Cola zum Luxusmenü? Aber ja!

Wenn es Sie nach einem Süssgetränk zwischen Hummer und Rindsfilet verlangt, nur zu! Eine Anleitung zum freudigen Tabubruch.

Kalt muss es sein: Nichts erfrischt so wie ein Süssgetränk, auch wenn es vernünftiger wäre, Wasser zu trinken.

Kalt muss es sein: Nichts erfrischt so wie ein Süssgetränk, auch wenn es vernünftiger wäre, Wasser zu trinken. Bild: Reuters

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In Zürich wimmelt es nur so von distinguierten Weintrinkern, Kaffeekennern und Whiskyexperten, die gegen den Durst stets nur jungfräuliches Wasser zu sich nehmen. Mit den schon von der Zahnputztante in der Primarschule verteufelten Süssgetränken will – offiziell – niemand etwas zu tun haben. Ausser ich! Ich liebe Süssgetränke! Coca-Cola, Elmer Citro, Sinalco, Pepita, San Pellegrino Aranciata, Orangina – immer her damit! Gerne schütte ich mir meine Cola auch in gehobenen Lokalen rein. Dort, wo die Kellner ein wenig spöttisch die Augenbrauen hochziehen, wenn ich meinen Wunsch äussere. Dabei würden sie sich besser mal damit beschäftigen, wie man denn ein solches Süssgetränk korrekt serviert.

Wer eine Cola so einschenken will, wie es sich gehört, braucht Geduld und Gefühl. Das braune Blubberwasser muss ganz langsam ins schräg gehaltene Glas fliessen. Nur so bleibt genug Kohlensäure übrig. Wenn die Cola wegen einer zu schwungvollen Ausschanktechnik schäumt, ist sie im Eimer. Dann lohnen sich die 37 Kalorien pro 100 Milliliter nicht.

Und natürlich müssen Süssgetränke so kalt sein wie das verglaste Reich der Königspinguine im Zürcher Zoo. 4 Grad sind ideal. Leider steckt auch hier der Teufel im Detail: Oft ist das Getränk selbst zwar kalt genug, das Glas, das kurz davor erst aus dem Geschirrspüler kam, aber schauerlich warm. Echter Service wäre es, das Glas vorzukühlen, so wie man das in guten Bars mit den Cocktailgläsern macht.

Kommen wir zur Frage nach dem richtigen Eis: Die eckigen, klaren Würfel aus der japanischen Maschine müssen es sein. Sie sind massiv und schmelzen darum nicht so leicht dahin wie die windigen Dinger aus den günstigeren italienischen Eismaschinen. Die sind nämlich innen hohl. Viel Eis ist übrigens gut. In einem Glas mit viel Eis verwässert das Getränk nicht, es bleibt nur länger kalt.

Das Zitronenproblem

Eine nicht zu beseitigen scheinende Unsitte sind die achtlos zersäbelten, manchmal sogar schon bräunlichen Zitronenscheiben in der Cola. Man kann ihren Geschmack mögen oder nicht, Fakt ist: Die Dinger sind zimmerwarm und darum eine Gefahr für die richtige – sprich: eiskalte – Temperatur. Dazu ist es mehr als ärgerlich, wenn man die Kerne der Zitrone aus dem Getränk fischen muss. Die Vorsichtsmassnahme, die Cola explizit mit Eis, aber ohne Zitrone zu bestellen, funktioniert leider auch nicht zuverlässig. Nicht selten erhält man dann eine Cola mit Zitrone, aber ohne Eis. Eine sehr elegante Lösung begegnete mir im besten Restaurant der Schweiz, dem Schloss Schauenstein im bündnerischen Fürstenau. Dort wird die eiskalte Coca-Cola mit einem Stück Zitronenzeste serviert. Und das Servicepersonal zieht auch nicht die Augenbrauen hoch, wenn man eine Cola ordert, wobei ich das jeweils erst vor dem Dessert mache.

Andernorts aber, wo mich während eines Menüs bisweilen ein stumpfes Gefühl der Sättigung überkommt, ist so ein eiskaltes Süssgetränk das beste Mittel, beim Essen eine zweite Luft zu bekommen. Es nimmt eine ähnliche Funktion ein wie das früher gern zwischen den herzhaften Gängen servierte Sorbet. So gesehen ist das Elmer Citro nichts anderes als ein flüssiges Zitronensorbet mit Kohlensäure.

Interessanterweise ist Elmer Citro neben Orangina das einzige Süssgetränk, das auch aus der 0,5-Liter-PET-Flasche schmeckt. Aus jenen Plastikbehältern also, die sonst veritable Särge für das Blubberwasser sind. Cola aus PET-Flaschen schmeckt immer abgestanden und hat zu wenig Kohlensäure drin. Weiss der Teufel, warum man sogar im Restaurant bisweilen mit PET-Flaschen konfrontiert wird. Das ist so, als würde einem das 45 Franken teure Entrecote auf einem Picknick-Plastikteller serviert.

All jenen, die den Konsum von Citro, Cola und Sinalco zu einem schönen Essen als Barbarei verurteilen, sei gesagt: Die ausufernden Weinbegleitungen, die einen dermassen besoffen machen, dass man spätestens beim Hauptgang die Arbeit der Küche nicht mehr würdigen kann, sind eine noch viel grössere Dummheit.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.02.2017, 12:51 Uhr

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