Die grössten Sauereien am Tisch, Teil 2

Pfirsiche mit Mayonnaise, Birchermüsli mit Salz oder gefrorene Gipfeli: Das kulinarische Sündenregister der Leserschaft von Tagesanzeiger.ch/Newsnet ist gewaltig.

Hier wird einem schon bei Anschauen schlecht: Dosenpfirsiche mit Shrimps und ganz viel Mayonnaise.

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Die Zahl der kulinarischen Schweinigel in diesem Land scheint noch viel höher zu sein, als ich mir das letzte Woche bei meinem Sammelaufruf für absurde Essgewohnheiten erhofft hätte. Aus dem ganzen Land erreichten mich unzählige Zuschriften von Menschen, die mir freimütig anvertrauten, mit welch schauerlichen Sachen sie sich bisweilen den Magen füllen. Ein derartiges Schwein wie besagter Kollege D., der ganze Mayonnaisetuben aussaugt, ist zwar niemand unter den geschätzten Leserinnen und Lesern, von ziemlichen Ferkeln kann man aber doch mit Fug und Recht reden.

Vor allem im Fall von Frau M., die ihre Spaghetti am liebsten mit einer Curry-Bananen-Sauce isst und schweres Schindluder mit dem helvetischen Kulturgut Birchermüsli treibt: Dieses bestreut sie mit Meersalz – und zwar flächendeckend. Die vierjährige Tochter von Frau M. – es fehlt ihr ganz offensichtlich an einem mässigenden Einfluss – verzehrt derweil voller Freude Pfirsiche mit Mayonnaise und mit Schinkenwürfeli aufgemotzte Nutellabrote.

Herr M. – mit genannter Frau M. in keiner Verbindung stehend – nimmt sich dagegen fast schon konservativ aus. Er ist ein Anhänger des Mischmaschs aus Mayonnaise, Tomatenpüree und Le Parfait. Wobei ich in diesem Fall den Verzehr von purem Le Parfait schlimmer fände. Das Zeug erinnert mich fatal an Katzenfutter und an einen Klassenkameraden, der ständig Le Parfait ass und aus dem Mund roch wie ein räudiger Kater. Die Liebe zum Tomatenmark kann ich hingegen gut verstehen. Und weil es in den Zuschriften immer wieder genannt wurde, habe ich mir mal eine zünftige Portion kaltes Tomatenmark in den Mund gejagt. Und dann gleich noch eine Ladung.

Aber es soll hier ja nicht um meine Vorlieben gehen, sondern um jene der Leserschaft. Darum zitiere ich Frau F.: «Ich liebe Tiefkühlprodukte, aber nicht warm aus dem Ofen, sondern in gefrorenem Zustand, direkt aus der Truhe.» Besonders köstlich seien brettharte, eisige Gipfeli und Schoggikuchen mit diesen Attributen. Zur Verteidigung von Frau F. sei gesagt, dass sie nicht stolz ist auf diese Perversion. «Da ich mich sonst als kultivierten Menschen betrachte, wäre ich froh, wenn mein Name nicht erscheinen würde», schrieb sie in ihrem Mail.

Paprikapulver im Joghurt und ganz viel Essig

Herr G., der mich mit «geschätzte Frau Kühn» begrüsste, hat seiner Zuschrift dagegen sogar gar ein Porträtbild beigefügt. Um mich zu lavaterschen Betrachtungen bezüglich Aussehen und Essgewohnheiten anzutreiben? Wie dem auch sei: Der junge Mann steht auf Pizza Hawaii mit Mayonnaise. Frau G. wiederum meldete mir, dass einer ihrer Bekannten den Brotaufstrich Cenovis – bestehend aus Bierhefe und Gemüseextrakten – pur und direkt ab Tube verzehre. Sie selbst gehörte als Kind wie ich zur Fraktion jener, die trockene Haferflöckli und Zucker im Verhältnis 1:1 mischten, und hatte dafür sogar einen hübschen Namen: Sandsturm. Auch gefiel es ihr, rohe Spaghetti in heisses Wasser zu halten und die Pasta zu verzehren, wenn sie nach ein paar Sekunden die Konsistenz von Fernsehkabeln angenommen hatte.

Auch Herr H. soll an dieser Stelle gewürdigt werden, ist er doch ein mutiger Mann, der sein Vanillejoghurt mit Paprikapulver verfeinert. Noch ein Stück mutiger ist jedoch Herr K., der geriebenen Emmentaler, Maggi-Flüssigwürze und Ketchup zusammenrührt und diesen Brei dann auslöffelt. Ein Ferkel aus meinem Freundeskreis – nennen wir es Herr V. – würde diesem Mix noch Essig beifügen. Sein kulinarischer Fetisch ist es nämlich, alles in Rotweinessig zu ertränken und danach zu zermantschen. Auch hat Herr V. bei diesen schrecklichen BBQ-Saucen und – natürlich – bei Mayonnaise eine lockere Hand. Seit ich einmal versucht habe, von Herrn V. zubereitete Fischstäbli ohne Essig, Mayonnaise und BBQ-Sauce zu essen, kann allerdings auch ich diesen Beigaben etwas abgewinnen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2017, 14:00 Uhr

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