Genug konsumiert?

Die kanadische Bildhauerin Liz Magor treibt gern Schabernack mit dem Publikum. Wie, zeigt ihre erst grosse Schau in der Schweiz.

Da hat jemand ordentlich Party gemacht – und dann, immerhin, alles schön zusammengestellt.

Da hat jemand ordentlich Party gemacht – und dann, immerhin, alles schön zusammengestellt. Bild: Liz Margo

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Da liegen ein Dutzend Serviertabletts übereinander, die nicht recht ineinanderpassen. Goldene, silberne, solche mit geschwungenem Rand, schmucklose. Dazwischen das, was nach einer durchzechten Nacht (neben einem kleinen Kater) halt übrig bleibt: Zigarettenstummel, gebrauchte Taschentücher, halb leere Flaschen, Kaugummis. «Stack of Trays» heisst die Skulptur der kanadischen Künstlerin Liz Magor, der das Migros-Museum nun als erstes Haus in der Schweiz eine umfassende Retrospektive widmet. Ihr Titel: «You, You, You».

Liz Magor (*1948 in Winnipeg) zählt zu den einflussreichsten Bildhauerinnen Kanadas. Und das schon eine ganze Weile: 1984 nahm sie erstmals an der Venedig-Biennale teil, 1987 an der Documenta 8 in Kassel. Dabei geht die heute in Vancouver lebende Künstlerin eigentlich seit je nach dem gleichen Prinzip vor: Als Erstes streift sie ausgiebig durch Brockenhäuser und Secondhandshops. Dort ersteht sie – zweitens – Gegenstände, die den Alltag einst bequemer oder schöner machten, nun aber ausrangiert, vergessen, nutzlos geworden sind. Also haucht ihnen Magor in einem dritten Schritt neues Leben ein: indem sie sie zu Kunst werden lässt.

All ihre Arbeiten drehen sich dabei um die Beziehung des Menschen zu den Dingen. Zu den Konsumgütern, die das Leben leicht und schwer zugleich machen. Abstrakter ausgedrückt: Magor ist fasziniert von der Produktions- und Wertschöpfungskultur. Darum ja auch das «You, You, You» des Zürcher Ausstellungstitels: Es ist, als würde die Künstlerin mit dem Finger auf jeden einzelnen Betrachter zeigen. Ihn schelten, zum Grübeln bringen – und auch ein bisschen an der Nase nehmen.

Wie man weiss, ist selten etwas so, wie es auf den ersten Blick scheint. Das gilt für Liz Magors Kunst ganz besonders: So manches ist bei ihr gefakt – zum Beispiel die eingangs erwähnten Tabletts. Sie sind nicht echt, sondern Abgüsse aus Gips. Denn darum geht es Magor: um die Ambivalenz, wie wir zu den Dingen stehen und mit ihnen verfahren. Gegenstände, die wie neu aussehen, werden einfach ausrangiert. Zigis hingegen, die nach wenigen Zügen zu Asche zerfallen, oder Alkohol, dessen Wirkung so flüchtig ist wie ein Gewitterregen: Wer würde schon freiwillig darauf verzichten? Eine Besonderheit von Magors Skulpturen ist, dass sie immer ohne Sockel auskommen müssen. Und zwar, weil sie so – anders als «klassische» Kunstwerke – mit ihrer Umgebung in Verbindung treten können. Der bald 70-jährigen Kanadierin gefällt es, wenn die Kunst letztlich dieselbe Realität teilt mit jenen, die sie konsumieren Im Migros-Museum zeigt Magor Skulpturen und Installationen aus den letzten drei Jahrzehnten. Die Kuratoren kombinieren die Soloschau der Kanadierin übrigens mit einer kleinen Auswahl aus der hauseigenen Sammlung – und rollen damit das Ausstellungsformat «Collection on Display» wieder auf, das dieses Jahr unter dem Motto «Communities, Rules and Rituals» als dreiteilige thematische Reihe daherkommt. Der erste Streich, «Communities», vereint unter anderem Arbeiten von Steve McQueen, Shirana Shahbazi und Wu Tsang.

Bis 7. Mai im Migros Museum (Zueritipp)

Erstellt: 17.02.2017, 11:38 Uhr

Zur Ausstellung

Die Hintergründe
Die Ausstellung Osiris – Das versunkene Geheimnis Ägyptens basiert auf Franck Goddios Entdeckung der antiken Städte Heraklion und Kanopus in der Bucht von Abukir im Jahr 2000. Die Ausstellung wurde zuvor im Institut du monde arabe in Paris (2015) sowie im British Museum in London (2016) gezeigt.

Die Ausstellungsstücke
Neben einer Vielzahl an Alltagsgegenständen aus der ägyptischen Spät- bzw. griechisch-römischen Zeit gibt es auch eine mehrere Meter hohe Statue des Gottes Osiris zu sehen – und Goddios Lieblingsfund: eine Schrifttafel, die offenbarte, dass die zuvor nicht zu lokalisierende Stadt Thonis identisch mit Heraklion ist.

Das Rahmenprogramm
Führungen (ca. 60 Min., im Eintrittsticket inbegriffen): immer Mi 18 Uhr/Do 12.15 Uhr. Weitere Infos unter www.osiris-zuerich.ch

Franck Goddio, (70), stand mitten im Berufsleben als Finanz­berater, als er 1985 beschloss, sich fortan der Unterwasserarchäologie zu widmen. Seither führt der Franzose rund um den Erdball Tauchgänge im Auftrag verschiedener Nationen durch. 2009 wurde Goddio mit dem französischen Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet, seit demselben Jahr ist er Dozent am Archäologischen Institut der Oxford University. Goddio lebt in Paris und Madrid.(ZT)

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