Nie wieder vor dem Computer essen!

Seien Sie nett zu sich selbst – und gönnen Sie sich einen anständigen Zmittag! Ein subjektiver und doch irgendwie objektiver Ratgeber.

Geissel der Neuzeit: Ein Zmittag vor dem Bildschirm. (iStockphoto)

Geissel der Neuzeit: Ein Zmittag vor dem Bildschirm. (iStockphoto)

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Das Mittagessen ist in meiner Agenda stets der wichtigste Termin, das kleine Weihnachten meiner Arbeitstage. Die Aussicht darauf lässt mich das Aufstehen zu einstelligen Uhrzeiten mit Fassung tragen und auch die Red-Bull-Trinker mit ihren stinkenden Dosen in der S-Bahn. Nie, nie, nie würde ich meinen Lunch im Stehen oder gar vor dem Computer verzehren. Eher liesse ich mir von meiner sechsjährigen Nichte die Haare schneiden.

Um mich herum aber schreitet der kulinarische Sittenverfall rapide voran. Mit Plastikbesteck, Kartonschachteln, Tupperwaredosen und McDonald's-Tüten armierte Menschen hasten an mir vorbei. Zurück zum Computer, zurück zum E-Mail-Account und dem schauerlichen, fordernd plärrenden Telefon. Das eine Auge auf dem Handyscreen, das andere auf irgendeinem File, werden sie ihr Futter in sich reinstopfen. Eine Frevelei, die an gewissen Orten sogar als Statussymbol gilt. Ganz nach dem Motto: Ich esse am Arbeitsplatz, also bin ich wichtig.

Dabei ist Zürich reich an vorzüglichen Orten fürs Mittagessen, auch wenn man weder viel Geld noch viel Zeit investieren möchte. Dass anständiges Essen teuer sei und nicht jeder zwei Stunden Mittagspause machen könne, sind die ältesten und dümmsten Argumente gegen die menschenwürdige Nahrungsaufnahme. Ich empfehle, je nach Budget, Vorliebe und zur Verfügung stehender Zeit, die folgenden Optionen:

1. Kaufen Sie sich am Morgen auf dem Weg ins Büro in einer Bäckerei ein Stück Brot. Darauf kommt dann nichts als Butter. Essen können Sie ihr Butterbrot auf der nächsten Grünfläche oder auf einer Parkbank in der Sonne. Sie kommen an keiner Bäckerei vorbei? Im Reformhaus Egli im Bauch des Hauptbahnhofs gibts eine erstklassige Brotauswahl. Wenns mit dem Budget doch nicht so dramatisch ist, können Sie noch Salami oder Käse als Belag fürs Brot und ein Rüebli kaufen. Sie werden sich fühlen wie ein Kind auf der Schulreise.

2. In der Metzg hinter dem Helvetiaplatz, einer Mischung aus Bistro und Metzgerei, bekommen Sie ihr Essen fast so schnell wie bei McDonald's. Nur fühlen Sie sich nach dem Verzehr um Welten besser. Unter anderem gibts das beste Sandwich der Stadt (mit warmem Fleischkäse und selber eingemachtem Rettich), erstklassige Würste und immer eine wärmende Suppe. Für 15 Franken wird man satt.

4. Statten Sie dem Bistro in der Bäckeranlage einen Besuch ab. Das viele Grün rundherum ist Wellness für Bürotiger, das Essen, das Sie vorne an der Kasse bestellen und gleich daneben abholen können, stets frisch zubereitet. Immer wieder gut: die Gemüsewähe mit bunt gemischten Salaten. Mit rund 20 Franken sollten Sie durchkommen. Frisches Brot gibts à discrétion, man muss es nur aus dem Korb auf der Theke nehmen.

5. Sehr gute Menüs inklusive Suppe oder Salat für rund 25 Franken bieten unter anderem das Volkshaus und das Italia an. Beide Lokale verfügen über eine leichte, bekömmliche Küche, basierend auf sorgfältig ausgewählten Produkten. Wenn Sie es rustikaler mögen, dürften die Betriebe der Beffa-Gastronomie ihren Geschmack treffen, der Aargauerhof zum Beispiel. An allen genannten Orten werden Sie zügig bedient.

6. Ein paar Franken teurer ist es im Real an der Müllerstrasse. Aber Sie bekommen eine Menge geboten: eine grosse, gehaltvolle Suppe, einen schönen Salat und einen stattlichen Hauptgang im gepflegten Fressbeiz-Stil, zum Beispiel Kalbsschnitzel an Zitronensauce mit Nudeln oder Entrecôte mit Kräuterbutter, Pommes frites und Gemüse. Butter zum Bürli ist hier Standard, ebenso ein paar Stücke Tortilla zum Einstieg.

7. Für den Lunch im Gustav an der Europaallee sollten Sie zumindest eine gute Stunde einplanen. Doch das lohnt sich doppelt und dreifach. Gemessen am Genuss, ist der Dreigänger für 56 Franken ein Schnäppchen. Diese Woche gibts bei Antonio Colaianni, dem Meister der sinnlichen Küche, einen Griechischen Bauernsalat, Maispoulardenbrust mit Rauchmandelkruste, Eierschwämmli und Wildspargelrisotto sowie eine Dessertkreation aus Ananas, Schokolade, Kokos- und Erdnuss. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.03.2017, 15:10 Uhr

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