Zürichs schönste Bar – aber nicht mehr lange

Wer in einzigartiger Atmosphäre an Barmöbeln à la Playboy Mansion gekonnt gemixte Cocktails trinken möchte, muss sich beeilen.

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«Schuld an alldem hier ist eigentlich die Komödie ‹The Party› mit Peter Sellers», sagt Oliver Zingg und zeigt auf die zehn bestens bestückten, sorgfältig polierten Hausbars, die derzeit in der grossen Ausstellungshalle der Galerie Nadja Brykina stehen. Die Ästhetik der mehrheitlich in den späten Sechzigerjahren gebauten Bars habe es ihm angetan, im 1968 gedrehten Film von Blake Edwards sei er erstmals auf ein solches Möbel aufmerksam geworden.

Weil Zingg nicht nur Hausbars sammelt, sondern auch das «oli» im Namen des Zürcher Cateringunternehmens Franzoli ist, sind die Schmuckstücke nun Teil des Pop-up-Projekts Hotpot & Cocktails gleich neben dem Hallenbad City. Im Untergeschoss gibts an langen Tafeln auf Voranmeldung ein Dinner mit allerlei Köstlichkeiten, die man in brodelnder Dashibrühe gart, oben flanieren die Gäste von Bar zu Bar und stossen auf den Frühling oder zumindest auf die Hoffnung auf dessen Wiederkehr an.

27 Bars besitzt Franzoli inzwischen. Die ersten beiden schafften Zingg und sein Geschäftspartner Franz Rhomberg vor drei Jahren für einen Event. Die grosse Sammelleidenschaft begann vor eineinhalb Jahren.

Zwei bis drei Drinks pro Station

Pro Bar-Station sind zwei bis drei verschiedene Drinks erhältlich. Das Angebot reicht vom fruchtig-herben Rhabarber-Bellini – Gott sei Dank auf Champagner- und nicht auf Proseccobasis – über den hier alles andere als ordinären Sea Breeze mit gut herausschmeckbarem Grapefruitanteil bis zum wuchtigen Dark & Stormy mit braunem Rum und Ginger Beer. Bezahlt wird mit goldenen Jetons, die es gleich nach dem Eingang zu kaufen gibt. Ein Jeton kostet 5 Franken, die meisten Getränke drei Jetons.

Besonders spektakulär ist eine Bar im hinteren Teil der Galerie: Das vom Designer und Fotografen Willy Rizzo inspirierte Ensemble besteht aus zwei abgerundeten Elementen aus glänzendem Chromstahl und cremefarbenem Wildleder. Die Bar wirkt, als sei sie vom Franzoli-Team aus der Playboy Mansion von Hugh Hefner stibitzt worden. Tatsächlich stammt sie aus Italien; Oliver Zingg hat sie aber in den USA ausfindig gemacht und per Luftfracht in die Schweiz fliegen lassen. «Eines Tages, als ich schon gar nicht mehr glaubte, dass sie noch rechtzeitig für dieses Projekt hier ankommen würde, stand sie in grossen Kartons vor der Tür», erzählt er.

Weisse Jacketts und geschickte Handgriffe

Irgendwann möchte der Sammler hundert Hausbars im Besitz von Franzoli sehen. Bisweilen, so gesteht er, habe er schon ein wenig Angst, dass ihm jemand ein besonders schönes Objekt wegschnappen könnte, auch wenn es seines Wissens keine grosse Sammlerszene gebe. Sollte jemand ein spezielles Stück bei sich stehen haben, Franzoli wäre ein dankbarer Abnehmer. Kürzlich erst stellte eine Dame Zingg eine Hausbar mit Leopardenmuster in Aussicht. «Aufregend, nicht?», sagt er.

Die Bartender in der Galerie Nadja Brykina tragen weisse Jacketts und wirken, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan als Cocktails gemixt. «Haben sie aber nicht», sagt Oliver Zingg. «Es sind Mitarbeiter von Franzoli. Ein professioneller Barkeeper aus dem George hat ihnen die wichtigsten Kniffe beigebracht und sie für die Zubereitung der jeweiligen Drinks sensibilisiert.

Weil die schönsten Dinge selten von Dauer sind – man denke nur an Blumenbouquets und die Liebe –, wird auch die wunderbare Barlandschaft in der Galerie Nadja Brykina nach dem 6. Mai wieder verschwinden. «Wahrscheinlich unwiederbringlich», wie Oliver Zingg bemerkt. Franzoli habe zwar durchaus Angebote, so etwas wie Hotpot & Cocktails an anderer Stelle wieder aufzuziehen, es dünke ihn und Rhomberg aber wenig spannend, einen Anlass einfach zu reproduzieren. «Wir wollen lieber wieder etwas Neues machen. Und eine schöne Erinnerung ist doch auch etwas Grossartiges, fast so grossartig wie eine schöne Hausbar.»

Hotpot & Cocktails, Sihlstrasse 91, 8001 Zürich
Tel. 043 300 13 31
www.hotpotandcocktails.ch
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.04.2017, 15:48 Uhr

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