Heidi in Hochglanz

Das Filmpodium zeigt 17 frisch restaurierte Klassiker der Schweizer Filmgeschichte. Vier Lieblinge.

«Die Käserei in der Vehfreude» (1958) lief in Deutschland unter dem Titel «Wildwest im Emmental».

«Die Käserei in der Vehfreude» (1958) lief in Deutschland unter dem Titel «Wildwest im Emmental».

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Käserei in der Vehfreude
Das waren noch Zeiten, als sich drei von vier Schweizern einen Kinofilm ansahen: Bei dieser Gotthelf-Verfilmung von Franz Schnyder war das der Fall. Der Regisseur von «Uli der Knecht» hatte zuvor mit «Der 10. Mai» ein ambitioniertes Flüchtlingsdrama realisiert, das kein Publikum fand. So kehrte er mit Peitschen und Zoten ins Emmental zurück, investierte die damals horrende Summe von einer Million Franken und drehte in Breitleinwand und Schwarzweiss. Mit dabei waren die beliebtesten Schweizer Darsteller jener Zeit; gespart wurde weder mit Action noch mit Sprüchen, es gibt Wirtshausraufereien und gar ein Wagenrennen. Der Publikumserfolg lief auch in Deutschland – da unter dem viel­sagenden Titel «Wildwest im Emmental». (ml)
So 4./So 18./So 25.6. Gilberte de Courgenay
Es bleiben: ein Lied und ein Gesicht. Das Lied war 1941 schon berühmt, es besang eine Wirtstochter aus der Ajoie, die während der Grenzbesetzung 1914/18 freundlich gewesen war zu 300'000 Soldaten: «C’est la petite Gilberte, Gilberte de Courgenay?…» Es gibt Fotos von der jungen Frau, ihre Hübschheit war real und handfest. Aber die Bilder der echten Gilberte werden uns niemals davon überzeugen, dass sie nicht doch ausgesehen hat wie Anne-Marie Blanc in ihrer züchtigen Schönheit: eine Elfe im Militärmantel. Schnyders Film übertrieb es gewaltig mit der treuherzigen Aktivdienstfolklore, und für eine jurassische Beiz war die Blanc ja viel zu fein. Jedoch dem Publikum war das egal, es verliebte sich in den Wunsch, nicht in die Wirklichkeit. Und diese Liebe wurde in der Schweiz erblich. (csr)
Fr 2./Mo 5./Do 8.6.

Hinter den sieben Gleisen
Kurt Frühs Geschichte von den drei Vagabunden am Gleismeer von Zürich, denen eine junge Deutsche in die Hütte kommt, um dringend ein Kind zu gebären, wird scheints jedes Jahr ein Stück aktueller: Wo zuvor das Kleingangstertum regierte, fahren nun Retro-Kinderwagen auf, aus alten Schuppen werden umgehend Geburtshäuser, und selbst die Tagediebe müssen neuerdings früher aufstehen, um das verantwortungsvolle Leben mit Wöchnerin und Baby einzurichten. Nur die Vintage-Möbel waren 1959 günstiger, aber sonst galt schon damals der Slogan des 25 Hours Hotel Langstrasse – «real place, real people» –, und auch die Dialoge kann man ­weiterhin gut brauchen, vor allem nahe der Europaallee: «Chumm, stell ab mit dim Zirkus!» (blu)
Fr 9./Do 15./Di 27.6.

Wachtmeister Studer
Friedrich Glauser selbst schrieb Heinrich ­Gretler einmal, dass er sich keinen anderen Schauspieler in der Rolle seines Wachtmeisters vorstellen könne. Den fertigen Film erlebte Glauser nicht mehr, aber Gretlers Darstellung ist schweizerische Kollektiverinnerung. Da sieht man ihn als Studer an einem Kiosk, mit Filzhut, Regenmantel und Walrossschnauz. Er kauft sich eine ­Zeitung und «e Brissago. Blauband.» Kriminelle behandelt er wie Kinder, verständnisvoll, aber streng. Zu Beginn des Filmes sieht er nach Erwin Schlumpf (Robert Bichler), der wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft sitzt – Studer ahnt bereits, dass der ehemalige Verdingbub zu ­Unrecht beschuldigt wird. In der Zelle dann der Schreck: Der junge Mann hat sich am Gitterfenster aufgehängt. Studer kann ihn gerade noch retten. Papa schimpft: «Aber Schlümpfli…So öppis macht mer doch nöd!» (ggs)
Mi 17./Fr 19./Di 23.5.

Gesamtes Programm siehe www.filmpodium.ch (tipp)

Erstellt: 17.05.2017, 14:16 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Weekend-Abo

Unter der Woche Zugang auf das digitale Angebot, am Wochenende die Zeitung im Briefkasten. Jetzt testen.

Kommentare

Blogs

Mamablog Rentenalter 57, aber nur für Frauen

Politblog Fetisch Effizienz

Die Welt in Bildern

Ein Ohrenschmaus: Das Glastonbury-Festival mit über 100'000 Besuchern, ging heute nach fünf Tagen zu Ende.Ein Zuhörer beim Verlassen des Geländes (26. Juni 2017). Revellers and detritus are seen near the Pyramid Stage at Worthy Farm in Somerset during the Glastonbury Festival in Britain, June 26, 2017. REUTERS/Dylan Martinez
(Bild: Dylan Martinez) Mehr...