemeinsam beschliessen sie, in einem schäbigen Hotel eine Entführung vorzutäuschen, um Lösegeld zu erpressen. Doch als der ersehnte Mann mit dem Koffer kommt, hat der statt Geld nur eigene Probleme dabei.

Es ist ein schräges, melancholisches Stück. Auch in der Inszenierung von Manuel Bürgin. Der Regisseur trägt der Skurrilität mit Geräuscheffekten und allerlei absurd-komischen Elementen Rechnung. So beginnt alles mit einer mechanischen Kettenreaktion à la Fischli&Weiss’ «Der Lauf der Dinge». Was die Melancholie angeht, scheut sich Bürgin nicht davor, der Inszenierung zusammen mit seinem Haus- und Hofmusiker Sandro Corbat einen entsprechenden Soundtrack zu verpassen.

Lukas Linder hat während der Probe oft gelacht. Er sei sehr glücklich mit der Inszenierung, sagt er. «Ich habe weniger Angst davor, dass eine Inszenierung mein Stück kaputt macht, als mehr davor, dass meine Sätze nicht gut sind.» Aufgeregt sei er heute vor allem deshalb gewesen, weil er die Werdinsel fast nicht gefunden habe.

Premiere: So, 19 Uhr Theater Winkelwiese Bis 10.6. (Zueritipp)

Erstellt: 17.05.2017, 14:47 Uhr

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